Verkehr
AlpTransit soll weiter Tunnels bauen

AlpTransit - die Bauherrin des Gotthardtunnels - will nach dem Bauende weiterexistieren. Die SBB geben sich skeptisch. Nach Fertigstellung der Tunnels müsste die Gesellschaft aufgelöst werden. So will es das Gesetz. Tunnelprojekte gäbe es jedenfalls.

Benno Tuchschmid
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Ein 500 Meter langer Betonzug betoniert im Gotthardtunnel die Gleise in die Fahrrinne. Archiv/Heike Grasser

Ein 500 Meter langer Betonzug betoniert im Gotthardtunnel die Gleise in die Fahrrinne. Archiv/Heike Grasser

Die AlpTransit Gotthard AG (ATG) ist eine Erfolgsgeschichte. 2016 wird die Bauherrin des Neat-Durchschlags den Gotthard-Basistunnel an die SBB übergeben, drei Jahre später den Ceneri-Basistunnel. Dann wird die Firma Opfer ihres eigenen Erfolgs. Nach Fertigstellung der Tunnels muss die ATG aufgelöst werden. So sieht es das Gesetz vor.

Doch innerhalb der ATG gibt es andere Pläne. Die ATG soll als Firma erhalten bleiben und auch in Zukunft Grossprojekte im Infrastrukturbereich umsetzen. «Wir haben Know-how, das man auch in Zukunft einsetzen kann. Wir versuchen deshalb, der ATG eine neue Perspektive zu geben», bestätigt Renzo Simoni, Vorsitzender der Geschäftsleitung, gegenüber der az den Plan. Unterstützung erhält das Vorhaben aus der Neat-Aufsichtsdelegation (NAD), welche die parlamentarische Oberaufsicht über den Bau der Neat hat. Max Binder, SVP-Nationalrat und Präsident der parlamentarischen Aufsichtsdelegation, sagt: «Es müssten alle Seiten ein Interesse haben, dass das Wissen der ATG Transit nicht verloren geht.»

Rollenteilung hat sich bewährt

Die ATG hat beim Bau des Gotthard-Basistunnels gute Arbeit geleistet, das ist allgemein anerkannt. Der Bau verläuft schneller als vorgesehen, die Qualität stimmt. Doch nicht nur das: «Die Organisation der Verantwortlichkeiten beim Bau des Gotthard-Basistunnels war vorbildlich», sagt Max Binder. Will heissen: Das System, bei dem sich der Bund als Auftraggeber, die ATG als Bauherrin und die SBB als künftige Betreiberin die Rollen teilen, hat sich bewährt. Dieses Modell, so sind Binder und Simoni überzeugt, hat dazu geführt, dass sich die unterschiedlichen Interessen von Bauherrin und Betreiberin die Waage hielten.

Wenn die ATG erhalten bleibt, müsste bei künftigen Projekten nicht von null auf eine neue Organisation aufgebaut werden. «Wenn wir die Firma auf ein Kernteam reduzieren, könnten wir die Kosten tief halten», sagt Simoni. Heute beschäftigt die ATG rund 160 Angestellte, in einer Übergangsphase brauchte es laut Simoni je nach Zeitpunkt neu anfallender Herausforderungen ein bis zwei Dutzend.

Neuer gesetzlicher Auftrag nötig

Gespräche über die Zukunft der ATG laufen seit längerem zwischen dem Bundesamt für Verkehr, den SBB und ATG. Konkrete Resultate fehlen bisher. Denn die Ausgangslage ist kompliziert. Eine Einbindung der ATG in künftige Projekte macht nur bei einem Grossprojekt Sinn, das möglichst wenig Berührungspunkte zum bestehenden Bahnnetz hat. «Gibt es zu viele Berührungspunkte mit dem Bahnnetz, wird der Koordinationsaufwand mit den SBB zu gross», sagt Simoni.

Zwar gibt es durchaus Projekte, die diese Bedingungen erfüllen. Zum Beispiel der Bau des Wisenberg- oder des Zimmerberg-Basistunnels, beides Milliarden-Projekte in der Grössenordnung des Ceneri-Basistunnels. Doch der Teufel liegt im Detail. Für eine Weiterführung im bisherigen Rahmen – mit dem Bund als Auftraggeber – wäre ein neuer gesetzlicher Auftrag an die ATG nötig. Die bereits beschlossenen Ausbauprogramme des Bundes fallen deshalb weg.

Für künftige Projekte im Rahmen des Bahnausbauprogramms «Step» wäre die Schaffung einer Gesetzesgrundlage gemäss Bundesamt für Verkehr (BAV) «theoretisch möglich». Doch diesen muss das Volk 2014 erst einmal bewilligen. BAV-Sprecher Andreas Wendlinger schränkt darum ein: «Es stellt sich die Frage, was die Aktivitäten der ATG in der Zeit zwischen Neat-Abschluss und der Tätigkeit auf Basis neuer Gesetzesgrundlagen wären.» Unter dem Strich sei ein neuer Auftrag durch den Bund «kaum realistisch».

Vom Wert der Firma überzeugt

Das BAV favorisiert ein anderes Modell, mit den SBB als Auftraggeberin der ATG. Doch die SBB geben sich betont zurückhaltend. Sprecher Christian Ginsig sagt, die SBB würden sich erst 2013/2014 Überlegungen bezüglich «allfälliger Sicherung und Weiterverwendung des Know-hows der ATG Gedanken machen». Bis dahin solle sich die ATG auf ihre «Hauptaufgabe» konzentrieren. Begeisterung klingt anders. Doch Renzo Simoni glaubt an die Zukunft der Alp Transit. «Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.» Er und die ATG-Geschäftsleitung scheinen von dem Wert der Firma tief überzeugt
zu sein. Für den Fall, dass sich mit den SBB und dem BAV keine Lösung findet, stünde allenfalls auch ein Management-Buy-out zur Diskussion.

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