Erdbeben
AKW Leibstadt-Verwaltungsrat Rolf Büttiker stellt neue Schweizer AKW in Frage

Die Atomkatastrophe in Japan schockt FDP-Ständerat und Leibstadt-Verwaltungsrat Rolf Büttiker. Für ihn ist klar, dass man jetzt in der Schweiz beim Bau von Atomkraftwerken nicht einfach wieder zur Tagesordnung übergehen kann.

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Der Solothurner Ständerat Rolf Büttiker

Der Solothurner Ständerat Rolf Büttiker

Keystone

«Ich habe ein solches Ereignis nicht für möglich gehalten», sagt FDP-Ständerat und Leibstadt-Verwaltungsrat Rolf Büttiker gegenüber der Zeitung «Der Sonntag». Er sei «geschockt» über die Ereignisse in Japan, die Katastrophe stelle eine «völlig neue Dimension» dar und müsse auch in der Schweiz zu einer «Neubeurteilung der Risiken» führen.

Es sei falsch, zu sagen, sowas könne in der Schweiz nicht passieren: «In Tschernobyl hat die Technik versagt, in Fukushima führten äussere Einflüsse zur Katastrophe». Und vor äusseren Einflüssen sei kein Atomkraftwerk der Welt sicher, zumal weltweit eine Zunahme von Naturkatastrophen festgestellt werden müsse, sagt Büttiker.

Unangenehme Fragen stellen

Es sei nun die Aufgabe der Politik, «unangenehme Fragen zu stellen, die auch zu unangenehmen Antworten führen können», so Büttiker weiter: «Was in Japan geschehen ist, hat den Schweizer Kernkraftplänen nicht geholfen. Wir können jetzt nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Wenn wir zum Schluss kommen sollten, dass die Risiken der Kernkraft zu gross geworden sind, müssen wir auf den Neubau eines Schweizer Werks verzichten».

Auch CVP-Nationalrat und Gösgen-Verwaltungsrat Pirmin Bischof spricht angesichts der Katastrophe in Japan von einem «schweren Einschnitt in die Energiedebatte», die zu «grundsätzlichen Fragen» Anlass gebe. Japan könnte jedoch nicht mit der Schweiz verglichen werden: «Bei uns drohen keine Tsunamis».

Er hält den Bau einer modernen Atomenergieanlage nach wie vor für sinnvoller als den deutschen Weg einer Laufzeitverlängerung für alte Atommeiler: «Solchen Plänen, die hinter den Kulissen auch in der Schweiz diskutiert werden, muss nach den Ereignissen in Japan eine klare Absage erteilt werden.»

Schicksalsschlag nicht missbrauchen

FDP-Nationalrätin Doris Fiala verwahrt sich dagegen, «den Schicksalsschlag einer Nation für den Abstimmungskampf über ein Schweizer Kernkraftwerk zu missbrauchen», sagt aber: «Der Unfall ist im Hinblick auf die bevorstehende Volksabstimmung über einen AKW-Neubau im Jahr 2013 ein schwerer Rückschlag». Fiala fordert ein «besseres Risikomanagement», nicht nur bei der Atomenergie: «Es ist ein grosses Manko, dass Worst Case-Szenarien in Risikobeurteilungen oft ausgeblendet werden.»

Für Heinz Karrer, Chef des Stromriesen Axpo, ist es zu früh für eine Beurteilung der Situation. In den kommenden Wochen werde es darum gehen, «die Erkenntnisse über das Ereignis in Japan auszuwerten und zu prüfen, welche Auswirkungen die Geschehnisse auf die bestehenden Werke haben und wie sie die Debatte um den Bau eines neuen Werkes beeinflussen werden», so Karrer.