Markus Dasen

Seit Anfang Jahr herrscht reger Briefverkehr zwischen Anwohnern des Römerquartiers und der Stadt Baden. Der Grund: Wegen einer Strassensanierung droht zehn Bäumen die Motorsäge.

Susanna Wittwer wohnt im Badener Roggebode. An diesem engen Strässchen, das von der Römerstrasse bis zum Kraftwerk Kappelerhof führt, stehen zehn alte Kastanienbäume. Die Grundeigentümerin erhielt Ende Januar zusammen mit anderen Anwohnern einen Brief von der Stadt. Darin die Hiobsbotschaft: Die Bäume müssen weg - ersatzlos.

Ein neues Fusswegkonzept der Stadt sieht im Trottoir des Strässchens eine Schwachstelle, weil dieses wegen der Baumreihe zu schmal sei. Zudem sei der Zustand der Bäume so schlecht, dass sie aus Sicherheitsgründen früher oder später sowieso gefällt werden müssten.

Die Bäume haben gelitten

Die über 50-jährigen Kastanienbäume wurden von Lastwägen immer wieder beschädigt. Dies besonders während der regen Bauphase für das Flusskraftwerk Kappelerhof, den Werkhof und die neuen Wohnhäuser im Roggebode. Ein weiterer Grund für die Stadt, das «Baumproblem» ein für alle mal zu lösen, ist eine geplante Sanierung des betroffenen Strassenabschnitts. Auf der Seite des Bahndamms (gegenüber der Baumreihe) wird ab Mai eine Gasleitung verlegt und die Kanalisation erneuert. Projektleiter Daniel Rüttimann erklärt: «Diese Arbeiten kombinieren wir mit einer Belagssanierung. Es ist sinnvoll, gleichzeitig das Fusswegkonzept umzusetzen.»

Die drei betroffenen Grundeigentümer verkündeten aber, dass sie die ersatzlose Fällung der Alleebäume auf keinen Fall akzeptieren. Später präsentierte die Stadt eine Alternative: Die künftige 30er-Zone der Römerstrasse soll im Roggebode weitergezogen werden. Drei verkehrsberuhigende Inseln mit fünf Bäumen sollen die Allee ersetzen.

Doch auch damit können sich die Anwohner nicht anfreunden. Wittwer: «Nicht nur würden wir die Allee vermissen. Der gestörte Verkehrsfluss würde auch zu neuem Anfahrlärm führen.» Zudem sei der finanzielle Aufwand nicht angemessen und die Rekursmöglichkeit eine Gefahr fürs Projekt. Diese Argumente wurden an einem runden Tisch Anfang März mit Vertretern vom Tiefbau, dem Werkhof und der Stadtpolizei besprochen. Eine Einigung hat es nicht gegeben. Letzte Woche die abschliessende Stellungnahme der Grundeigentümer: «Wir können nicht zwischen zwei schlechten Lösungen entscheiden.» Die Baumallee gehöre «seit jeher» zum Ortsbild des Römerquartiers.

Stadtrat hat das letzte Wort

Der Zankapfel wurde mittlerweile an den Stadtrat übergeben. Das Schicksal der Allee bleibt ungewiss. Die Neubepflanzung kommt für den Projektleiter mangels Platz nicht infrage. «Möglich wäre, dass wir die Strassensanierung ohne das Fällen der Bäume durchführen. Irgendwann wären sie aber aus Sicherheitsgründen trotzdem fällig.»