Sie sehen aus wie die Websites erfolgreicher Unternehmen: «The Swiss art of ship management» steht auf der Startseite von enzian-shipping.com. Darunter: «Sicher. Zuverlässig. Effizient.». Und weiter steht da: «Enzian Ship Management ist eine global tätige Schweizer Reederei für Hochseefrachtschiffe, die auf das Management von Mehrzweckfrachtschiffen spezialisiert ist.»

Und auf der Homepage von swisstankers.com steht: «Your Swiss expert on chemical tankers». Und: «Sicher. Effizient. Nachhaltig.»

Effizient und nachhaltig war vor allem die Art und Weise, wie die beiden Unternehmen Bundesmillionen versenkten. Denn wer sich das nach wie vor mit schönen Worten anpreisen kann, sind die Pleitefirmen von Reeder Hans-Jürg Grunder. Die Frachter- und Tanker-Gesellschaft kosteten den Bund und die Steuerzahler um die 215 Millionen Franken. Mindestens, denn vie- le Aufwände der Bundesverwaltung sind nicht mitgerechnet.

Seit Juli 2017 sind die Firmen in Liquidation. Erstaunlich: Die Internetauftritte wurden letztes Jahr, als die Liquidation bereits lief, sogar noch aufgepeppt und modernisiert. Wer einen Job sucht, kann sich auf beiden Sites online bewerben und seinen Lebenslauf hochladen. Wo der landet, wissen die Götter.

«Sollten wir Ihre Bewerbung in Betracht ziehen, melden wir uns innert fünf Tagen», heisst es aber. Zudem wird eine ganze Reihe von Dienstleistungen angeboten: Technisches und kommerzielles Management von Schiffen, Schiffsneubauten und -umbauten, Versicherungsmanagement, Finanzmanagement. Über Kontaktformulare und Telefonnummern werden weitere Informationen angeboten.

Schiffe sind längst verkauft

«Sagen Sie dem Liquidator, er soll die Sites endlich vom Netz nehmen», ärgert sich ein Schweizer Seemann, der einst selbst bei Enzian tätig war.

Es gibt auf den Seiten keinen einzigen Hinweis, dass die Firmen nicht mehr aktiv sind und dass beispielsweise Bewerbungsdossiers an Firmen gehen, die es faktisch gar nicht mehr gibt. Auch die zwölf Schiffe, die Grunder einst besass und für die der Bund die fatalen Bürgschaften stellte, sind noch abgebildet. Nur versteckt in der Beschreibung steht hinter jedem Schiff das Wort «sold», also «verkauft».

Warum ist der Internet-Auftritt der Pleite-Reedereien noch aktiv, wer bezahlt ihn, wer hat die Administratorenrechte? Das zuständige Wirtschaftsdepartement (WBF) von Bundesrat Johann Schneider-Ammann (FDP) verweist an den vom Bund eingesetzten Liquidator der Firmen, den Berner Anwalt Fritz Rothenbühler. Dieser hält fest: «Die Website wurde, weil wir auch in der Phase der Liquidation bislang noch viel Kundenkontakt hatten, vorläufig weiterbetrieben. Dabei wurde nicht zuletzt aus Kostengründen auf eine Anpassung der Webinhalte verzichtet. Allerdings wurde bei der Rubrik ‹Fleet› der Vermerk angebracht, dass die Schiffe 2017 verkauft wurden.» Die Websites und die entsprechenden Domains seien «vor Beginn der Liquidation aufgesetzt und auch für eine bestimmte Laufzeit vorgängig bezahlt worden», so der Liquidator. Es sei vorgesehen, die Websites Ende Mai 2018 zu deaktivieren.

Für Beobachter ist die Sache allerdings ein weiterer Beleg dafür, dass der Bund mit dem Reeder eigenartig zuvorkommend und schonend umgeht, obwohl dieser ihn über 200 Millionen kostet. In Bezug auf die Websites wollen Insider wissen, dass eingehende Anfragen, sofern sie kommerziell von Interesse sind, bei Reeder Grunder landen. Auf welchem Weg genau, ist unklar. «Es gibt konkrete Hinweise, dass Reeder Grunder Zugang zur Geschäftskorrespondenz hat, die über die Websites laufen», sagt ein Insider. Er geht davon aus, dass über die Sites weiterhin Geschäfte angebahnt werden.

Auf Nachfrage hält Liquidator Rothenbühler fest: «Herr Grunder hat keinen Zugriff auf diese Websites. Auch werden ihm nach den mir vorliegenden Informationen keine Anfragen übermittelt.»

Aber sicher ist in dieser Sache gar nichts. Reeder Grunder ist bei seiner ehemaligen Zürcher Firma formell völlig draussen. In Deutschland hat er aber wieder eine Firma gegründet, die Green Tanker International. Für diese arbeiten gemäss Unterlagen, die der «Nordwestschweiz» vorliegen, mindestens drei Tanker-Spezialisten, die noch bis vor kurzem auf der Lohnliste der nun vom Bund kontrollierten und finanzierten Pleite-Reederei standen. Auf einen dieser Mitarbeiter ist auch die immer noch aktive Seite swisstankers.com registriert.

Reeder Grunder kann, so scheint es, weiterhin auf ganz erstaunlichen Goodwill in Bern zählen.