Master of Arts, Master of Science, Master of Advanced Studies, Master of Buisness Administration – englische Titel dominieren die Bildungslandschaft. Schon bald könnte dieser Titelreigen ergänzt werden mit einer Schweizer Kreation: Der Techniker HF soll auch den Titel «Professional Master» auf der Visitenkarte führen können.

Vertreter der Berufsbildung streben diese Neuerung seit langem an. Zwar hat der Bundesrat noch vor einem Jahr die Einführung eines Bachelors respektive Masters mit dem entsprechenden Zusatz für die höhere Berufsbildung als «nicht zielführend» bezeichnet. Doch seither hat im Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) ein Umdenken stattgefunden. Ein Projektteam arbeitet an der Frage, wie die höhere Berufsbildung titelmässig aufgewertet werden kann. Bis Ende Jahr will das SBFI Vorschläge präsentieren.

Zu wenig anerkannt

Denn: Die höhere Berufsbildung wird zwar gerne als Schweizer Erfolgsmodell gefeiert, doch es fehle die (internationale) Anerkennung, monieren die Promotoren des «Professional Bachelor» wie Nationalrat Matthias Aebischer (SP/BE), der ehemalige Preisüberwacher Rudolf Strahm oder der Gewerbeverband. Das führe dazu, dass die zunehmend ausländischen Personalchefs lieber einen jungen deutschen Ingenieur mit Bachelor-Abschluss einer Universität anstellen, statt den hier ausgebildeten Heizungstechniker, der sich an einer höheren Fachschule weitergebildet hat und über mehr Praxiserfahrung verfügt. Zudem soll mit den neuen Titeln das Image der Berufsbildung aufgewertet werden.

Verantwortlich für das Umdenken im SBFI ist der politische Druck. 72 Nationalräte aller Parteien haben im letzten Jahr eine Motion von Aebischer unterschrieben, welcher die Titeläquivalenz für die höhere Berufsbildung fordert. Die Motion wurde im Rat zwar noch nicht behandelt, doch die Zustimmung scheint gewiss. Entsprechend ist das SBFI gefordert, eine Lösung für das populäre Anliegen zu finden.

Gemäss der «NZZ am Sonntag» ist klar, in welche Richtung diese gehen soll. Demnach werden die Titel der höheren Berufsbildung beibehalten und mit einem «Diploma Supplement» ergänzt. Darin werden die erworbenen Kompetenzen beschrieben und der vergleichbare internationale Titel wie der Professional Bachelor erwähnt. Für Motionär Aebischer ein guter Vorschlag – der aber nicht überall auf Wohlwollen stösst. Denn bislang sind die Abschlüsse Bachelor und Master den ETH, Universitäten und Fachhochschulen vorbehalten.

Unglückliche Fachhochschulen

Bei der Konferenz der Fachhochschulen hat man wenig Freude daran, dass sich die höhere Berufsbildung zur Steigerung der Anerkennung die Titel aus einem «anderen System entlehnen will», wie Generalsekretär Thomas Bachofner sagt. Er erinnert daran, welch hohe Kriterien Fachhochschulen erfüllen müssen, um Bachelortitel verleihen zu können – und er ortet eine gewisse Verwechslungsgefahr.

Viel zielführender sei die Schaffung eines Nationalen Qualifikationsrahmens, eine europäische Idee. Auf einer Skala von eins bis acht werden alle Bildungsgänge verortet. Zudem sollen in den Diplomzusätzen die gleichen Raster verwendet werden, um die Vergleichbarkeit der Abschlüsse zwischen der höheren Berufsbildung und den (Fach-)Hochschulen zu fördern. Die Schaffung des Nationalen Qualifikationsrahmens wird derzeit vom SBFI ebenfalls vorangetrieben.

Angesichts der breiten politischen Front für akademische Titel auch in der Berufsbildung werden die Fachhochschulen wohl das Nachsehen haben. Klar ist indes, dass auch künftig der Inhalt einer Ausbildung mehr aussagt, als ein Titel alleine.