Allschwil
Allschwil hofft auf Baselbieter Solidarität

Nachdem die Südumfahrung aus dem Richtplan gekippt ist, soll jetzt das Volk an der Urne entscheiden, ob die Gemeinde Allschwil eine Umfahrung erhält.

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Allschwil hofft auf Baselbieter Solidarität

Allschwil hofft auf Baselbieter Solidarität

bz Basellandschaftliche Zeitung

Birgit Günter

Die Zukunft des verkehrsgeplagten Allschwils liegt nun in den Händen der Baselbieterinnen und Baselbieter: Sie stimmen an einem der nächsten Abstimmungstermine darüber ab, ob die Gemeinde die von ihr geforderte Umfahrungsstrasse erhält - und somit vom Verkehrschaos erlöst wird.

«Das Mass ist voll», beschreibt der Allschwiler FDP-Landrat und Landratsvizepräsident Hanspeter Frey die Stimmungslage der Dorfbewohner. Seit Jahren wehrt sich Allschwil gegen einen drohenden Verkehrskollaps - immer vergebens. Und nachdem auch noch die Südumfahrung aus dem Richtplan gekippt wurde, hat Frey und ein politisch breit abgestütztes Komitee die formulierte Gesetzesinitiative «Für eine Umfahrungsstrasse Allschwil» lanciert (die bz berichtete). Gestern nun hat das Komitee die 2280 Unterschriften - nötig gewesen wären 1500 - der Regierung übergeben.

Anschluss an Nordtangente gefordert

Mit dem Volksbegehren wird der Regierungsrat aufgefordert, Projektvorschläge für eine Umfahrung auszuarbeiten. Die genaue Linienführung ist offengelassen; viel Spielraum dürfte den Planern hier aber sowieso nicht bleiben. Klar ist: Im Norden soll die Strasse an die Nordtangente anschliessen, im Süden an der Grenze zu Oberwil enden. Die Strasse ist somit eine Art «halbe Südumfahrung».

Gesprächsstau zwischen beiden Basel

Wichtig ist den Initianten zudem, dass die Regierungen von Basel-Stadt und Baselland in der kantonsübergreifenden Verkehrsplanung künftig besser zusammenarbeiten. «Da besteht ein Gesprächsstau», kritisiert Frey. Insbesondere Basel-Stadt halte an einer «Verdrängungsstrategie» fest und neige dazu, den Strassenverkehr zu verteufeln - zum Schaden Allschwils.

Auch Patrick Fiechter, Vertreter der KMU Allschwil-Schönenbuch, spricht von «ideologischer Vernebelung». Es sei nun einmal eine Tatsache, dass ein Handwerker seine Wasserrohre nicht mit dem Tram transportieren könne, sagt er. Städtische Verkehrsplaner würden gelegentlich von einer «reinen Welt» mit Tram-, Velo- und Fussgängerverkehr träumen. «Wir sind auch für die Förderung des öffentlichen Verkehrs, aber es geht einfach nicht ohne Strasse», betonen alle Komiteemitglieder mehrmals.

Dringenden Handlungsbedarf orten sie nicht nur, weil die Situation jetzt bereits schlimm sei, sondern weil sie aller Voraussicht nach noch viel schlimmer werde. Laut einer Studie verdoppeln sich die 2000 Arbeitsplätze im Bachgrabengebiet in den nächsten Jahren, wie Gemeindepräsident Anton Lauber ausführt. Das heisst: mehr Arbeitsplätze, mehr Verkehr.

Weiter wird die elsässische Zubringerroute ans europäische Strassennetz angeschlossen, «was den Verkehrsdruck auf Allschwil nochmals massiv erhöhen wird». Und drittens stösst auch der von Basel «im Alleingang» beschlossene Rückbau des Wasgen- und Luzernerrings den Allschwilern sauer auf. Lauber prognostiziert, dass sich der Verkehr von der Nordtangente dann erst recht in die Wohnquartiere ergiesse.

Der drohende Verkehrskollaps sei jedoch nicht nur ein Allschwiler Problem, sondern betreffe unter anderem die Leimentaler Gemeinden, betonen die Komiteemitglieder. Sie hoffen darum, dass auch die restlichen Baselbieter ein Einsehen haben und der Initiative zustimmen. «Wir sind optimistisch», sagt Frey.

Ausgang der Abstimmung völlig offen

Ganz einfach dürfte das aber nicht sein. Als das Komitee im Februar die Initiative angekündigt hatte, hat sich etwa der Binninger Gemeindepräsident Charles Simon skeptisch gezeigt. Auch die Oberwiler Gemeindepräsidentin Lotti Stokar hat zur bz gesagt: «Für das Leimental ist diese Strasse keine Lösung.» Dem entgegnet Frey: Bisher hätten immer nur politische Entscheidungsträger geredet, an der Urne dürfe aber für einmal das Volk entscheiden - jene Leute also, die auch tatsächlich im Stau stünden.

Klar ist: Die Allschwiler dürften mehrheitlich dafür sein - sogar über die Parteigrenzen hinweg: Im Komitee sind beispielsweise sämtliche Gemeinderäte zwischen Links und Rechts vertreten.