Seitenwechsel
Als Roger de Weck noch gegen die SRG antrat

Der Generaldirektor teilt gern gegen private «Kommerzkanäle» aus. Dabei machte er in den Neunzigern gemeinsame Sache mit dem deutschen Privatsender RTL.

Lorenz Honegger
Drucken
Teilen
Mitte der Neunzigerjahre wollte Roger de Weck Chefredaktor von RTL Schweiz werden. Doch der Bundesrat lehnte das Konzessionsgesuch für das Programmfenster ab. 2010 wurde er zum Generaldirektor der SRG gewählt.

Mitte der Neunzigerjahre wollte Roger de Weck Chefredaktor von RTL Schweiz werden. Doch der Bundesrat lehnte das Konzessionsgesuch für das Programmfenster ab. 2010 wurde er zum Generaldirektor der SRG gewählt.

Keystone

Seit seiner Wahl zum SRG-Generaldirektor ist der Name Roger de Weck zum Synonym für öffentlich-rechtliches Radio und Fernsehen in der Schweiz geworden. Der 61-Jährige verteidigt den mit Milliardengebühren finanzierten Medienbetrieb leidenschaftlich.

Blackbox SRG

In einer losen Serie stellt die «Nordwestschweiz» die SRG näher vor. Wer ist der Medienriese? Was ist sein Auftrag? Und wie geht er in die digitale Zukunft?

Die private Konkurrenz kommt dabei selten gut weg. «Im Gegensatz zu Kommerzkanälen ist unsere Mischung nicht einzig nachfragebestimmt», gab er dem «Tages-Anzeiger» Anfang April zu Protokoll. Als Beispiel eines seichten Kommerzkanals nannte er wie so oft den deutschen TV-Sender RTL. Für langjährige Beobachter de Wecks ist das nicht ohne Ironie.

«De Weck war sehr angetan»

Denn: Mitte der Neunzigerjahre sass de Weck noch im gleichen Boot mit RTL. Er, der damalige «Tagi»-Chef, sollte Chefredaktor von RTL Schweiz werden, einem einstündigen Programmfenster, das fünfmal die Woche erscheinen sollte. Eine halbe Stunde News, eine halbe Stunde Unterhaltung.

Die SRG bekämpfte das Vorhaben energisch, was de Weck offensichtlich frustrierte. In einem Meinungsbeitrag in der eigenen Zeitung konterte er die Kritik aus dem Lager der SRG-Sympathisanten, RTL sei ein Kommerzsender und dürfe deshalb keine Konzession vom Bundesrat erhalten.

Die Schweizer Zeitungen und Radiostationen seien ja auch «nicht lanciert worden, um Verluste zu schreiben», schrieb er und fragte rhetorisch: «Soll der Bundesrat verfügen, welche Sendung gut ist für das Volk und welche nicht?»

RTL-Gründer Helmut Thoma erinnert sich: «De Weck war sehr angetan von unserem Projekt.» Im politischen Kampf gegen Medienminister Adolf Ogi habe er sich «bis zum letzten Tag loyal» verhalten. «Zwangsläufig war da auch eine Skepsis gegenüber der SRG. Wenn das nicht der Fall gewesen wäre, hätte er den Job als Chefredaktor des ersten Schweizer Privatfernsehens ja nicht übernehmen können.» Der Bundesrat lehnte das Konzessionsgesuch für RTL Schweiz im Sommer 1994 ab.

Sticheleien gegen die SRG

De Wecks Techtelmechtel mit RTL ist nur ein Hinweis darauf, dass das Herz des HSG-Abgängers in jüngeren Jahren eher für den privaten als den öffentlich-rechtlichen Rundfunk schlug. Als 26-jähriger Wirtschaftsredaktor der «Weltwoche» verfasste er 1980 einen Artikel, der mit subtilen Sticheleien gegen die SRG gespickt war. Im Text, in dem es unter anderem um einen Machtkampf zwischen der damaligen PTT und der Radio- und Fernsehgesellschaft ging, schrieb der junge Journalist: «Fernsehobere, selber nicht vor Arroganz gefeit, beklagen sich bitter über die ‹Selbstherrlichkeit› der PTT.»

Die Forderung «der ‹schwerreichen› PTT» nach einem höheren Anteil am Gebührentopf komme «der ‹armen› SRG» ungelegen, stellte er mit ironischem Unterton fest. Eine weitere Gebührenerhöhung bezeichnete er als «hochpolitische Angelegenheit».

Als sich die «Nordwestschweiz» letzte Woche bei de Wecks Medienstelle nach dessen früherer Einstellung gegenüber der SRG erkundigt, reagiert diese verärgert: Die Anfrage, der Generaldirektor solle zu einem Artikel Stellung nehmen, den er vor 35 Jahren geschrieben habe, sei «grotesk».

Radiopionier und SRF-Moderator Roger Schawinski, ein enger Freund de Wecks, sagt: «Ich glaube, Roger de Weck ist und war immer ein monopolkritischer Mensch. Das bin ich auch.»

Das schliesse nicht aus, dass man die SRG «im Rahmen eines dualen Systems» befürworte. Schawinski: «Im Gegensatz zu seinem Vorgänger hat sich Roger de Weck nie für das absolute Monopol ausgesprochen. Mit seinem Einsatz für eine offene, liberale Medienlandschaft vertritt er meiner Meinung nach die richtige Haltung.»

Aktuelle Nachrichten