Bundesrat Maurer
AKW Mühleberg nicht abschalten sondern erneuern

SVP-Bundesrat Ueli Maurer über seine Liebe zu Ambri-Piotta, warum er in Sachen Fussball von Zürich nichts wissen will und warum er das Atomkraftwerk Mühleberg keinesfalls abschalten will sondern im Gegenteil einen Neubau befürwortet.

Vasilije Mustur
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Keystone

Sportminister Ueli Maurer geht an Krücken. Der SVP-Bundesrat leidet an einer Verletzung am Fuss. Statt in den Räumen des Swissotel in Zürich-Oerlikon am Swiss Sport Forum, ohne Fenster und direkter Sonneneinstrahlung, wäre Maurer lieber auf dem Sattel seines Fahrrades. Das ist jedoch nicht sein einziges Problem an diesem Tag.

Der SVP-Politiker über seine Liebe zu Ambri-Piotta, warum er in Sachen Fussball von Zürich nichts wissen will und warum er das Atomkraftwerk Mühleberg keinesfalls abschalten will sondern im Gegenteil einen Neubau befürwortet.
Herr Bundesrat Maurer, Sie sind ein bekennender Ambri-Fan. Halten Sie im wenigstens im Fussball dem Kanton Zürich die Treue?

Ueli Maurer: Ich muss Sie enttäuschen. Ich bin seit Jahrzehnten ein Fan der Berner Young Boys.
Wie kommt es, dass sie als Zürcher Politiker neben Ambri-Piotta auch noch den Young Boys die Treue halten?

Bei Ambri hat das einen familiären Hintergrund. Ich habe sechs Kinder. Ich habe immer Wert darauf gelegt, dass Sie sich bewegen und Sport machen. Weil ich wenig zuhause bin, wollte ich ihnen zudem einen Event bieten. So sind wir regelmässig nach Ambri gefahren. Bereits das ist eine Tagesreise. Dann bekommen sie in der Valascia - dem Stadion von Ambri - eine Pizza während dem Spiel. Das finden sie sonst nirgends. Bei YB ist es so: Ich bin gebürtiger Berner. Ich war immer stolz darauf, als Berner in Zürich zu leben. Als Jugendlicher habe ich mich dann für YB interessiert, bin dabei geblieben - und leide immer noch mit.
Das muss für Sie ja eine Qual sein. Bei Ambri läuft es schlecht und die Young Boys waren auch schon in höheren Gefilden der Tabelle anzutreffen. Wann waren Sie das letzte Mal in der Valascia?

Letzten Dezember. Aber ich werde am Samstag vor Ort sein und der Mannschaft in den Playouts gegen Rapperswil die Daumen drücken.
Da müssen Sie wieder leiden!

Nein. Ich gehe dorthin, um mich über einen Sieg zu freuen.
Zurück zum Fussball. In der Schweiz wird darüber debattiert, wie sich Schweizer Fussballklubs finanzieren sollen. In diesem Zusammenhang sorgte GC mit seiner Drohung nach Aarau oder Emmenbrücke umzuziehen, wenn die Stadt Zürich nicht eine Mietzinsreduktion gewährt, für Unruhe. Jetzt hat die Stadt Zürich nachgegeben. Was sagen Sie zu Einlenken der Stadt?

Ich denke, dass die Mietzinsreduktion vertretbar ist. Gerade wenn ich daran denke, wie viel Geld Zürich in Kultur investiert. Trotzdem müssen wir aufpassen, dass sich der Staat nicht zu sehr einmischt. GC hat es aus meiner Sicht verpasst, nach Jahren des finanziellen und sportlichen Erfolgs ein breites Sponsoringumfeld aufzubauen. Darunter haben sie nun zu leiden.
Trotzdem droht in Zürich jetzt der Dammbruch. Der FCZ bekommt nach GC eine Mietzinsreduktion und die Wahrscheinlichkeit, dass auch der ZSC eine Mietzinsreduktion für das Hallenstadion will, ist gross.

Das ist möglich. Aber die die öffentliche Hand hat nicht unbeschränkt Geld zur Verfügung. Subventionen sind jedoch für einen Grossklub immer auch eine Investition in die Jugend. Die Jungen interessieren sich für den Spitzensport und orientieren sich nach ihren Vorbildern. Spitzensport und Breitensport sind so eng miteinander verflochten, dass Investitionen in einen Fussballklub vorübergehend nicht schlecht sein müssen.
Zu Olympia: Wie weit ist die Kandidatur „Schweiz fortgeschritten?

Bis Ende März müssen die interessierten Regionen, ihre Kandidatur bekannt geben. Swiss Olympic wird danach entscheiden. Später werden wir mit den möglichen Kandidaten die Rahmenbedingungen abstecken. Dabei sind Sicherheit, Nachhaltigkeit ein Thema, genauso die finanzielle Beteiligung des Bundes. Im November wird dann das Sportparlament entscheiden, wer Kandidat ist.
Im Vorfeld haben Sie sich offen für eine Kandidatur im Bündnerland ausgesprochen und damit das Wallis vor den Kopf gestossen. Was antworten Sie auf diese Kritik?

Alle haben die gleichen Chancen. Ich habe lediglich gesagt, dass ich mir das Bündnerland vorstellen könnte. Ich kann mir aber auch das Wallis vorstellen. Wir haben einzig die Bedingungen festgelegt. Wir wollen Spiele in den Bergen - weisse Spiele. So lässt sich das Tourismusland Schweiz am besten vermarkten. Zudem müssen die Reisewege für Gäste und Athleten kurz sein. Es ist nicht nur das Bündnerland, dass diese Bedingungen erfüllen kann. Auch die Zentralschweiz, das Wallis oder das Berner Oberland sind dazu fähig.
Sie sind auch Verteidigungsminister. Als naturverbundener Mensch: Wie haben Sie reagiert, als Sie gesehen haben, dass eine Tsunami-Welle Atomkraftwerke in Japan heimsucht?

Es war erschreckend, insbesondere das menschliche Leid, welches der Tsunami in Japan verursacht hat. Das Ereignis zeigt uns Menschen aber auch die Grenzen auf. Wir leben in einer Welt, in der wir alles als machbar empfinden. Dabei sind uns unsere Grenzen manchmal nicht bewusst. Vielleicht lernt die Menschheit etwas daraus.
Was sind Ihre persönliche Lehren aus der Katastrophe im Bezug auf die Schweiz?

Wir müssen den Naturkatastrophen-Kataster wirklich durchsetzen. Hierzulande stehen Häuser an Lawinenhängen und Wasserläufen. Das ist gefährlich. In diesem Bereich sind wir nicht konsequent genug eingeschritten. Im Bezug auf die Atomkraft ist es unsere Aufgabe, die Technologie nach menschlichem Ermessen sicher zu machen.
Das grösste Problem scheint Mühleberg zu sein. Muss das Atomkraftwerk abgeschaltet werden?

Nein. Meiner Meinung nach müssen wir vielmehr darüber nachdenken, die Erneuerung des Kraftwerks vorzuziehen. So können wir auch die Sicherheit erhöhen. Wir müssen aber sehen, dass wir nicht denselben Gefahren ausgesetzt sind, wie in Japan.
Verstehe ich Sie richtig: Für Sie kommt ein Ausstieg aus der Atomenergie nicht in Frage.

Wir können es uns nicht leisten, auf 40 Prozent des Stroms zu verzichten. Wenn nur die Hälfte aller Züge, Kühlschränke, Backöfen und Kochherde funktionieren, dann haben wir ein Problem. Also müssen wir dafür sorgen, dass wir die Energieproduktion, so sicher wie möglich machen können. Eine vernünftige Alternative gibt es nicht. Zumindest nicht kurz und mittelfristig.