Krankenkasse
Alain Berset: «Solange die Gesundheitskosten steigen, steigen auch die Prämien»

Schon wieder eine saftige Prämienerhöhung im kommenden Jahr! Wir bezahlen immer mehr für unsere Krankenkassenversicherung. Viele fragen sich heute: Wie lange geht das noch so weiter? Selbst Gesundheitsminister Alain Berset kann nicht entwarnen.

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Alain Berset an der Pressekonferenz zur Prämienerhöhung von durchschnittlich 4 Prozent.

Alain Berset an der Pressekonferenz zur Prämienerhöhung von durchschnittlich 4 Prozent.

Keystone

Immer höhere Gesundheitskosten, immer höhere Prämien: Versicherte müssen auch im kommenden Jahr für die Krankenkassen tiefer ins Portemonnaie greifen. Der Anstieg beträgt durchschnittlich 4 Prozent oder fast 16 Franken pro Person (wir berichteten).

Und eine Trendwende ist nicht in Sicht. «So lange die Gesundheitskosten steigen, steigen auch die Prämien», sagte Gesundheitsminister Alain Berset am Donnerstag vor den Medien in Bern, und hebt den Zeigefinger: «Die Entwicklung wird so weitergehen.»

Nach moderaten Anstiegen zwischen 1,5 und 2,2 Prozent in den vergangenen drei Jahren schlagen die Prämien 2015 wieder stärker an.

«Die Schätzungen der Krankenkassen zeigen, dass die Kosten im nächsten Jahr um rund 4 Prozent steigen werden», sagte Berset. Dies bedeute einen Anstieg der Prämien im selben Ausmass. Das System verlange dies. Würden die Kosten nicht auf die Versicherten überwälzt, komme es früher oder später zu einem Prämienschock.

Einheitskasse: Drei Tage vor der Abstimmung

Der neuste Prämienanstieg kommt nur drei Tage vor der Abstimmung über eine Einheitskasse. Kein Problem, sagt Bundesrat Alain Berset. Der Gesundheitsminister vermutet keinen grossen Einfluss der Prämienpublikation auf das Abstimmungsresultat vom kommenden Sonntag.

"Ich sehe weder einen positiven noch einen negativen Effekt für die Abstimmung", antwortete Berset auf eine Frage nach der Medienkonferenz in Bern. Die Abstimmung habe im Vorfeld der Publikation keine Rolle gespielt.

"Wir wussten, dass wir die Prämien kurz vor der Abstimmung publizieren werden." Er habe keinen Grund gesehen, die Publikation deswegen zu verschieben.

Die Krankenkassen hätten auch keine Möglichkeit gehabt, Prämienerhöhungen wegen der bevorstehenden Abstimmung zu verzögern oder aufs nächste Jahr zu verschieben, sagte Pascal Strupler, Direktor des Bundesamts für Gesundheit (BAG). "Dies ist nicht erlaubt."

Das BAG habe die Kostenschätzungen der Krankenkassen wie jedes Jahr auf ihre Plausibilität hin untersucht. Bei vielen Versicherern seien Nachfragen platziert worden. Einige von ihnen mussten die Prämien daraufhin anpassen, sagte Strupler - ohne Namen zu nennen oder auf Details einzugehen.

Doch wie lange geht das noch mit solch horrenden Prämienerhöhungen weiter, Herr Berset? Er zuckt mit den Schultern und sagt: «Wir versuchen natürlich, die Kosten zu bändigen. Wie stark aber die Prämien 2016 steigen, weiss niemand. Da könnte man auch Kaffeesatzlesen oder Madame Soleil fragen.»

Besonders teuer werden die Prämien für Jugendliche zwischen 19 und 25 Jahren.

Mit 4,4 Prozent oder 16 Franken pro Monat steigen ihre Prämien dieses Jahr wiederum stärker an als die Prämien für Erwachsene. Dies dürfte damit zusammenhängen, dass ein hoher Anteil dieser Prämiengelder in den Risikoausgleich fliessen, weshalb die Versicherer Rabatte für die Jungen kürzen.

Bei den Kinderprämien liegt der Anstieg bei 3,8 Prozent oder 3,50 Franken pro Kind und Monat.

Technischer Fortschritt kostet

Gesundheitsminister Berset nannte drei Hauptgründe für den neuerlichen Prämienanstieg: "Die Leute werden generell älter, die Baby-Boom-Generation kommt in ein Alter, in der sie höhere Gesundheitskosten verursacht, und der technische Fortschritt in der Medizin kostet viel Geld."

Die hohe Qualität des Schweizer Gesundheitswesens habe ihren Preis. Die Situation der Patienten werde medizinisch laufend verbessert. Berset nannte die Entwicklung neuer Krebsmedikamente als Beispiel: "Wir haben in diesem Bereich viel bessere Arzneimittel als noch vor zehn Jahren - diese kosten aber auch zehn Mal mehr."

Berset versicherte, der Bundesrat unternehme alles, um die Gesundheitskosten zu senken. Er ergänzte aber - ohne Namen zu nennen -, dass die ideologische Diskussion mit vielen Akteuren die Suche nach Lösungen erschwere.

Erste positive Effekte sichtbar

Trotzdem wirkten sich erste Massnahmen positiv aus: Vor allem im ambulanten Bereich sei mit der Zulassungssteuerung ein kostendämpfendes Instrument wiedereingeführt worden. Mit der vom Bundesrat vorgeschlagenen längerfristigen Lösung sollen die Kantone künftig die Möglichkeit haben, differenzierte Massnahmen zu ergreifen, um eine Über- und Unterversorgung auf ihrem Gebiet zu vermeiden.

Auch bei einem anderen grossen Kostenblock, den Medikamenten, seien bereits Massnahmen in Kraft. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hatte in den vergangenen zwei Jahren die Preise von rund 1000 Arzneimitteln gesenkt und so Einsparungen von rund 200 Millionen Franken pro Jahr erzielt. Die nächste Überprüfungsrunde werde im November 2014 wirksam. Insgesamt resultieren ab 2015 Einsparungen von mindestens 600 Millionen Franken pro Jahr.