Es wäre eine eigentliche Luftbrücke gewesen, hinauf zum Fuss des Finsteraarhorns: Helikopter hätten gestern 60-mal zur Finsteraarhornhütte fliegen sollen. Sie hätten 150 Gäste – darunter Bundesrat Ueli Maurer und seinen Vorgänger Adolf Ogi – zum Höhepunkt der Jubiläumsfeiern der Erstbesteigung und wieder zurück gebracht. Hätten. Wenn sich das Bergwetter etwas aus Jubiläen machen würde.

Zwar schien zur Mittagszeit die Sonne auf die Hütte. Doch – als ginge es nur darum, den Weg zum Finsteraarhorn zu versperren – blockierte rundherum Nebel die Flugrouten.

Nur Bergsteiger am Buffet

So bedienten sich ausschliesslich Bergsteiger am Buffet. Knapp vierzig hatten am Morgen anlässlich des Jubiläums den 4274 m hohen Gipfel bestiegen. Die Walliser Bergführer hatten sich durch den anfänglichen Regen und späteren Schneefall nicht beirren lassen. Sie hatten dem Berg eine weitere Besteigung abgetrotzt. 1812 hatten es zwei Walliser Gämsjäger und ein Oberhasler ziemlich sicher bis auf den höchsten Punkt geschafft, die Expeditions-Initianten Meyer aus Aarau waren nicht oben (az vom Mittwoch).

Dass das Tourismus-Zeitalter im Wallis vor 200 Jahren eingeläutet wurde, soll nun gefeiert werden. Und es wird gefeiert – aber im Tal. Oben in der Hütte meinte Pius Rieder vom Organisationskomitee: «Jetzt fehlt der würdige Abschluss der Feierlichkeiten.»

Man hatte sich auch auf Ueli Maurer gefreut: Er hätte sich am Abend vorher einfliegen lassen und das Finsteraarhorn ebenfalls besteigen wollen. Die Walliser beteuerten, der Maurer könnte das, der sei fit und radle immer mit dem Velo zum Bundeshaus. Bis am Vortag die Meldung eintraf, Maurer habe sich eine Bänderzerrung geholt.

Ogi sorgt für Aufregung

Schliesslich hielt wenigstens Thomas Bieger, Präsident der Jungfraubahnen, eine Rede vor den Hüttengästen – und die war gut und kurz.

In weiser Voraussicht hatte die Hüttenwarte-Familie Winterberger zum Essen «Hamme» vorbereitet, der eingefroren noch lange haltbar ist. Zu oft hatte der Helikopter schon nicht am geplanten Tag zur Hütte fliegen können. Hier oben wird die Agenda vom Wetter geschrieben, nicht von Jubiläen.

Es war Adolf Ogi, der auf der Hütte dann doch noch für Aufregung sorgte: Am Nachmittag, als das Wetter schön wurde, war er plötzlich da: Ogi. Er war auf dem Nachhauseweg über die Grimsel in Guttannen eingekehrt und hatte dort die Piloten getroffen, welche noch Gäste aus der Hütte fliegen sollten. Kurzerhand flog Ogi mit und schüttelte auf der Hütte jedem einzelnen Bergsteiger die Hand. Er hatte Tage davor am Allalinhorn fürs Finsteraarhorn trainiert, sah am Vortag aber wegen des schlechten Wetters und auf die Bitte seiner Frau hin von der Tour ab.