Für die Festschrift – eine Sonderausgabe der Parteizeitung «Die Politik» – der CVP Schweiz zum 100-Jahr-Jubiläum vom kommenden Samstag in Luzern machte Metzler eine Ausnahme. In einem Interview nimmt sie pointiert Stellung zum Verhältnis zwischen Politik und Wirtschaft.

Wenn Wirtschaftsführer dreinreden

Die Kontakte mit Wirtschaftsvertreter in ihrer Zeit als Bundesrätin hat Metzler «nicht nur in guter Erinnerung». Als Beispiel nennt sie die Forderungen der Versicherungsbranche im Zusammenhang mit der Senkung des Mindestzinssatzes in der beruflichen Vorsorge 2002: «Das ungeschickte und unprofessionelle Vorgehen hat politischen wie wirtschaftlichen Schaden angerichtet», sagt Metzler heute. Zwar bezeichnet sie den Trend der Politik ganz generell in wirtschaftliche Prozesse einzugreifen als «besorgniserregend».

Trotzdem erinnert sich Metzler, die zwischen 1999 und 2003 das Justizdepartement führte, mit einem spürbaren Unmut daran, wie Wirtschaftsführer meinten, sie müssten den Politikern sagen, wie sie ihre Arbeit zu tun haben. Es erstaune deshalb nicht, dass gewisse Politiker seit einigen Jahren meinen, sie wüssten, wie ein Unternehmer und sogar Grossbanken zu führen sind: «Das kann nicht gut gehen», sagt Metzler.

Die Altbundesrätin, die bereits mit 34 Jahren ins höchste politische Amt der Schweiz gewählt wurde und sich fünf Jahre später wieder auf Jobsuche begeben musste, spricht im Interview auch über ihre Erfahrungen bei der Rückkehr in die Privatwirtschaft. Heute ist Metzler Partnerin eines Beratungsunternehmens und hat verschiedene Verwaltungsratsmandate inne.

Nicht provokativ, aber pointiert

Das Interview mit Ruth Metzler ist nur eine von verschiedenen Perlen in der Festschrift zum runden Geburtstag der CVP. Es finden sich auch Beiträge von namhaften ausländischen Politikern wie Deutschlands CDU-Finanzminister Wolfgang Schäuble, dem luxemburgischen Premier Jean-Claude Juncker oder der CDU-Eminenz Heiner Geissler, der am überzeugendsten erklärt, wofür das «C» im Parteinamen steht.

In der Festschrift, an der sich über 80 Autoren beteiligt haben, finden sich – natürlich – historische Stücke zur CVP. Es wird erinnert an ihre wichtige Rolle in der Vergangenheit, aber auch an die aktuellen Probleme. So stellt alt Bundesrat Arnold Koller kritische Fragen an seine Partei, denen sie sich stellen müsse, wenn sie eine erfolgreiche Zukunft haben will.

Doch die Festschrift beschäftigt sich nicht ausschliesslich mit der CVP. Kommunikationschefin Marianne Binder wollte ein «Zeitdokument» machen, das über den Tag hinaus spannend bleibt. Deshalb findet man auch Beiträge über die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts wie Klima und Umwelt oder den demografischen Wandel. Die Festschrift bildet die CVP ab. Oder wie es Binder sagt:
«auf Inhalte ausgerichtet. Konstruktiv. Nicht provokativ, aber pointiert.»