Die Gefahr von Erdbeben an den einzelnen AKW- Standorten ist letztmals 2004 mit der Pegasos-Studie ermittelt worden. Von welchen Erdbebenstärken die Experten ausgehen, lässt sich daraus für Laien aber kaum herauslesen.

Die sonst gebräuchliche Richterskala wird in dem Zusammenhang nämlich nicht angewendet, da noch weitere Faktoren wie Distanz und Untergrund mitberücksichtigt werden müssen. Stattdessen rechnen die Wissenschaftler mit Frequenzen und Beschleunigungen, die auf die einzelnen Bauteile wirken.

Weniger stark als Basel

Ensi-Sprecher Sebastian Hueber sagt, dass die angenommenen Erdbeben am AKW-Standort weniger stark seien als jenes, das 1356 Basel verwüstet hatte. Dieses soll eine Stärke zwischen 6 und 7 auf der Richterskala gehabt haben.

«Die Schweizer Kernkraftwerke liegen nicht in einer hoch aktiven Erdbebenzone wie dem Rheingraben», erklärt Hueber. Auch mit Erdbeben wie in Japan im März 2011 müsse in der Schweiz nicht gerechnet werden.

Neue Berechnungen

Allerdings ist ohnehin noch nicht restlos geklärt, wie stark das Erdbeben ist, das an den AKW-Standorten alle 10'000 Jahre auftreten könnte. 1999 hatte die Schweizer Atomaufsichtsbehörde von den Kraftwerkbetreibern eine neue Berechnung der Erdbebengefährdung verlangt.

Die daraufhin verfasste so genannte Pegasos-Studie wurde 2004 abgeschlossen. Sie ergab, dass die Erdbebengefahr für die Schweizer Atomkraftwerke grösser ist als bis dahin angenommen. Die ermittelten Werte waren aber noch mit grossen Ungenauigkeiten behaftet, weshalb das PEGASOS Refinement Projects in Angriff genommen wurde, um präzisere Angaben zu erhalten.

Bald neue Nachweise

Nach der Katastrophe von Fukushima im März 2011 mochte das Ensi jedoch dessen Ergebnisse nicht mehr abwarten. Die Behörde verlangte von den AKW-Betreibern einen Erdbebensicherheits-Nachweis auf der Grundlage der Zwischenresultate, wie sie bis im Mai 2011 vorlagen.

Sobald die revidierten Resultate von Pegasos bekannt sind, müssen die AKW-Betreiber auch ihre Nachweise wieder überarbeiten.

«Erdbeben-Blanko-Check»

Die Energiestiftung und Greenpeace kritisieren denn auch, dass den AKW aufgrund von vorläufigen Ergebnissen fahrlässigerweise ein «Erdbeben-Blanko-Check» ausgestellt werde. Sie moniren auch, dass die überarbeiteten Werte tiefer liegen als jene der ursprünglichen Pegasos-Studie von 2004 und vermuten dahinter den Einfluss der AKW-Betreiber.

ENSI-Sprecher Hueber hat dafür eine andere Erklärung: Pegasos sei mit grossen Unsicherheiten behaftet gewesen, sagte er. «Diese Unsicherheiten konnten im Pegasos Refinement Project dank mehr und genaueren Daten reduziert werden, was in der Folge zu einer geringeren Erdbebengefährdung führte.»