Bern
Alexander Tschäppät zum Cupfinal: «Der Schuss ist nach hinten los gegangen»

Er kämpfte dafür, dass der Fussball-Cupfinal in Bern stattfinden kann: Alex Tschäppät, Fussballfan und Stadtpräsident der Stadt Bern. Nun will auch er keinen Cupfinal mehr in Bern, zumindest nicht um jeden Preis.

Roman Geissmann
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Kein Cupfinal mehr in Bern - das macht Alexander Tschäppät niedergeschlagen.

Kein Cupfinal mehr in Bern - das macht Alexander Tschäppät niedergeschlagen.

Keystone

70-mal seit dem ersten Fussball-Cupfinal 1926 fand dieser in Bern, der Bundeshauptstadt, statt. Nur 18-mal anderswo (in Basel, Zürich, Lausanne, Genf und einmal in Lugano).

„Es ist uralte Tradition: Der Cupfinal gehört in die Bundeshauptstadt. Das ist auch in anderen Ländern so", sagte Berns Stadtpräsident Alex Tschäppät - allerdings vor dem Cupfinal 2014.

Der Berner Stadtpräsident ist selber bekennender Fussballfan und war immer Befürworter einer Austragung des Cupfinals in der Hauptstadt. Im Gegensatz zu den Sicherheitsdirektoren der Stadt Bern, Reto Nause, und des Kantons Bern, Hans-Jürg Käser, die bezüglich Sicherheit Bedenken hatten.

Doch der Gemeinderat mit Stadtpräsident Tschäppät an der Spitze, beschloss, dass das Spiel in Bern über die Bühne gehen soll. „Wir hatten keine Differenzen mit anderen Behörden", sagt Tschäppät und meint damit, dass auch Skeptiker wie Nause und Käser einverstanden gewesen seien.

Riesige Enttäuschung bei Tschäppät

Noch vor dem Spiel zwischen dem FC Zürich und dem FC Basel sagte Tschäppätl auf SRF: „Die Fans sollen Freude haben. Wir haben Vertrauen in sie und hoffen, dieses wird nicht missbraucht."

Nun ist Tschäppät schwer enttäuscht. Im Gespräch klingt er niedergeschlagen und müde, die leidigen Fragen, die nun auf ihn niederprasseln, zu beantworten. Die Enttäuschung sei riesig, dass es trotz Vorkehrungen und Absprachen mit allen Beteiligten zu Ausschreitungen gekommen sei, sagt der Stadtpräsident.

Was ist mit Tschäppäts Enthusiasmus, der Cupfinal gehöre in die Bundeshauptstadt? „Nicht zu jedem Preis", sagt er jetzt. Bereut es der Berner Stadtpräsident sogar, den Cupfinal 2014 in Bern durchgeführt zu haben? Tschäppät verneint und steht zum Entscheid. „Wir wollten gemeinsam ein Zeichen setzen für den Sport. Aber der Schuss ging nach hinten los", sagt er, leicht verärgert.

Der Gemeinderat tagte am Mittwoch. Und ist sich einig: Den Cupfinal können im nächsten Jahr andere durchführen. „Die Lust ist nicht sehr gross. Wir reissen uns nicht darum", so Tschäppät.

Mit YB im Final wäre es wohl was anderes. Aber das könne man ja nicht voraussehen. Bei der Sitzung hat der Gemeinderat ausserdem beschlossen, die Kostenteilung mit allen Parteien, vor allem dem Schweizerischen Fussballverband (SFV), anzuschauen.

Der SFV schweigt noch immer zum Thema Cupfinal. Er hatte allerdings 200 000 Franken zurückgestellt, für den Fall, dass in Bern etwas schief läuft. Dieses Geld wird der Berner Gemeinderat nun fordern.

Und wer wird den Cupfinal 2015 austragen? Kandidaten sind die Städte Basel, St. Gallen oder Zürich. Der Ball liegt beim SFV.

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