Gotthard
Allein gegen 250 Heimat-Verteidiger: Drama an der Teufelsbrücke

Karl J. Fetz war ein «Schweizer Lawrence of Arabia». Am Gotthard aber wurde er Opfer eines Mobs. 66 Jahre danach trafen sich Fetz’ Sohn und einer, der mitgemacht hatte an der Hatz

Max Dohner
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Vater und Sohn Fetz, im Winter nach dem Krawall (in Lenzerheide)

Vater und Sohn Fetz, im Winter nach dem Krawall (in Lenzerheide)

Zur Verfügung gestellt

Noch schroffer, noch enger geht nicht. Räumlich nicht und irgendwie geistig-seelisch auch nicht: Die Schöllenen ist Landschaft, wie gemalt für Opernkulissen. Europas Nadelöhr und Schweizer Kraftpol. Unbezwingbare Natur, bezwungen durch Technik. Da biss sich selbst der Teufel die Zähne aus. Da wurde alles Réduit, Bunkertempel der Nation, um den Krieg im Bau zu überstehen. Nicht wie die fremden Mächte, die hier fremde Händel ausfochten. Es graust den Touristen, der am Abgrund kurz seinen Caravan parkt, bei der Vorstellung, wie französische Grenadiere und Suworows Soldaten auf schwankenden Planken sich gegenseitig in die Schlucht warfen. Alles Geschrei verschluckten Nebel und Gischt.

Das Projekt: Eine Staumauer von 270 Metern Höhe und mittel von 1,2 Milliarden

Statt ein Tal ein See und am engsten TaIende eine gewaltige Mauer: Alles für den Fortschritt, stärker denn je. Das war das Projekt eines Stausees im Urserental. Drei Ortschaften wären darin versunken: Andermatt, Realp und Hospental.

In den Jahren des Zweiten Weltkriegs und kurz danach sollte das Kraftwerk im Zentrum der Schweiz Massstäbe der Superlative setzen. Das Staubecken sollte ein Fassungsvermögen von über 1,2 Milliarden Kubikmetern haben. Mit einer installierten Leistung von fast 1300 Megawatt wäre es das grösste je in den Alpen gebaute Wasserkraftwerk geworden. Strassen, Brücken und Bahngeleise wären neu erstellt worden. Kostenpunkt des Ganzen: rund 1,2 Milliarden.

Das Projekt besass alle technischen und energiewirtschaftlichen Vorteile. Der Nachteil: Das Urserental lief mit Furor dagegen Sturm. Das war letztlich entscheidend für das Scheitern: Das Projekt liess sich gegen den Willen der Betroffenen nicht durchdrücken. Die Urschner bangten um die Existenzgrundlage. Das Landesinteresse einer gesicherten Versorgung mit Elektrizität war allenfalls zweitrangig.

Im April 1945 mehrten sich die Zeichen im Urserental, dass die Bestrebungen der Centralschweizerischen Kraftwerke (CKW), hier Land zu erwerben, den Widerstand nur stärkte. Der Korporationsrat erliess eine «Warnung an die Grundbesitzer»: Darin hiess es, die Initianten des Kraftwerks wollten sich nicht abfinden mit der Ablehnung des Urschnervolkes und «uns in unschweizerischer Art ihren Willen aufzwingen.» Das Flugblatt schloss mit den Worten: «Bauern, bleibt Eurer väterlichen Scholle treu! Weist den fremden Söldlingen des Grosskapitals und Verrätern die Türe! Jetzt heisst es, den Mann stellen und den Kampf um die Heimat aufnehmen!» Als Anfang 1946 bekannt wurde, auch das Hotel «Sonne» und das «Monopol» seien an die CKW verkauft worden, wurde die Stimmung explosiv. Ständerat Ludwig Danioth schrieb in der «Gotthard-Post»: «Der Moment könnte kommen, wo sich stolze Ruhe in heiligen Zorn verwandeln kann.» Eine Drohung? Es kam Karl J. Fetz.

Nahezu vergessen ist auch ein jüngeres, rein schweizerisches Drama. Es spielte sich in winterlichem Dunkel ab: am 19. Februar 1946. Wieder sollte einer von der Teufelsbrücke stürzen. Wieder wurde ein Zufallsopfer gefunden, eine Seele für den Seelenlosen. Das tönt wie eine Sage, aber ist nicht länger her als 66 Jahre.

Noch einmal waren zwei Grundkräfte des Landes gegeneinandergeprallt: Hier die unbedingte Verbundenheit zur Scholle, angereichert mit verwandten Mythen (mit dem Réduit, Morgarten, Wilhelm Tell). Dort die Vision der Technik. Dieser kühne, mitunter auch brachiale Glaube: Lasst uns die Energie gewinnen, um das ganze Land zu elektrifizieren! Bergbauer gegen Homo Faber.

Und noch einmal wurde es eng in der Schöllenen, teuflisch eng.

I. DIE UNRUHIGEN TRÄUME ...

Der Mann, der sich auf unseren Anruf am Telefon meldete, wollte «die Sache ruhen lassen. Warum die Narben alter Wunden aufreissen?»

Beim Namen «Fetz» war er sofort hellhörig geworden. Einer wie er muss im Gedächtnis nicht graben nach dem Namen. «De Fetz» kennt jeder erwachsene Urschner. Jeder, der geschrien hatte wie er: «De Fetz isch da! De Fetz isch da!» Einer, der die Kampflosung dauernd wiederholte: «Wir verhandeln nicht. Wir verkaufen nicht. Wir gehen nicht.»

Ludwig Regli, heute 82, Andermatter von Geburt und aus Überzeugung, war an vorderster Front dabei gewesen. Damals, als eine Meute von 250 Urschnern den Unterländer Karl J. Fetz aus dem Hotel Sonne zerrte, kaum war er da abgestiegen, ihn windelweich prügelte und aus dem Dorf jagte, durch die Schöllenen, hinunter bis nach Göschenen.

Die Strasse war zugeschneit gewesen, die Nacht hereingebrochen. Fetz musste hinkend fliehen, auf der Trasse der Schöllenenbahn, durch die finsteren Tunnels, mit gebrochener Rippe, begleitet vom Andermatter Gemeindepräsidenten, ohne dessen Schutz vielleicht wahr geworden wäre, was Fetz hinterherschallte: «Werft ihn von der Teufelsbrücke!»

Ludwig Regli am Telefon stellte gar nicht in Abrede, dabei gewesen zu sein, als damals 16-Jähriger. Ihm fiele nicht im Traum ein, das je zu leugnen. Aber einem Fetz wiederzubegegnen? Nicht dem damaligen Opfer (der Ingenieur war 1982 verstorben), aber dem Sohn: Linus Fetz, heute 73 ... Und dann willigte Regli ein.

Am Bahnhof von Andermatt sollte das Treffen stattfinden. Auf unsere Verantwortung und Initiative. Wir hatten in der Nacht zuvor unruhige Träume (diese Bemerkung in eigener Sache sei erlaubt). Regli hatte am Telefon gesagt: «Wenn ich das alles wieder höre, kann ich in Wallung geraten, auch heute noch.»

Linus Fetz hatten wir vorher schon kontaktiert und kennen gelernt: als verbindlichen umgänglichen Mann. Fetz überlegt sich die Dinge gründlich und ruhig, besteht dann aber dezidiert auf den Schlussfolgerungen seines Nachdenkens. Bloss aus Höflichkeit würde er inhaltlich nichts daran schmälern.

Der pensionierte ETH-Bauingenieur, wohnhaft in Niederlenz AG seit vierzig Jahren, stieg in Göschenen um auf die Schöllenenbahn (heute Matterhorn-Gotthard-Bahn). «Mal sehen», scherzte er, «ob mich dabei einer beobachtet und verpfeift.» Eine Anspielung auf den 19. Februar 1946: Ein Urschner Verschwörer, Zugbegleiter damals bei der Schöllenenbahn, hatte den Auftrag gefasst, das Auftauchen von Fetz sofort zu melden, damit man «das Volk» aus den Häusern trommeln konnte - «De Fetz isch da!» - 250 Leute, Frauen und Männer, alle in heiligem Zorn.

Als jetzt, in Andermatt zur fraglichen Minute, ein Zug eintraf, stürmte Regli davon - wir dachten, er nehme Reissaus. Aber er schaute bloss nach, ob's der richtige Kurs war. Dann schritten die beiden Herren aufeinander zu und gaben sich die Hand. Nach 66 Jahren, das erste Mal:

«Freut mich.» - «Mich auch.»

II. ALLES STRENG GEHEIM ...

Auf dem Bahnhofplatz von Andermatt fährt gerade eine fünfspännige Kutsche vor und nimmt Touristen auf. Regli und Fetz setzen sich an den Kaffeetisch. Ohne das hier - die Bedeutung des Gotthards, die Mythen, die Tradition - ist kaum zu verstehen, was heute, an diesem sonnigen Kalendertag, unglaublich scheint: Schweizer brachten einen Schweizer vor Raserei beinahe um. Der Heimat wegen, wofür beide nach klassisch schweizerischer Fasson lebten, ihre Berufskarriere darauf gründeten, ihre Tatkraft setzten - Regli wie Fetz.

Regli verbrachte sein Berufsleben in der Festung. Alles war geheim. Trat er in Uniform aus einer Felskaverne und stiess auf fotografierende Touristen, riss er denen den Film aus der Kamera. Nicht einmal der Frau durfte er verraten, was er so den Tag lang machte. Einmal jedoch schmuggelte er sie rein, in den militärischen Sperrbezirk, und zeigte es ihr. Heute darf er das erzählen, und er erzählt die Geschichten gut.

Nach wie vor beneidenswert fit, spurtet Regli durch einen Soldaten-Geheimstollen, vor kurzem der Allgemeinheit zugänglich gemacht, während wir Jüngeren hinterherhecheln. Am anderen Ende zeigt er zum Grat des glatten Granits: «Sehen Sie das Känzeli oben?» Kein Mensch ächzt doch da hinauf! «Ja hei, das ist mein Trainingsparcours.» Ausserdem fährt Regli Ski und treibt Langlauf. Dann zeigt er auf einen Bergwald: «Bis dahin wäre das Wasser gestanden.» Das Wasser des geplanten Stausees. «Das ganze Urserental wäre geflutet worden, von Andermatt über Hospental bis Realp.» (Details zum Monster-Projekt siehe unten.)

Dafür war Karl J. Fetz unterwegs gewesen, im Auftrag der Centralschweizerischen Kraftwerke (CKW). Der Spezialist für Landerwerb sollte, mit reichlich Handgeld versehen, Urschner überzeugen, zu verkaufen. Den Zorn der Einheimischen zog er auf sich, ohne durch sein Verhalten besonderen Anlass zu bieten. Gleichwohl redeten die Urschner nur vom «Agenten» Fetz und seiner «Wühlarbeit». «Er gehörte nicht zu den Verantwortlichen», räumt Regli unumwunden ein, «aber er war der, den wir am Wickel kriegen konnten. Wir mussten handeln: für die Heimat, für die Scholle. Gesetz hin oder her.»

Linus Fetz, der Sohn, bemerkt: «Zu demonstrieren, wäre durchaus gesetzeskonform gewesen. Auch hier oben, in Andermatt. Luzern (Sitz der CKW) lag damals wohl zu weit, oder die Fahrt war teuer. Heute schlüge man einfach da die Scheiben ein.»

III. STRAFEN VOM CARE-TEAM ...

Auch Linus Fetz hat spürbar Lust und Talent, Geschichten zu erzählen. Spürbar wird überhaupt die Erleichterung beider Männer, über Geschichten eine Brücke zu schlagen. Immerhin mit einem Spannbogen von 66 Jahren. Aber wäre sie weit genug für eine Versöhnung?

Zwei Erinnerungen an die Ereignisse des 19. Februar 1946 sind Linus Fetz unvergesslich und haben, erzählt er, sowohl seinen Vater wie ihn das ganze Leben beschäftigt:

Zum einen die Erinnerung, wie Vater damals nach Hause kam (Linus ging noch in den Kindergarten): «Vater konnte kaum sitzen. Bis heute sehe ich die Eindrücke der Trigguni-Nägel auf seinem Rücken. Man ist mit Nagelschuhen auf ihm herumgetrampelt. Er hatte Quetsch- und Risswunden am Kopf, an Ober- und Unterschenkel, Strangulationsspuren am Hals, eine Querfissur des Kreuzbeins, einen Rippenbruch mit Brustfell-Komplikationen und eine Gehirnerschütterung. 95 Tage lang war er arbeitsunfähig. Meine Mutter erlitt einen Herzanfall. Auch sie musste in Spitalpflege. Ich wurde zu den Grosseltern nach Chur gebracht, wo ich die Schule besuchte. Dazu kam Existenzangst: Wenn der Vater nicht mehr arbeiten konnte - wer sorgte für Essen und Wohnung?»

Zum anderen war da das «Schandurteil von Uri». Der Krawall hatte die Schweizer Bevölkerung, im Gegensatz zur Presse, noch eher amüsiert - «Ach, unsere wilden Bergler». Beim gerichtlichen Nachspiel aber erkaltete die Sympathie. Die lokale und die kantonale Justiz hatten nicht nur das Kunststück fertiggebracht, Pflästerli-Strafen auszusprechen, als wäre das Gericht ein Care-Team, sondern es hatte das Opfer gar noch zum Mittäter gemacht und ihm eine Busse aufgebrummt - wegen falscher Anschuldigung. Fetz hatte sich ausgenommen, den mindestens moralisch mitverantwortlichen, damaligen Urner Regierungs- und Ständerat Ludwig Danioth als geistigen Anstifter in die Untersuchung einzubeziehen. (Danioth wird am Bahnhof Andermatt mit Bronzeplakette geehrt. Wegen ihm, seinem Onkel, bekam Haudegen Regli den Vornamen Ludwig.)

Ausserhalb Uris schüttelte man den Kopf. Selten genug in der Geschichte hatten Urschner und Altdorfer das Heu auf der gleichen Bühne. «Autonomie!», erging oben auch mal der Ruf. Hier aber rückten für einmal Urner Yin und Yang zusammen.

Das Verdikt des Gerichts sei «eine eigentliche Gemeinheit», schrieb die «Tat» im Mai 1948: «Der freigesprochene Regierungsrat Danioth gefiel sich in der Rolle des Freiheitshelden. Er sprach von Notwehr und kam sich als neuer Tell vor. Dummes Geschwätz ... Von unabhängiger anständiger Rechtsprechung kann keine Rede sein.» Die «NZZ» wunderte sich über den Samthandschuh, womit die Heimat-Hooligans angefasst wurden. Sogar in Uri rügte die «Gotthardpost» die Konkurrenz vom «Urner Wochenblatt», die Ereignisse schöngefärbt zu haben. Der famose «Bö.» zeichnete im «Nebelspalter» eine Urner Justitia, die bei hochgezogener Augenbinde zur Seite schielt: «Iisere-n-aine oder nit iisere-n-aine, das ischt hier die Frage.» Das Bundesgericht stürzte alles um - deutlich. Die Urner, selbst da noch zerknirscht, sprachen Fetz eine Entschädigung zu. «Freiwillig», sagt Regli am Kaffeetisch. «Dazu verknurrt», korrigiert Linus Fetz.

IV. LIEBER UNTER FELLACHEN ...

Auch bei einem zweiten Punkt gehen die Sichtweisen auseinander: Fetz möchte wissen, warum ausgerechnet die Kirche die Jungspunde aufgehetzt hatte? Namentlich ein Kapuziner: Pater Oktavian Weber.

Regli antwortet, auch da völlig offen: «Pater Oktavian war Präses unserer katholischen Jungmannschaft - Vereine gab es sonst keine in Andermatt. Ein grosser Mann, eigentlich ein Heiliger. Er lehrte uns, für die Heimat einzustehen, mit allen Mitteln. Wurde das ganze Tal geflutet - wo wären wir noch daheim gewesen? Eine Vielzahl von uns umgesiedelt, in alle Winde vertrieben - wir hätten jede Gemeinschaft verloren. Alle anderen, die fortgehen, können zurückkehren und haben Heimat vor Augen. Unsere wäre versenkt gewesen. All das hier: nie wieder! Deshalb bekam Pater Oktavian den schönsten Platz auf dem Friedhof. Das heisst etwas, bei einem Kapuziner.»

Darauf sagt Fetz: «Mein Vater hatte an seinem Lebensende keine Ressentiments gegen die Schläger. Groll hegte er allein gegen die Urner Gerichte. Mit gewisser Genugtuung nahm er deshalb zur Kenntnis, dass der Altdorfer Richter Gustav Muheim später scheiterte mit seiner Karriere und nicht ins Bundesgericht gewählt wurde. Der Krawallprozess hatte gezeigt, dass Muheim die Eignung dafür nicht mitgebracht hätte.»

«Diese väterliche Unterscheidung der Dinge», fährt Fetz fort, «gilt auch für mich. Mir scheint hingegen das Motiv von Pater Oktavian nicht in der Heimatliebe zu stecken. Sondern in seiner konfessionellen Mission, zu welcher er von oben herab zusätzlich ermahnt wurde: Oktavian fürchtete schlicht, Schäfchen zu verlieren, wenn Urschner auswanderten und sich andernorts womöglich mit Reformierten mischten.»

Regli schweigt - diese Darlegung berührt bei ihm offenbar einen inneren Schein oder gar Schrein fester Überzeugung und Verehrung. Ein Nachruf auf Pater Oktavian in den «Neuen Zürcher Nachrichten» vom August 1946 scheint indes Fetz' Vermutung zu stützen: «Als Pfarrer konnte er nicht mitansehen, dass im Land des hl. Sigisbert die christlichen Familien mit ihren katholischen Glaubensgütern untergehen sollten.»

«Was hätte Ihr Vater gesagt», fragt Regli, «wenn er gewusst hätte, dass wir beide uns hier oben treffen?»

«Es hätte ihn gefreut», antwortet Fetz: «Mein Vater liess sich nicht so schnell einschüchtern. Als Draufgänger liebte er schwierige Aufgaben. Das hatte er nicht zuletzt im Orient bewiesen. Auch beim EMD, während des Kriegs. Er sprach Arabisch. In Syrien musste er für umgesiedelte Armenier Land erwerben. Einmal war er eingeladen gewesen bei Haile Selassie in Äthiopien. Als Einziger der Delegation weigerte er sich, ‹am Tisch eines Despoten zu speisen›. Er zog es vor, bei den Fellachen draussen sein Mahl einzunehmen.»

Regli lächelt: «Der ideale Mann. Die Centralschweizerischen Kraftwerke hätten für Andermatt keinen Besseren finden können.»

V. DAS UNHEIMLICHE DARAN ...

Auf der Teufelsbrücke wirken die beiden dann wie alte Kameraden. Sie unterhalten sich ein Weilchen ohne Zeugen. Die Nähe, die Regli dabei zu Fetz sucht, kann auch davon herrühren, dass er nicht mehr gut hört.

Unerschöpft bleiben die Details ihrer Geschichte vor 66 Jahren. Wunderlich, wie frisch ihnen alles geblieben ist. Vielleicht ist das daran das Unheimliche: Man muss sich gut überlegen, was man tut. Taten haben Folgen. Die am meisten unterschätzte Folge ist die, dass sie nicht verschwinden. Beide Männer überlegen und nicken. Jeder wird die Nachhaltigkeit der Tat vom 19. Februar 1946 auf seine Weise werten: Fetz als böse Tat, Regli als notwendige?

Neben der Autobahn, runter in Richtung Altdorf, hängt ein Plakat des Kantons Uri. Aufschrift: PEACE! Das Wort gehört nicht hierher. Das ist Englisch - oder einfach nur Mode.

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