Umfragen
Alain Berset ist der beste Bundesrat – oder doch nicht?

Eine Tamedia-Umfrage besagt: Alain Berset ist der beste Bundesrat. Eine weitere Umfrage aus demselben Medienhaus spricht die Ehre einem SVPler zu.

Othmar von Matt
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Erhielt in einer Tamedia-Umfrage die besten Noten: Alain Berset

Erhielt in einer Tamedia-Umfrage die besten Noten: Alain Berset

PETER SCHNEIDER

«Wie beurteilen Sie die Leistung von Bundesrat X?» Dies wollte der Medienkonzern Tamedia in seiner Umfrage für die Wahlen 2019 wissen. 20'422 Personen machten mit. Sie erkoren Bundespräsident Alain Berset zum Sieger, mit einem Notenschnitt von 3,95. Auf den weiteren Rängen der Umfrage, die mit den Politologen Lucas Leemann und Fabio Wasserfallen durchgeführt wurde: Doris Leuthard (3,87) auf Rang zwei, gefolgt von Ueli Maurer (3,74), Ignazio Cassis (3,72), Guy Parmelin (3,63), Simonetta Sommaruga (3,47) und Johann Schneider-Ammann (3,36).

So weit, so gut. «20 Minuten online» schaltete die offizielle Tamedia-Umfrage am Dienstagmorgen um 5.45 Uhr auf – zusammen mit einer eigenen Online-Umfrage. «Welcher Bundesrat macht seine Arbeit am besten?», wollte «20 Minuten» von den Lesern wissen. Um 7.29 Uhr hatten bereits 3254 Personen eine Antwort darauf gegeben, wie ein Screenshot belegt (siehe unten). Eine ganz andere allerdings, als bei der offiziellen Umfrage. Auf Rang eins lag mit grossem Abstand Maurer (35 Prozent) gefolgt von Leuthard (20), Berset (16), Sommaruga (10), Schneider-Ammann (8) und Cassis (7). Schlusslicht bildete Parmelin mit gerade mal 4 Prozent.

Nur ein einziges Bundesratsmitglied stand in beiden Umfragen auf demselben Rang: Doris Leuthard.

Bei Tamedia reagiert man mit Humor. «Der Online-Poll ist natürlich nicht mit den Werten der nach wissenschaftlichen Kriterien durchgeführten Wahlumfrage vergleichbar», sagt ein Sprecher. Alain Berset dürfe sich also weiter freuen. «Trotzdem: Für diese Kombination geben wir uns selbst höchstens knapp genügend.»

Widersprüche auch bei den Umfragen zu «No Billag»

Gestern folgte die nächste Tamedia-Umfrage: 59 Prozent von 21 540 Personen sagen Nein zu «No Billag». Es war die erste von drei gewichteten Tamedia-Umfragen mit den Politologen Leemann und Wasserfallen zur Initiative. Auch hier hatte eine nicht offizielle Konzern-Umfrage Wellen geworfen, diesmal in der «SonntagsZeitung». Ein Omnibus von Marketagent.com mit 1010 Befragten ergab, dass 57 Prozent Ja sagen zu «No Billag». Da keine Stimmberechtigten über 65 Jahre befragt worden waren, gab Marketagent.com eine bereinigte Version heraus – mit 56,6 Prozent Ja-Stimmen. «Aufgrund des hohen Interesses an Umfragen zur No-Billag-Abstimmung haben einzelne Redaktionen weitere Umfragen publiziert, die teilweise von anderen Anbietern durchgeführt wurden», sagt Zimmer. «Die verschiedenen Umfragen sind nicht direkt vergleichbar.»

Politologe Michael Hermann lobt: «Was Tamedia im Kern macht, mit den wissenschaftlich gewichteten Umfragen, ist ein Gewinn», sagt er. «Tamedia und das GfS.Bern sind beide besser geworden.» Problematisch sei es, «wenn im Konzern eine Umfrage mit derselben Fragestellung in unterschiedlichen Standards» erhoben werde. «Das kann den Eindruck von Wildwuchs erwecken.» Weil «20 Minuten ein rechtes Publikum habe.

Das realisierte die Redaktion von «20 Minuten». Sie nahm ihre Umfrage zu den Bundesräten am Dienstagmorgen um 7.49 Uhr vom Netz.