Der Krankenkassenverband Santésuisse geht verschärft gegen Ärzte und Spitäler vor, die zu viele Leistungen abrechnen.

Gemäss Recherchen der «Schweiz am Sonntag» ermittelt die Tochterfirma Tarifsuisse neu anhand der Abrechnungsdaten fast aller Krankenkassen jene Ärzte und Spitäler, die deutlich mehr Behandlungen abrechnen als der Durchschnitt ihres Fachgebiets.

«Unsere Analysen der Tarifanwendungsdaten zeigen enorme Ausreisser», sagt Tarifsuisse-Direktor Markus Caminada.

Ab dem Sommer 2014 drohen Ärzten und Spitälern, die dafür keine plausible Erklärung haben, Rückzahlungsforderungen.

Einen Teil von ihnen verdächtigt Caminada des Betrugs: «In 25 Prozent der Fälle vermuten wir eine missbräuchliche Tarifanwendung.»

Vor allem den Spitälern unterstellt er Absicht. «Da wird systematisch geschaut, dass man möglichst viel auf die Rechnungen stellen kann.»

Die obligatorische Grundversicherung werde durch überflüssige Leistungen, Abrechnungsfehler oder nie erbrachte, aber verrechnete Leistungen jährlich mit Hunderten Millionen Franken ungerechtfertigt belastet, sagt Caminada.

«Wir glauben, dass durch die Bekämpfung von Falschanwendungen und Tarifausreizungen nochmals ein Sparpotenzial von 750 Millionen Franken pro Jahr möglich ist.»

Zum Vergleich: Mit ihren herkömmlichen Rechnungsprüfungen konnten die Krankenkassen gemäss Santésuisse jährlich rund 10 Prozent der Kosten einsparen, die in Arztpraxen und Spitälern anfallen. Das entspricht pro Jahr rund einer Milliarde Franken.

Um der Umsatzbolzerei zulasten der Prämienzahler einen Riegel zu schieben, hat Tarifsuisse zudem vor zwei Wochen eine zentrale Meldestelle für die Tarifüberprüfung eingerichtet.

Patienten, die bei ihrem Arzt oder Spital Unregelmässigkeiten bei der Leistungsabrechnung vermuten, können diese melden. (sha)