Michael Hunziker

Der Vorfall liegt fast 40 Jahre zurück: Beim Bau des Atomkraftwerks Beznau II trat am 1. Dezember 1970 aus einer Verbindungsleitung radioaktive Flüssigkeit aus. Auf einer Fläche von rund 10 mal 10 Metern wurde der kieshaltige Untergrund kontaminiert.

In Absprache mit der Behörde wurde ein Teil des Kieses damals im Oberwasserkanal eingebracht. Die freigesetzte Radioaktivität lag deutlich unter den gültigen Grenzwerten. Die Abgabe betrug gerade einmal 1,4 Prozent der zulässigen Jahreslimiten.

Weil die Nordostschweizerische Kraftwerke AG (NOK) das Wasserkraftwerk Beznau modernisieren will und eine Neukonzessionierung plant, ist mit der Umweltverträglichkeitsprüfung auch die Situation im Oberwasserkanal untersucht worden. Die Reste der radiologischen Altlast aus der Bauzeit des Atomkraftwerks Beznau, so der Entschluss, sollen entfernt werden.

An einer Medienkonferenz gestern Dienstagmorgen ist offen und ausführlich über die Sanierungsmassnahmen informiert worden. «Auch wenn keine Gefährdung besteht, wollen wir die Sache bereinigen», betonte Urs Weidmann, Leiter des Atomkraftwerks Beznau.

«Suchen optimale Lösung»

Die radiologische Altlast ist von Wasser überdeckt und in der Umgebung kann keine erhöhte Radioaktivität festgestellt werden. Am Flussgrund gemessen wurden Werte zwischen 0,0002 bis 0,0023 Millisievert pro Stunde (mSv/h).

Zum Vergleich: Die durchschnittliche Jahresdosis einer Schweizerin oder eines Schweizers beträgt 4 Millisievert, primär aus natürlicher Radioaktivität und medizinischen Anwendungen. Der Kies ist kompakt. Noch immer, so haben Untersuchungen mit Tauchern gezeigt, befindet er sich an der gleichen Stelle auf der Höhe des Bürogebäudes.

Was mit dem abgelagerten und belasteten Material genau passiert, wird abgeklärt. Zur Diskussion steht die komplette Entfernung oder die Abdeckung. Bis Juni 2010 soll ein Bewilligungsantrag vorliegen. «Wir prüfen genau, wie wir mit dem Kies umgehen können, und suchen die optimale Lösung», sagte Stephan W. Döhler, Leiter Division Kernenergie bei den NOK.

Auch Erdreich wird entsorgt

Weit weniger lang als die Beseitigung der Altlast im Oberwasserkanal dauert die Entsorgung des Erdreichs der unmittelbar angrenzenden Böschung. Über den rund 20 Quadratmeter grossen Teil wurde der Kies damals eingebracht. Auch hier, so hielt Döhler fest, hätten Kontakt-Messungen gezeigt, dass vom Material keine Gefährdung ausgehe.

Im Böschungsbereich gemessen wurde eine Strahlung von 0,00015 bis 0,001 mSv/h, an einer Stelle betrug die höchste Strahlung rund 0,01 mSv/h. Bereits in den nächsten Tage wird die Erde schrittweise abgetragen und die Böschung wieder aufgefüllt.