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Alarmsystem warnt künftig vor Hochwasser

Baselbieter Regierung will ein Warnsystem und mehr Messstationen entlang der Birs

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Baselbieter Regierung will ein Warnsystem und mehr Messstationen entlang der Birs

Die Baselbieter Sicherheitsdirektorin Sabine Pegoraro kündigt ein Hochwasseralarmsystem für die Birs an. Auch soll die Zusammenarbeit zwischen den Kantonen verbessert werden. Diese versagte beim Jahrhundert-Hochwasser 2007 noch.

Michael Nittnaus

36 Fragen umfasst der Katalog, den der Laufner FDP-Landrat Rolf Richterich der Regierung im September 2007 vorlegte. Damit versuchte Richterich das Jahrhundert-Hochwasser der Birs vom 9. August 2007 aufzuarbeiten, das letztlich Schäden in der Höhe von 116,7 Millionen Franken verursachte. An der Landratssitzung von letztem Donnerstag lieferte ihm Sicherheitsdirektorin Sabine Pegoraro nun eine nicht minder umfassende Antwort in Form eines 30-seitigen Berichtes. Im Anhang fügte sie noch den 60-seitigen Abschlussbericht des Kantonalen Krisenstabes (KKS) bei. Für die Gründlichkeit der Aufarbeitung erntete Pegoraro denn auch Lob.

Inhaltlich sticht vor allem ein Punkt heraus: Die Sicherheitsdirektorin kündigt den Aufbau eines Hochwasseralarmsystems für Birs, Lützel, Lüssel, La Sorne und La Scheulte an. Das Projekt wird geschätzte 1,5 Millionen Franken kosten. Folgekosten sind darin nicht einberechnet. Im Herbst soll die Vorlage vors Parlament. In Betrieb genommen wird das System allerdings nicht vor 2012. Das dauert Richterich zu lange: «Beim Hochwasser 2007 fehlte die Möglichkeit zur Früherkennung, was fatale Konsequenzen hatte. Nun sollte jeder die Dringlichkeit erkannt haben, um den politischen Weg möglichst zu beschleunigen.»

Messnetz bis jetzt noch löchrig

Genau dieser politische Weg verhindert in den Augen von Marcus Müller eine schnellere Umsetzung. Der Leiter des Amtes für Militär und Bevölkerungsschutz weist darauf hin, dass es kein Alleingang des Baselbiets ist, sondern mit Basel-Stadt, Solothurn, Bern und Jura noch vier weitere Regierungen oder Parlamente ihr Okay geben müssen. «Ein Alleingang bringt nichts, da ein Frühwarnsystem natürlich auf die Daten des oberen Einzugsgebiets der Birs angewiesen ist. Wenn wir bei Delémont ein Risiko erkennen, bleibt maximal nur noch eine halbe Stunde, bis das Wasser bei uns ist.»
Das neue Warnsystem bezieht seine Daten von einem Netz von Messstationen. Ein solches Netz existiert zwar bereits, jedoch ist es laut Müller noch löchrig und taugt nicht für eine präzise Prognose. Zudem sind viele Stationen nicht voll automatisiert und müssen vor Ort abgelesen werden. Deshalb soll nun das Netz so ausgebaut und automatisiert werden, dass es die gesamte Birs bis in den Jura abdeckt.

Zusammenarbeit klappte nicht

Drei Messstations-Typen sind für eine detaillierte Erfassung notwendig: Die Messung des Wasserstandes der Birs und ihrer Nebenflüsse, die Bodenfeuchte-Erfassung sowie die Messung der Niederschlagsmenge. «Daraus können wir Modellrechnungen erstellen, welche die Gefahr eines Hochwassers rechtzeitig erkennen», erklärt Müller.

Für Landrat Richterich nützt ein solches Frühwarnsystem nur etwas, wenn auch die Kommunikation unter den betroffenen Kantonen funktioniert: «2007 hat kein Austausch mit den Kantonen Jura und Solothurn stattgefunden. Dadurch konnte der KKS erst zu spät reagieren.» Diesen Fehler räumt Müller ein: «Die Kollegen im Solothurn und Jura reagierten nicht auf unsere Anrufe. Sie waren einfach nicht vorbereitet. Eine simple Checkliste mit den wichtigsten Kontaktnummern sollte eigentlich selbstverständlich sein.» Müller fügt allerdings an, dass die Handlungszeit bis zum Hochwasser wohl sowieso zu kurz gewesen wäre.

Nicht nur die Zusammenarbeit zwischen den Kantonen funktionierte in der Nacht vom 8. auf den 9. August 2007 nicht. Auch die Kommunikation mit den Gemeinden lief nicht rund, obwohl die Kompetenzen geregelt sind. «Die Gemeinden hätten Beobachtungsposten stellen müssen, um uns informieren zu können», kritisiert Müller. Der Kanton sei auf «das Auge im Gelände» angewiesen. Richterich sieht genau darin einen Systemfehler: «Das Milizsys- tem der Gemeinden eignet sich nicht zur Bewältigung solcher Krisen. Dafür braucht es professionelle Strukturen.»

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