Bundesratswahlen

Am Abend vor dem grossen Tag hält sich Parmelin hartnäckig als Favorit

Lukas Lehmann/keystone

Kann sich kaum wehren vor Anfragen: Bundesratskandidat Guy Parmelin gestern nach dem Hearing bei der SP.

Lukas Lehmann/keystone

FDP, CVP, BDP und GLP sprechen sich für SVP-Ticket aus – Sprengkandidat en haben, gemäss Aussagen, so gut wie keine Chance am Mittwoch in den Bundesrat gewählt zu werden.

Christian Levrat liess kein gutes Haar an den drei offiziellen Kandidaten der SVP: «Sie kennen ja die Sprachbegabung von Guy Parmelin», verhöhnte der SP-Präsident den Waadtländer Kandidaten vor versammelter Bundeshauspresse, bevor er ihn als «farblos» bezeichnete.

Noch ärger giftete Levrat gegen Thomas Aeschi, den Zuger Nationalrat. «Er ist nicht mehr als der politische Ziehsohn von Christoph Blocher und Hans-Rudolf Merz.»

Trotzdem schloss der SP-Präsident nicht aus, dass die Stimmen aus seiner Partei an Parmelin oder Aeschi gehen. Klar ist: Um bei der Ausmarchung eine gewichtige Rolle zu spielen, müssen die 55  SP-Parlamentarier geschlossen stimmen.

Am Mittwoch um 7.15 Uhr, eine Dreiviertelstunde vor Beginn der Bundesratswahlen, treffen sie sich deshalb zu einer weiteren Fraktionssitzung.

Das sagt Guy Parmelin nach dem Hearing der SP

Das sagt Guy Parmelin nach dem Hearing der SP

Bereits am Dienstagabend liessen die Sozialdemokraten allerdings keinen Zweifel an ihrer Abneigung gegenüber dem dritten SVP-Kandidaten, dem Tessiner Staatsrat Norman Gobbi. «Wir werden ihn nicht wählen, weil er als Lega-Politiker gegen unsere politischen Institutionen kämpft und weil er ein Rassist ist», sagte SP-Fraktionschef Roger Nordmann.

CVP lässt sich Hintertüre offen
Gobbis Chancen dürften nun gegen null tendieren – auch wenn sich die Grünliberalen am Dienstag ausdrücklich für den Tessiner starkmachten. «Wir werden mehrheitlich Gobbi wählen», so Fraktionschefin Tiana Angelina Moser.

«Er hat als einziger Regierungserfahrung und in den Hearings einen guten Eindruck hinterlassen.» Die vier bis sechs Stimmen, welche Gobbi von der siebenköpfigen Minifraktion erhalten wird, dürften ihm indes wenig nützen.

Nicht auf einen Namen festlegen wollten sich am Dienstagabend CVP und FDP. Beide aber erteilten dem Versuch, im letzten Moment noch einen Sprengkandidaten zu lancieren, eine Absage.

«Wir werden einen Kandidaten des Dreiertickets wählen», sagte CVP-Fraktionschef Filippo Lombardi. Um vielsagend anzufügen: «Solange dieses besteht.» Präzisieren wollte der Tessiner diese Aussage nicht. Offen-bar möchte sich die CVP eine Hintertüre offenlassen für den Fall eines unerwarteten Ereignisses – etwa, wenn die SVP plötzlich einen ihrer Kandidaten zurückziehen oder auf einmal doch noch eine vierte Alternative lancieren sollte.

Heinz Brand wiederholt Absage
FDP-Fraktionschef Ignazio Cassis erklärte, seine Partei habe einstimmig beschlossen, keinen Sprengkandidaten zu unterstützen. «Wir machen keine Spielchen mit.» Auf einen der drei offiziellen Kandidaten habe man sich trotz längerer Diskussionen jedoch nicht einigen können.

Die FDP-Stimmen werden folglich – zumindest im ersten Wahlgang – auf Aeschi, Gobbi und Parmelin aufgeteilt werden. Über alles gesehen, scheinen die Chancen Parmelins die grössten zu sein. Er gilt bei Mitte-Links als «geringstes Übel».

Aeschis Stimmen hingegen dürften vor allem aus SVP und FDP kommen, was keine Mehrheit ergibt, zumal beide Parteien nicht einheitlich stimmen werden.

Auch am Tag vor der Wahl wurde weiterhin verzweifelt nach einem Sprengkandidaten gesucht, mit dem die Strategie der SVP doch noch durchkreuzt werden könnte. «Gleich mehrmals bin ich heute angefragt worden», sagte der Bündner Nationalrat Heinz Brand. «Von links und von der Mitte.» Trotz aller Schmeicheleien aber habe er wiederholt, nicht als wilder Kandidat zur Verfügung zu stehen.

«Dann gibts drei FDP-Bundesräte»
Weiterhin bedeckt gehalten hat sich hingegen Thomas Hurter, der am Dienstag Abend telefonisch nicht erreichbar war. Der Schaffhauser Nationalrat hat die Spekulationen gar weiter befeuert, indem er die SVP-Fraktionssitzung am Dienstag Nachmittag ohne Angabe von Gründen schwänzte.

«Seine Abwesenheit hat nicht zur Beruhigung der Gemütslage unserer Rennleitung beigetragen», sagte Brand. Fraktionschef Adrian Amstutz hingegen teilte mit, er sei «ziemlich entspannt». Zur Person Hurters wolle er sich nicht äussern.

Dies tat gegenüber TeleZüri Parteipräsident Toni Brunner. «Wenn Hurter gewählt wird, dann gibt es halt drei FDP-Bundesräte», sagte er. FDP-Präsident Philipp Müller wollte hiervon allerdings nichts wissen. «Auch wenn sich ein Schaffhauser Kantonalvorstand unbedarft äussert, kommt es nicht infrage, dass wir Thomas Hurter aufnehmen würden.»

Auch Fraktionschef Cassis stellte unmissverständlich klar: «Wir werden niemandem Heimatschutz gewähren.» Ein Mitglied des Schaffhauser FDP-Vorstands hatte tags zuvor dem «Blick» gesagt, es sei «unvorstellbar, dass wir Hurter einfach im Regen stehen liessen. Schaffhauser müssen zusammenhalten.»

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