2014 ordneten Ärzte und zu einem kleineren Teil auch Kinder- und Erwachsenenschutzbehörden rund 11000 fürsorgerische Unterbringungen an. 2015 waren es bereits über 14000. Das ist ein Sprung um 30 Prozent innerhalb eines Jahres.

Das schweizerische Gesundheitsobservatorium hat die nicht öffentlich zugänglichen Zahlen für die «SonntagsZeitung» ausgewertet. Fachpersonen reagieren schockiert: «Der Anstieg ist alarmierend», sagt Anita Biedermann, stellvertretende Geschäftsleiterin der Stiftung Pro Mente Sana, die sich für Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung einsetzt.

Eine fürsorgerische Unterbringung sei ein schwerwiegender Eingriff in die Grundrechte. «Das Ziel sollte sein, deren Zahl so klein wie möglich zu halten.» Pro Mente Sana fordert, dass nur noch Psychiater eine Zwangseinweisung anordnen dürfen. Laut Biedermann haben Kantone tiefere Einweisungsquoten, welche «die Kompetenz zur Anordnung einer fürsorgerischen Unterbringung auf bestimmte spezialisierte Ärzte beschränken».

Tatsächlich zeigt eine unveröffentlichte Studie der psychiatrischen Universitätsklinik Zürich, dass die Massnahme in 60 Prozent der Fälle nicht von einem Psychiater angeordnet wird, sondern von einem Notfall-, Spital- oder Hausarzt.

Wenig Wirkung hatte die fürsorgerische Unterbringung bei Franz W. Er blieb nach seiner Entlassung aggressiv, bis er am Montag in Schaffhausen fünf Menschen mit einer Motorsäge verletzte. Um Täter wie ihn frühzeitig zu erkennen, führen immer mehr Kantone Register über potenziell gefährliche Bürger. In Solothurn, Baselland oder Neuenburg stehen aktuell hunderte Personen auf dem Radar.

Bilder vom Polizei-Grosseinsatz in Schaffhausen: