Peter K.
Amok-Rentner von Biel: «Jetzt rede ich!»

In seinem Brief an die az schreibt der 67-jährige Rentner Peter K. über seine Erfahrungen in Untersuchungshaft und skizziert seine Verteidigungsstrategie.

Vasilije Mustur
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Der Brief vom Amok-Rentner Peter K. sitzt seit seiner Verhaftung im Regionalgefängnis Biel. Aus seiner Zelle schreibt der Rentner der az einen Brief.

Der Brief vom Amok-Rentner Peter K. sitzt seit seiner Verhaftung im Regionalgefängnis Biel. Aus seiner Zelle schreibt der Rentner der az einen Brief.

azNetz
Auszug aus dem Brief von Peter K. an die az

Auszug aus dem Brief von Peter K. an die az

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Lange hat er geschwiegen. Nun äussert sich der mutmassliche Amok-Rentner von Biel zwei Monate nach seiner Verhaftung gegenüber der az exklusiv zu seinen Gefühlen und den Haftbedingungen im Regionalgefängnis Biel. «Ich wohne in einer Einzelzelle, so wie die meisten meiner Mitgefangenen».

Wie Peter K.* in seinem zweiseitigen Brief - welcher der Redaktion exklusiv vorliegt, schreibt - stört ihn dieser Umstand nicht: «Da ich von Natur aus eher Einzelgänger bin, und gerne meine Ruhe habe, gefällt es mir so am besten».

Nichtsdestotrotz fühle er sich in der Einzelhaft nicht einsam. Der Grund: «Man trifft sich drei Mal am Tag, während circa drei Stunden, mit den Mitgefangenen».

Haft als Chance

Darüber hinaus sieht der Verdächtige in der Untersuchungshaft auch eine Chance. «Ich lerne viele interessante Menschen kennen. Es ist eine einmalige Gelegenheit unsere Gesellschaft von einer sonst eher unbekannten Seite kennenzulernen. Ich empfinde das als eine wichtige und positive Lebenserfahrung, obwohl ich sie natürlich nicht freiwillig gesucht habe». Es verstehe sich aber von selbst, dass er ein Leben in Freiheit vorziehe.

Was im Fall Peter K* bisher geschah

Es sollte eine simple Zwangsversteigerung eines Hauses werden - doch daraus wurde in Biel ein mutmasslicher Amok-Lauf mit nationaler Reichweite.

Nach der Hausbesetzung hielt der Eigentümer der Liegenschaft Peter K* die Stadt Biel und die Sicherheitsbehörden während Tagen in Atem.

Inzwischen sitzt der 67-jährige Rentner nach seiner Verhaftung seit dem 23. September in Untersuchungshaft.

Bevor der Senior in das Regionalgefängnis Biel überstellt wurde, befand sich Peter K* nach dessen Ergreifung im Inselspital Bern. Der mutmassliche Amok-Schütze musste dort den Biss des Polizeihundes «Faro» auskurieren. Dieser hatte K* aufgespürt und an der Flucht gehindert.

Er will sich selbst verteidigen

Ausserdem skizziert K., wie die Zusammenarbeit mit seinem Anwalt Philipp Kunz zustande kam.

Kurz nach seiner Verhaftung wurde der Senior dem zuständigen Untersuchungsrichter vorgeführt.

Dabei wurde er gefragt, ob er sich einen Verteidiger leisten könne. Seine Antwort: «Ich habe kein Geld für einen Anwalt».

Als der Richter nachhakt und wissen will, ob er überhaupt einen Verteidiger wünsche, lehnt dieser ab. «Ich will mich grundsätzlich selber verteidigen, weil dieser Fall sehr komplex ist, eine sehr lange Vorgeschichte hat, und nur ich die ganze Wahrheit kenne».

Der Rentner musste jedoch rasch erkennen, «dass man in Untersuchungshaft kaum ohne Anwalt überleben kann. Der Anwalt ist sozusagen die einzige Kontaktperson zur Aussenwelt».

Anwalt als Lotse durch juristisches Labyrinth

So kam es, dass die Behörden ihm einen Pflichtverteidiger zuwiesen. Zwar habe K. seinen Anwalt Kunz vor seiner Inhaftierung nicht gekannt. «Ich habe mit dieser Zuteilung allerdings grosses Glück gehabt. Ich hätte keinen besseren Lotsen durch das Labyrinth der Justiz finden können».

In seinem Brief erklärt K. denn auch, wie die Zusammenarbeit mit seinem Verteidiger konkret aussehe.

Während K. frei sprechen und sich selber verteidigen könne, sorge Kunz dafür, «dass mein amateurhaft gelenktes Boot an den gefährlichen Klippen der Justiz nicht zerschellt».

Peter K. kämpft weiter um sein Haus

Derweil hat K. keine Kenntnis davon, was mit seinem Haus in Biel geschehen wird. «Das möchte ich auch gerne wissen. Ich werde es wohl erst beim Prozess erfahren und das kann noch eine Weile dauern. Ich selber bin gegen jeden Verkauf der Liegenschaft».

Der 67-jährige Rentner beharrt in seinem Brief darauf, dass er nach dem Tod seiner Eltern mit der Schwester einen Vertrag abgeschlossen habe.

Aus diesem gehe hervor, dass die Erbschaft nicht geteilt und das Elternhaus nicht verkauft wird.

Polizei soll Haus verwüstet haben

Damit nicht genug: «Die Zwangsversteigerung hat nach meiner Ansicht nach keine legale Basis und ihre Verbindung mit einem fürsorgerischen Freiheitsentzug noch viel weniger».

K. wirft der Polizei gleichzeitig vor, das Haus so stark demoliert zu haben, dass es kaum noch bewohnbar sei. «Sie hat es auch vollständig geräumt und meine sämtlichen Besitztümer konfisziert. Wie es unter diesen Bedingungen weitergehen soll, weiss ich beim besten Willen nicht».

Die Kantonspolizei Bern weist den Vorwurf der Verwüstung des Hauses auf Anfrage zurück. «Das Haus von Herrn K. wurde nicht von der Polizei zerstört. Es stimmt aber, dass es während der Polizeiaktion und der Untersuchung zu gewissen Beschädigungen gekommen ist, beispielsweise an Fenstern und Türen. Zwecks Untersuchung wurde auch Mobiliar aus dem Haus entfernt; dieses wird aber - sobald der Stand der Untersuchungen es erlaubt - zurückgebracht. Die Rückgabe des Hauses ans zuständige Zivilgericht wird in den nächsten Tagen erfolgen».

Rentner ist den Behörden gegenüber unkooperativ

In seiner schriftlichen Stellungnahme wollte K. nicht auf die konkreten Vorwürfe eingehen.

Einerseits handelt es sich um ein laufendes Verfahren, andererseits bestand laut K. und dessen Anwalt die Gefahr von Zensur durch die Behörden.

Damit bleibt weiterhin offen, wie der mutmassliche Amok-Rentner vor den Polizeibeamten flüchten konnte und ob der Verdächtige auf die Polizisten tatsächlich geschossen hat. Somit bleiben auch die Ermittlungsergebnisse der Kantonspolizei Bern unkommentiert.

Mitte Woche teilte die Kantonspolizei Bern mit, dass ihren Untersuchungen zufolge Peter K. siebenmal auf die Polizeibeamten geschossen hat.

Philipp Kunz, der Anwalt von Peter K., will sich dazu gegenüber der az nicht äussern.

Der Verteidiger bestätigt lediglich, dass sein Klient die Kooperation mit den Behörden verweigert. Darüber hinaus betont Kunz, dass der Inhaftierte weder bestätigt noch dementiert, ob er geschossen habe oder nicht.

*Name der Redaktion bekannt.