Drehbuch vom Staat

Alles nur inszeniert: Staat führt Regie beim Hollande-Besuch live auf SRF

Der Staatsbesuch des französischen Präsidenten François Hollande in der Schweiz war eine staatlich inszenierte Reality-Show. Die «inhaltliche Produzentenverantwortung» der von der SRG produzierten Bilder des Staatsempfangs lag beim Staat.

Der Staatsbesuch des französischen Präsidenten François Hollande in der Schweiz war eine staatlich inszenierte Reality-Show. Was Zuschauer der Live-Übertragung auf SRF1 nicht wussten: Die «inhaltliche Produzentenverantwortung» der von der SRG produzierten Bilder des Staatsempfangs liegt beim Staat, wie Recherchen der Zeitung „Schweiz am Sonntag“ zeigen.

Bei Staatsempfängen wie jenem von Hollande kommt der SRG als offiziellem «Host Broadcaster» die staatlich bestellte Aufgabe zu, ausländischen Fernsehstationen via European Broadcasting Union (EBU) Bilder des zweitägigen Besuchs zur Verfügung zu stellen.

Dies ist in einem Rahmenvertrag zwischen SRG und Bund so geregelt. Ausserdem musste sich die SRG als „Host Broadcaster“ auch an die Auflage des Aussendepartements EDA halten, dass informelle Plaudereien zwischen dem Staatsgast und den Bundesräten nicht übertragen werden durften, wie die Zeitung „Schweiz am Sonntag“ weiter schreibt.

Hollande zu Besuch in der Schweiz: Nach dem Empfang am Flughafen Bern-Belp gings weiter auf den Berner Münsterplatz, wo er vom Gesamtbundesrat begrüsst wurde.

Hollande zu Besuch in der Schweiz: Nach dem Empfang am Flughafen Bern-Belp gings weiter auf den Berner Münsterplatz, wo er vom Gesamtbundesrat begrüsst wurde.

Die Übertragung des Ton-Signals von Gesprächen ist nur erlaubt, wenn sich die politischen Würdenträger offiziell in einer Rede oder an Medienkonferenzen äussern. Das EDA legte auch fest, dass der Apéro von Hollande mit dem Gesamtbundesrat im Berner Rathaus nur in der Totale gezeigt werden durfte. „Das EDA baute die Bühne, die französischen Gäste sorgten für die Inszenierung und die SRG filmte die staatlich gesteuerte Reality-Show“, schreibt die Zeitung „Schweiz am Sonntag“ unter Berufung auf ihre Recherchen.

Der staatlichen Inszenierung unterwerfen musste sich jedoch auch der begleitende Tross aus französischen Journalisten und Schweizer Medienschaffenden der privaten Medien. Ihre Akkreditierung war an die Einhaltung eines 48-seitigen Drehbuchs geknüpft, in dem die französische Delegation um Hollande auf Meter und Minute genau regelte, wo Fragen gestellt und Fotos gemacht werden durften.

Meistgesehen

Artboard 1