Whistleblower
Alt Bundesrat Christoph Blocher als Helfer in der Not

«Wenn etwas schiefläuft, helfe ich Ihnen.» So oder ähnlich soll sich Christoph Blocher gemäss «Sonntagsblick» gegenüber dem Datendieb R. T. geäussert haben, als dieser ihm am 3.Dezember die Kontoauszüge von Nationalbankpräsident Philipp Hildebrand zeigte.

Sermin Faki
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Esther Wyler (links) und Margrit Zopfi wissen noch nicht, ob sie das Urteil weiterziehen. KEYSTONE

Esther Wyler (links) und Margrit Zopfi wissen noch nicht, ob sie das Urteil weiterziehen. KEYSTONE

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«Wenn etwas schiefläuft, helfe ich Ihnen.» So oder ähnlich soll sich Christoph Blocher gemäss «Sonntagsblick» gegenüber dem Datendieb R. T. geäussert haben, als dieser ihm am 3. Dezember die Kontoauszüge von Nationalbankpräsident Philipp Hildebrand zeigte.

Denn T., IT-Kader bei der Bank Sarasin, wusste, dass ihn der Diebstahl der Kontodaten seine Existenz kosten könnte. Wollte Blocher ihn in Sicherheit wiegen oder gar zur Herausgabe der Daten drängen? Blochers Sprecher Livio Zanolari wollte die Angaben des «Sonntagsblicks» nicht bestätigen. «Zur Causa Hildebrand wird sich alt Bundesrat Blocher erst wieder an der Albisgütli-Tagung am Freitag äussern», so Zanolari.

Blocher gab Zopfi eine Chance

Fakt ist, dass Blocher schon einmal jemandem zu Hilfe eilte, der sich in einer ähnlichen Notlage befand. 2009 stellte er die Zürcher Whistleblowerin Margrit Zopfi ein, nachdem diese keine Stelle mehr fand. Sie arbeitet seitdem für Blochers Sekretariat und seine Investmentfirma Robinvest.

Zopfi hatte zuvor mit ihrer Kollegin Esther Wyler Informationen über Missstände im Zürcher Sozialamt an die Zeitschrift «Weltwoche» weitergegeben und war in der Folge fristlos entlassen worden. «Eineinhalb Jahre lang habe ich mich vergeblich um eine neue Stelle bemüht», sagte sie damals der «NZZ am Sonntag». «Robinvest war die einzige Firma, die mir eine Chance gab.» Wie die az weiss, beteiligte sich Blocher auch mit einem Beitrag von 5000 Franken an den Gerichts- und Anwaltkosten der beiden Frauen. Dies lief über das Zürcher SVP-Mitglied Hans Scharpf, der für die beiden Frauen Geld sammelte.

Zopfi war gestern nicht erreichbar. Ihre Kollegin Wyler sagte, dass Zopfi im Jahr 2009 verzweifelt Briefe an «alle möglichen Leute» geschrieben habe, die sie im Umfeld des Whistleblowings und der darauffolgenden Prozesse kennen gelernt hatte. Darunter sei auch Blocher gewesen, der Zopfi persönlich angerufen und ihr die Stelle angeboten habe.

«Als sehr korrekt empfunden»

Wyler betonte, nie ein ähnliches Angebot erhalten zu haben. Sie könne sich auch nicht vorstellen, dass Blocher T. Hilfe angeboten oder ihn gedrängt haben soll, die Dokumente via den Thurgauer SVP-Kantonsrat Hermann Lei an die Öffentlichkeit zu bringen. «Politisch bin ich nicht auf der gleichen Linie wie Christoph Blocher», sagte Wyler. «Aber gegenüber uns so genannt kleinen Leuten habe ich ihn immer als sehr korrekt empfunden.»