Die Fragen münden in höheren Sicherheitsanforderungen bei schweren Erdbeben und Hochwasser. Gegenüber der Zeitung „Der Sonntag" macht die Atom-Aufsichtsbehörde jetzt erstmals klar, dass AKWs vom Netz genommen werden, die auf diese Fragen keine befriedigenden Antworten liefern können. «Wenn ein Werk nicht beweisen kann, dass Erdbeben und Hochwasser bewältigt werden können, wird es abgeschaltet», sagt Ensi-Geschäftsleitungsmitglied Georges Piller.

In den Fokus gerät damit vor allem das AKW Mühleberg. Ende 2010 hat das BKW-Werk beim Ensi einen Bericht abgegeben, der zeigen soll, dass der Meiler auf erhöhte Erdbebenrisiken vorbereitet ist, die sich aus dem Forschungsprojekt „Pegasus" ergeben haben und zeigen, dass das Erdbebenrisiko für die AKWs in der Schweiz bisher als zu klein eingeschätzt wurde. Die Prüfung des Berichts durch die Ensi ist im Gang - und jetzt kommen aufgrund der Katastrophe beim AKW Fukushima bereits neue Fragen auf das Werk zu. Entsprechend gross ist die Nervosität bei den Mühleberg-Verantwortlichen.

Im Zweifelsfall abgeschaltet

Gegenüber dem „Sonntag" betont Ensi-Direktor Hans Wanner zwar, dass nach der Katastrophe in Japan „bei allen Werken grosse Fragen offen sind". Der Druck auf Mühleberg ist aber ungleich grösser, weil auch die „Pegasus"-Neubeurteilung vom Ensi noch nicht geprüft ist. Erschwerend kommen für Mühleberg zwei weitere Faktoren dazu, wie „Sonntag"-Recherchen zeigen. Erstens hat sich seit der Katastrophe von Fukushima die Beweislast geändert: «In Zukunft wird ein AKW im Zweifelsfall wohl eher abgeschaltet, wenn die Sicherheit nicht erwiesen ist», sagt CVP-Nationalrat und Gösgen-Verwaltungsrat Pirmin Bischof.

Zweitens wäre der Strombranche ein Sündenbock gerade recht, um davon abzulenken, dass derzeit kein AKW auf das höhere Erdbebenrisiko vorbereitet ist. Hinter vorgehaltener Hand kritisieren Vertreter von anderen Stromkonzernen deshalb offensiv die «mangelnde Sicherheitskultur» und «fehlende Transparenz» im AKW Mühleberg.

Die Betreiberfirma BKW hat beschlossen, eine zusätzliche Wasserleitung zum sogenannten Abklingbecken zu verlegen. Das berichtet die „NZZ am Sonntag". Beim japanischen Krisenreaktor Fukushima gibt es schwere Probleme mit dem Abklingbecken, in dem gebrauchte Brennstäbe auskühlen. Weil dort die Wasserzufuhr ausfiel, drohen ein Austrocknen samt Brand und Freisetzung von Radioaktivität. Damit dies nicht geschieht, rüstet Mühleberg jetzt die Wasserspeisung auf.