Mannebüro

Alternativen zum Zuschlagen

Ob gewalttätig oder sexsüchtig, das «Mannebüro» berät seit 1989 Männer in Konfliktsituationen.

Alfred Borter

Zuerst war es «nur» ein Projekt zweier Studenten an der Schule für Soziale Arbeit. Sie erkannten, dass man nicht allein den Opfern von häuslicher Gewalt Beratung anbieten sollte, sondern dass es sich lohnen könnte, auch den Tätern zu helfen, ihr Verhalten zu ändern. Was in den ersten Jahren noch ehrenamtlich erfolgte - es gab im Jahr 50 Beratungen -, hat sich in der Zwischenzeit zu einer professionell tätigen Organisation mit drei teilzeitlich tätigen Mitarbeitern entwickelt, die im letzten Jahr 2379 Klienten berieten. Auch wenn ein Grossteil davon telefonische Beratungen waren, spricht Geschäftsleiter Werner Huwiler von einer stürmischen Entwicklung. 2007 zählte man erst 1341 Ratsuchende, und schon das bedeutete gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung um 30 Prozent.

Zum Zuwachs beigetragen hat zum einen, dass das «Mannebüro» seit 2007 nun auch ganz offiziell von der Justizdirektion die Adressen der Männer zugeteilt erhält, die mit Gewalt gegen Frauen aufgefallen waren. Ihnen wird im Rahmen des Gewaltschutzgesetzes eine Beratung beim «Mannebüro» empfohlen und zwischen 25 und 30 Prozent der Angesprochenen nehmen die Dienstleistung in Anspruch. «Einige dieser Männer reden gerne mit uns etwa darüber, wie sie sich am besten verhalten, wenn die Zeit, in der sie ihre Frau oder Freundin nicht mehr aufsuchen dürfen, abgelaufen ist», sagt Huwiler.

Immer bekannter

Aber auch die Zahl der Männer, die aus eigenem Antrieb mit dem «Mannebüro» Kontakt aufgenommen haben, hat sich stark erhöht. «Wir werden immer bekannter, das ist wohl ein Grund dafür», glaubt Huwiler.

Zur Klientel gehören Männer jeden Alters, sowohl junge als auch solche im AHV-Alter. Kaum jemand ist davor gefeit, in Stresssituationen die Nerven zu verlieren und zuzuschlagen. Trennung und Scheidung sind solche Stresssituationen, aber zunehmend kommen auch Leute vorbei, welche ihre Arbeit verloren haben, was Konflikte aufbrechen lässt. Neu dazu gekommen ist, dass Männern, die sexsüchtig sind, Gespräche angeboten werden.

War die Beratungsstelle für Männer, die Konflikte mit Gewaltausbrüchen lösten, vor zwanzig Jahren schweizweit eine Pioniertat, gibt es mittlerweile etliche mehr, wie ein Blick auf die Homepage des «Mannebüros» verrät. Das Mannebüro Zürich werde aber immer noch als Vorbild wahrgenommen, erwähnt Franz Horvàth, Mitglied des Vorstands. Zudem ist er stolz darauf, dass aus dieser Arbeit auch eine Reihe von neuen Projekten hervorgegangen ist, etwa die Schulische Bubenarbeit. Das Jubiläum wird diesen Samstag festlich begangen.

Informationen www.mannebuero.ch

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