Weihnachtszeit

Achtung: Spenden-Betrüger sind unterwegs

Man sollte sich gut überlegen, ob und wem man auf der Strasse Geld spenden wird.

Man sollte sich gut überlegen, ob und wem man auf der Strasse Geld spenden wird.

Gerade in den Wochen vor Weihnachten, wenn kostspielige Geschenke für Kinder und Ehepartner angeschafft werden, meldet sich bei vielen das Gewissen: Sollte man nicht auch Spenden? Doch Vorsicht: Auf den Strassen sind momentan viele Betrüger unterwegs.

«Zertifikat des regionalen Verbundes für Taubstumme und körperlich behinderte Personen und für die armen Kinder wollen wir ein internationales Zentrum erschaffen»: Dieser grammatikalisch nicht gerade überzeugende Satz steht auf einem Blatt Papier, welches junge Männer zur Zeit Passanten in Basel, Luzern und St. Gallen unter die Nase halten.

Auf dem oberen Rand des Papiers sind diverse Piktogramme aus dem Behindertenbereich, eine Kontaktadresse mit Telefon und den Hinweis auf die Homepage der Behindertenorganisation Procap abgebildet. Es folgen leere Zeilen, auf denen spendewillige Personen Name, Wohnort und einen Betrag vermerken - und unterschreiben.

Strafanzeige gegen Unbekannt

Adresse und Telefonnummer gehören tatsächlich zur Behindertenorganisation Procap. Das Problem ist aber: Die jungen Männer haben mit der Organisation rein gar nichts zu tun - es sind Spenden-Betrüger, die den Namen der Organisation missbrauchen um sich zu bereichern. «Wir sammeln in der Regel gar kein Bargeld ausser beim Verkauf von Schoggi-Herzen», sagt Pressesprecher Bruno Schmucki. Die Organisation hat nun Strafanzeige gegen Unbekannt eingereicht.

Doch nicht nur Procap ist vom Betrug betroffen. Gemäss der Schweizerischen Zertifizierungsstelle für gemeinnützige spendensammelnde Organisationen (Zewo) ist es in den vergangenen Wochen vermehrt zu solchen Spendenbetrügen gekommen. «Gerade in der Weihnachtszeit haben viele Leute für soziale Anliegen ein offenes Ohr und entschliessen sich darum spontan zu spenden», begründet Geschäftsleiterin Martina Ziegerer die Häufung. Polizeistellen wissen von Personen in der ganzen Deutschschweiz, die angeblich für Taubstumme, Behinderte oder gegen die Beschneidung von Mädchen in Afrika Spenden sammelten.

Spender unter Druck setzen

Dabei ist das Vorgehen meist dasselbe: Die Betrüger setzen schlecht leserliche Kopien von Sammellisten mit Betragsvorgaben von beispielsweise 50 Franken ein, um Spendende damit unter Druck zu setzen, einen ähnlich hohen Betrag zu zahlen. Anders als im aktuellen Fall mit Procap existieren die angegebenen Organisationen meist gar nicht.

Und falls man ihnen auf die Schliche kommt, reagieren die Fälscher schnell: «Sie vernichten sogleich die Spenderlisten und verhindern so, dass bei einer Festnahme der Polizei, die Deliktsumme nicht rekonstruiert werden kann», erklärt Ziegerer.

Doch wie erkennen Spendewillige, wem sie vertrauen können? «Das wichtigste Gebot ist sicher, sich nie zum Spenden drängen zu lassen», sagt die Expertin. Besser sei es, eine Dokumentation mit Einzahlungsschein zu verlangen. Dann könne man die Unterlagen in aller Ruhe studieren. «Und wer doch spontan Geld schenken möchte, fragt die Sammler am besten nach dem Ausweis ihrer Organisation.» (jep)

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