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Adoption boomt: Kinder haben heute häufiger zwei Mamis

Zwei Mamis, aber kein Papi: Gleichgeschlechtliche Paare dürfen Stiefkinder adoptieren.

Zwei Mamis, aber kein Papi: Gleichgeschlechtliche Paare dürfen Stiefkinder adoptieren.

Seit 2018 dürfen auch gleichgeschlechtliche Paare das Kind ihres Partners aufnehmen. Damit sorgen sie für eine Trendwende.

Jahrzehnte lang sank die Zahl der Adoptionen in der Schweiz. Während zur Jahrtausendwende 800 Kinder von Schweizer Paaren aufgenommen wurden, waren es 2010 noch 600. Der Tiefpunkt wurde 2017 erreicht – mit nur 305 adoptierten Kindern. Ein Allzeit-Tiefpunkt. Doch die Talfahrt wurde nun gestoppt.

Bei langjährigen Entwicklungen lässt sich nur selten der exakte Zeitpunkt einer Trendwende identifizieren. Doch bei den Adoptionen ist es möglich: Es war der 1. Januar 2018. Damals trat das neue Adoptionsrechts in Kraft, das gleichgeschlechtlichen Paaren in einer eingetragenen Partnerschaft erlaubte, ihre Stiefkinder als ihre eigene anzuerkennen. «Es gibt sicher Nachholbedarf bei jenen, die bisher ihre Stiefkinder nicht adoptieren konnten», sagte damals die Expertin für Adoptionen beim Bund.

Sie hatte Recht: Nur wenige Monate danach zeigte sich ein deutlicher Anstieg. Dutzende Gesuche gingen in nur wenigen Monaten bei den Kantonen ein, berichtete das Nachrichtenportal «Watson».

Zahl der Stiefkind-Adoptionen steigt um 40 Prozent

Nun belegen neuste Zahlen des Bundesamts für Statistik den gesamten Anstieg: 2018 wurden 429 Kinder adoptiert. Das entspricht einer Zunahme von 40 Prozent. Wie viele Kinder nun zwei Papis oder zwei Mamis haben, weist die Statistik allerdings noch nicht aus. Die Rückmeldungen aus den Kantonen zeigen dennoch, dass viele homosexuelle Paare darunter sind.

Allein im Kanton Bern waren es in nur einem halben Jahr 45 Gesuche für Stiefkind-Adoptionen, 31 davon stammten von gleichgeschlechtlichen Paaren. In der Stadt Zürich waren es 13 Gesuche, wovon acht von Lesben- und zwei von Schwulenpaaren stammten. Auch andere Kantone, wie etwa St. Gallen, Basel oder Luzern, bearbeiten schon damals zahlreiche Adoptionsanträge von gleichgeschlechtlichen Paaren.

In der Schweiz leben gemäss dem Dachverband Regenbogenfamilien zwischen 6000 und 30000 Kinder in einer Familien, in denen mindestens ein Elternteil lesbisch, schwul, bisexuell, trans oder queer ist. Und der Trend dürfte auch dieses Jahr anhalten. Ist der Antrag gestellt, geht es in der Regel drei bis sechs Monate, bis der Abklärungsbericht vorliegt und der Adoption stattgegeben werden kann.

Viele Anträge dürften demnach erst 2019 bewilligt werden. Hinzu kommt, dass 2018 auch das Mindestalter der Adoptiveltern von 35 Jahren auf 28 gesenkt wurde und ein Paar nur noch drei Jahre zusammen sein muss, bevor es adoptieren darf.

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