Verkehr
Alkohol am Steuer: RoadCross setzt auf neue Generation von Autofahrern

Seit die 0,5 Promill-Grenze für Autofahrer gilt, haben die Unfälle unter Alkoholeinfluss deutlich abgenommen. RoadCross, die Stiftung für Verkehrssicherheit, blickt in die Zukunft und sieht eine neue Generation von Autofahrern heranrollen.

Sabina Galbiati
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Nächtliche Verkehrskontrolle in Boswil: Schussabgabe durch einen Polizisten der Regionalpolizei Muri (Symbolbild). – Quelle: az

Nächtliche Verkehrskontrolle in Boswil: Schussabgabe durch einen Polizisten der Regionalpolizei Muri (Symbolbild). – Quelle: az

160 Unfälle weniger pro Jahr, bei denen Alkohol im Spiel war - so lautet die Bilanz des Bundesamtes für Statistik.

Die Senkung der Promillegrenze von 0,8 auf 0,5 vor fast zehn Jahren hat sich positiv auf die Strassensicherheit ausgewirkt. Die Zahl schwerer Verkehrsunfälle unter Alkoholeinfluss ging laut einer Evaluation des Bundesamtes für Statistik (BFS) seit 2005 zurück.

Vor der Verschärfung des Strassenverkehrsgesetzes 2005 ereigneten sich auf Schweizer Strassen pro Jahr rund 630 Unfälle mit Schwerverletzten, bei denen Alkohol im Spiel war, sowie 80 Unfälle mit Toten. In den letzten Jahren hat sich die Zahl bei 500 respektive 50 Unfällen eingependelt, wie das BFS in einer Evaluation schreibt.

Über die umfassende Evaluation, die das BFS Ende April online stellte, berichtete am Montag die "Neue Zürcher Zeitung".

Erfreut über den Rückgang der Unfälle zeigt sich auch RoadCross Schweiz, die Stiftung für Verkehrssicherheit. „Immerhin muss man auch sehen, dass der Strassenverkehr in den letzten zehn Jahren stark zugenommen hat", sagt Stefan Krähenbühl, Sprecher bei Roadcross. „Dass im selben Zeitraum die Unfälle von 630 auf 458 abgenommen habe, ist eine gute Leistung."

Dank 0.1-Grenze noch weniger Unfälle erwartet

Roadcross setzt vor allem auf die kommenden Generationen. Seit diesem Jahr gilt für Neulenker die 0,1 Promillgrenze während der Probezeit von drei Jahren. „Wir gehen davon aus, dass junge Menschen je länger je mehr gar nicht erst auf die Idee kommen, sich mit Alkohol im Blut ans Steuer zu setzen. Ganz einfach, weil sie es nicht anders kennen."

"Bereits heute stösst die Nulltoleranz bei jungen Menschen auf grosse Akzeptanz, sagt Krähenbühl. Die Neulenkenden würden allerdings oft nicht verstehen, weshalb die Grenze nur für sie gelte, nicht aber für alle Autofahrer. „Das hängt damit zusammen, dass junge Lenker massiv häufiger in Verkehrsunfälle im Zusammenhang mit Alkohol verwickelt sind", sagt Krähenbühl.

Weitere Massnahmen ab 2015

Auf lange Sicht werde es als normal empfunden, keinen Alkohol zu trinken wenn man mit dem Auto unterwegs sei. „Auf jeden Fall rechnen wir damit, dass die Zahl der Unfälle wegen Alkoholeinfluss von heute 500 noch stark sinken wird in den kommenden Jahren", so Krähenbühl. Dazu würden weitere geplante Massnahmen des Verkehrssicherheitsprogramms Via Sicura ebenfalls beitragen. Sie sind ab 2015 geplant.

Es sind dies die Qualitätssicherung bei den Fahreignungsabklärungen; die Aktualisierung der medizinischen Mindestanforderungen, dazu gehört auch eine differenzierte Beschränkung des Führerausweises von Senioren; die obligatorische Nachschulung von fehlbaren Fahrzeuglenkenden; der Einsatz von Datenaufzeichnungsgeräten und Alkohol-Wegfahrsperren sowie die Einführung der beweissicheren Atem-Alkohol­probe.

2005 fiel nicht nur die Promillegrenze. Das Parlament hatte auch weitere Massnahmen beschlossen, die zu systematischeren Alkoholtests führten. Unter anderem werden Raser seit 2013 schärfer angepackt und seit Anfang 2014 müssen Autofahrer auch tagsüber mit Licht fahren. Zudem schufen die Polizeikorps schon vor der Reform mehr Alkoholtestgeräte an, was ebenfalls zu mehr Tests führte.

Ab Juli zum Fahreignungstest ab 0,6 Promille

Dass Autofahrer mehr Verantwortung zeigen beim Thema Alkohol, zeigt auch ein Blick in die Statistik des Fahrdienstes Nez Rouge: Der Fahrdienst für Alkoholisierte Partygänger erfreut sich einer immer grosseren Beliebtheit. Nutzten 2005 noch 18'000 Personen den Fahrdienst, so waren es 2013 rund 27'000 Personen.

Statistik Nez Rouge

Statistik Nez Rouge

Nez Rouge

Die tiefere Promillegrenze geniesst in der Bevölkerung eine hohe Akzeptanz, wie das BFS aufgrund von Meinungsumfragen herausfand. Befürworteten 2001 noch 65 Prozent der Fahrzeuglenker diese Grenze, stieg dieser Anteil 2012 auf schon 87 Prozent. Das heisst, neun von zehn Befragten waren dafür.

Eine weitere Neuerung steht bereits diesen Juli bevor. Ab dann gilt: Wer mit einer Blutalkoholkonzentration von 1,6 Promille oder mehr fährt, muss seine Fahreignung durch einen Verkehrsmediziner abklären lassen. Dies gilt auch bei Ersttaten. (gal/sda)