Serbien

Ai fordert Untersuchung der NATO-Bombardierung von Fernsehsender

Bombardierung des Fernsehgebäudes 1999

Bombardierung des Fernsehgebäudes 1999

Am zehnten Jahrestag der Bombardierung des Fernsehsenders RTS in Belgrad durch die NATO hat die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (ai) eine unabhängige Untersuchung des Vorfalls gefordert.

Eine solche Untersuchung habe es nie gegeben, obwohl der Angriff auf das zivile Gebäude ein Kriegsverbrechen sei, erklärte ai am Donnerstag. Die NATO müsse die volle Verantwortung für die Bombardierung übernehmen und die Angehörigen der Opfer entschädigen.

Bei dem Raketenangriff am 23. April 1999 waren 16 Menschen getötet worden, die meisten von ihnen Fersehtechniker. Die Bombardierung war Teil einer elfwöchigen Luftoffensive der NATO gegen die serbische Armee während des Kosovo-Konflikts.

Die NATO habe das Gebäude des öffentlich-rechtlichen Senders RTS als legitimes Ziel angesehen, weil von dort aus Propaganda betrieben wurde, schrieb ai in der Erklärung. Es habe vor dem Angriff keine Warnung gegeben, obwohl die NATO gewusst habe, dass sich in dem Gebäude Zivilisten befanden.

Auch die in Wien ansässige South East Europe Media Organisation (SEEMO) forderte die NATO am Donnerstag auf, die Bombardierung als Fehler anzuerkennen. Nur so könnten Angehörige und Kollegen der Opfer "ihren Frieden wiederfinden".

Bei einer Trauerzeremonie in Belgrad legten am Donnerstag um exakt 2.06 Uhr Ortszeit, dem Zeitpunkt des Raketeneinschlags, Angehörige und Kollegen der Opfer an der Ruine des Gebäudes Blumen nieder und entzündeten Kerzen. 2002 hatte ein serbisches Gericht den früheren RTS-Geschäftsführer zu zehn Jahre Haft mit der Begründung verurteilt, er habe das Leben der 16 Opfer nicht geschützt.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1