Alimenten-Inkassostelle
Alimenten-Inkassostelle als Krimi-Tatort

Nach einer eigenmächtigen Loslösung von der Frauenzentrale sind plötzlich sämtliche Akten verschwunden: «Per sofort» hat sich die Alimenten- Inkassostelle Aargau am Freitag von ihrer Trägerin, der Frauenzentrale Aargau, gelöst. Die Präsidentin der Frauenzentrale ist von diesem Entscheid überrumpelt worden und muss sich jetzt auch noch mit leergeräumten Aktenschränken befassen.

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Fränzi Zulauf

Am Freitag hatten alle gekündigt, am Samstag erhielten sie Hausverbot: Die neun Mitarbeitenden der Alimenten-Inkassostelle Aargau (AIK). Sicherheitshalber liess die Frauenzentrale, Dachorganisation der AIK, gleich die Türschlösser der Geschäftsstelle in Brugg auswechseln. Am Sonntagabend dann die böse Überraschung: Über das Wochenende hat sich eine unbekannte Täterschaft Zugang zur der Geschäftsstelle verschafft. Die neuen Türschlösser wurden aufgebrochen, 1200 Akten und die Buchhaltungsunterlagen entwendet sowie Computer manipuliert. «Die Büros wurden leergeräumt », bestätigt Doris Fischer- Taeschler, seit kurzem Präsidentin der AIK-Betriebskommission. «Es stehen nur noch Tische, Stühle und leere Gestelle in der Geschäftsstelle.

Das Aktenmaterial ist so umfangreich und schwer, dass man für den Abtransport wohl einen Lieferwagen benutzen musste.» Nur den Kopf schütteln kann Susi Rupp, Präsidentin der Frauenzentrale Aargau. «Ich kann nicht begreifen, was sich Leute überlegen, die so etwas tun. Ich hätte nie gedacht, dass so etwas überhaupt möglich ist.» Die Verantwortlichen der Frauenzentrale Aargau haben bei der Kantonspolizei Strafanzeige eingereicht. Susi Rupp und Doris Fischer-Taeschler hüten sich davor, konkrete Verdächtigungen auszusprechen. Von aussen betrachtet kommt man aber kaum umhin, den Verdacht in eine bestimmte Richtung zu lenken.

Seltsames Vorgehen

Eigentlich kann man sich kaum etwas Seriöseres vorstellen als eine Alimenten- Inkassostelle. Erst recht, wenn sie sich seit 32 Jahren als bewährte Dienstleistung präsentiert wie jene der Frauenzentrale Aargau. Auch wenn es kein Geheimnis war, dass es knirschte im Gebälk, dass der Vorstand der Frauenzentrale die AIKBetriebskommission sozusagen notfallmässig ausgewechselt hatte, hat niemand mit einem solchen Eklat gerechnet: Am Freitag haben Eliane Frey, AIKGeschäftsführerin, sowie die acht Mitarbeitenden an einer eiligst einberufenen Medienkonferenz darüber informiert, dass sie sich von der Frauenzentrale loslösen, einen eigenständigen Verein gründen und ihre Arbeit wie bisher und in den gleichen Räumlichkeiten weiterführen würden. Den Räumlichkeiten notabene, die von der Frauenzentrale gemietet sind . . .

Susi Rupp wurde davon genauso überrumpelt wie Doris Fischer-Taeschler, die seit Mai als Helferin in der Not die AIK-Betriebskommission leitet. «Wir halten ausdrücklich fest, dass die Tätigkeit der AIK nicht in einen neuen Verein überführt wurde», betont Susi Rupp. «Die Alimenten- Inkassostelle in ihrer bisherigen Form ist auch in Zukunft unverändert unter dem Dach der Frauenzentrale Aargau tätig.» Durch den Diebstahl der Akten ist jedoch der operative Betrieb der AIK momentan gefährdet. Eine Aargauer Treuhandfirma hat die Tätigkeit - stellvertretend für die ehemaligen AIK-Mitarbeitenden - bereits aufgenommen.