Landwirtschaft

Älpler wollen mehr Geld wegen Regen-Sommer – doch der Bund winkt ab

Nur der Juni sei ein normaler Monat gewesen: Laut langjährigen Älplern hat es noch nie einen solch verregneten Sommer gegeben.

Nur der Juni sei ein normaler Monat gewesen: Laut langjährigen Älplern hat es noch nie einen solch verregneten Sommer gegeben.

Die dauernden Regenphasen haben den Alpwirten zu schaffen gemacht. Sie fordern ein Entgegenkommen des Bundes. Doch dieser erteilt dem Ansinnen eine Absage. Er möchte keinen Präzedenzfall schaffen.

Verstampftes Gras, löchrige Böden, braune Weiden und beschädigte Alpwege. Die nassen Monate Juli und August haben den Sennen auf der Alp zu schaffen gemacht. Die langjährigen Älpler reden gar davon, dass es noch nie einen solch verregneten Sommer gegeben habe.

Aus diesem Grund hat der Schweizerische Alpwirtschaftliche Verband (SAV) in einem Brief beim Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) um ein Entgegenkommen bei der Auszahlung der Sömmerungsbeiträge gebeten.

Klar sei der Juni ein normaler Monat gewesen, sagt der SAV-Präsident und Berner SVP-Nationalrat Erich von Siebenthal. Die Vegetation sei dann aber im Juli und August sehr stark strapaziert worden – auch durch das Weiden der Kühe. Das Gras habe sich bis zum Ende der Vegetationszeit in den Bergregionen Mitte August nie regenerieren können.

Das nasse Wetter habe damit sogar Auswirkungen auf das kommende Jahr. «Auch für den nächsten Sommer sind bleibende Schäden zu erwarten», sagt von Siebenthal.

Harsche Kritik am Bundesamt

Die Bitte der Älpler wurde jedoch nicht erhört. Im Antwortbrief, der der «Nordwestschweiz» vorliegt, spricht das BLW von einer «etwas nasseren» Alpensaison 2014. Das Amt sei der Meinung, dass der nasse Juli und August 2014 für die Sömmerung nicht allgemein als höhere Gewalt gelten könne. Und im September habe es zudem schöne Weidetage gegeben, «was den nassen Sommer teilweise kompensierte».

«Das BLW hat sich überhaupt kein Bild gemacht, wie es diesen Sommer auf der Alp zu- und hergegangen ist», enerviert sich von Siebenthal. Das Amt schiebe die Schuld eigentlich den Älplern zu. Tatsächlich schreibt es, dass diese ihre Bewirtschaftung bei nassen Bedingungen anpassen könnten. Laut von Siebenthal würden dies die Älpler jedoch schon jetzt nach bestem Wissen und Gewissen tun. Deshalb sei die Formulierung des BLW ein Affront.

Das BLW bleibt aber auch hart, weil es keinen Präzedenzfall schaffen möchte. So schreibt das Amt: «Eine generelle Kulanz für die Alpsaison 2014 hätte eine falsche Signalwirkung, indem Älpler bewusst an die untere Bestossungsgrenze gehen und bei bereits minimalen Abweichungen auf die Kulanz des Bundes zählen könnten.» Nur durch einen «gewissen Weidedruck» könne das «Einwachsen des Waldes im Sömmerungsgebiet unter Kontrolle gehalten» werden.

Für jede Alp gibts klare Zahlen

Wohl die wichtigste Aufgabe der Älpler ist es, das Kulturland in den Bergregionen zu pflegen. Über das Weiden der Kühe wird das Verbuschen der Wiesen verhindert, was schliesslich auch eine Verwaldung eindämmt. In den Kantonen ist für jede Alp festgelegt, wie viele Kühe wie viele Tage sömmern können – die sogenannte Bestossungsgrösse.

Wenn ein Älpler dies genau einhält, hat er eine hundertprozentige Bestossung erreicht. Der Spielraum liegt zwischen 75 und 110 Prozent. Da nun auch jene Älpler, die weniger Kühe gesömmert haben, wegen des schlechten Wetters nicht die volle Zeit auf der Alp verbringen konnten, fallen diese unter den Wert und erhalten nicht den ganzen Sömmerungsbeitrag.

«Genau diese Älpler bekommen nun noch mehr Schwierigkeiten, für nächstes Jahr noch Kühe zu bekommen», sagt von Siebenthal. Dem nicht genug habe die Politik den Älplern auch das Leben schwerer gemacht. Das neue Direktzahlungssystem sorge ja dafür, dass die Anschaffung von Kühen nicht mehr so lohnenswert sei.

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