Affäre Mörgeli
Am Sonntag war die Kündigung Mörgelis noch nicht klar

Andreas Fischer, Rektor der Universität Zürich, betont, der Entscheid für Christoph Mörgelis Entlassung sei erst diese Woche gefallen. Niemand habe vor dieser Woche von der anstehenden Kündigung Mörgelis gewusst.

Lorenz Honegger und Jürg Krebs
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Universitätsrektor Andreas Fischer rechtfertigte gestern vor den Medien den Entlassungsentscheid. KEY

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Herr Fischer, wie haben Sie Christoph Mörgeli über seine sofortige Freistellung informiert?

Andreas Fischer: Herr Mörgeli wäre gestern Morgen für eine Mitarbeiterbeurteilung aufgeboten gewesen. Wir haben ihm den genauen Zeitpunkt vor ein paar Tagen mitgeteilt. Gestern hat uns sein Anwalt wissen lassen, dass er den Termin nicht wahrnehmen werde.

«Der Sonntag» hat die Entlassung schon am Wochenende publik gemacht. Sie sagen, die Zeitung habe den Sachverhalt erfunden. Ist es nicht wahrscheinlicher, dass der Entscheid vorzeitig nach aussen gedrungen ist?

Ich schliesse dies aus, weil der Entscheid zum besagten Zeitpunkt noch nicht gefallen war.

Sie und Ihre Mitarbeiter wussten doch schon viel früher, dass Mörgeli freigestellt und keine Bewährungsfrist erhalten würde.

Ich bin ehrlich mit Ihnen: Ich bin in den Ferien gewesen und laufend informiert worden, aber erst am Sonntagabend um acht Uhr nach Hause gekommen. Als Rektor und oberster Chef der Universität bin ich wegen Landesabwesenheit gar nicht in der Lage gewesen, hier in Zürich einen Entscheid zu fällen.

Ist der Vorwurf, «Der Sonntag» habe die anstehende Entlassung erfunden, nicht doch etwas gar gewagt?

Ich sage nicht, alles, was im «Sonntag» gestanden ist, sei falsch. Nachweislich falsch ist jedoch die Behauptung, dass Herrn Mörgeli fristlos gekündigt wird.

Wie stark sind Sie persönlich in die Beurteilung von Herrn Mörgelis Leistung involviert gewesen?

Ich bin im letzten Herbst im Vorfeld des ersten Gespräches über die allgemeine Situation am Medizinhistorischen Institut informiert worden. Darauf habe ich Institutsdirektor Condrau und den Dekan angewiesen, unter Beizug der Personalabteilung eine Mitarbeiterbeurteilung von Herrn Mörgeli durchzuführen, habe mich aber nicht in die Einzelheiten eingemischt.

Interessant ist ja, dass die Kritik an Mörgelis Leistung seit geraumer Zeit im akademischen Bericht 2010 des Instituts dokumentiert ist. Darin steht, die Missstände seien erst nach der Pensionierung des ehemaligen Institutsdirektors, Beat Rüttimann, Anfang 2010, entdeckt worden.

Der akademische Bericht 2010 ist von der interimistischen Institutsleitung verfasst worden. Darin steht bereits einiges, wenn man ihn mit dem Bericht 2011 vergleicht. Der damalige Bericht hat aber zu keinem öffentlichen Wirbel geführt.

Wie konnte es passieren, dass die umfangreiche Objektsammlung des Medizinhistorischen Instituts unter der Ägide Rüttimann über Jahrzehnte dem freien Verfall ausgesetzt gewesen war und der Rest der Universität nichts bemerkt hat?

Sie müssen sehen, dass wir bei der Universität Zürich etwa zehn universitäre Museen haben. Die einen sind etwas moderner, die anderen etwas älter. Die anthropologische Sammlung zum Beispiel wurde erst kürzlich auf den neuesten Stand gebracht. Es ist Sache der Museumsleitung und der Institutsvorsteher, ihre Museen aktuell zu halten und regelmässig Modernisierungen vorzunehmen. Wenn sie es für nötig halten, müssen sie Mittel für eine Neugestaltung beantragen, auch wenn die Mittel dann nicht von einem Monat auf den anderen gesprochen werden.

Werden Sie Massnahmen ergreifen, um die Objektsammlung des Medizinhistorischen Instituts wieder auf Vordermann zu bringen?

Ich denke, das wird mittelfristig nötig sein. In welchem Zeitraum dies geschehen wird, muss jetzt neu beurteilt werden.