Tanz dich frei

Acht Krawallmacher bisher identifiziert – Professor kritisiert Fahndungsfotos

Ob mit Cityscooter, Feuerlöscher oder Feuerwerk: Das sind die Tanz-dich-frei-Krawallmacher auf den Fahndungsfotos der Berner Kapo.ho

Ob mit Cityscooter, Feuerlöscher oder Feuerwerk: Das sind die Tanz-dich-frei-Krawallmacher auf den Fahndungsfotos der Berner Kapo.ho

Der Fahndungserfolg gibt der Polizei Recht: Bisher wurden acht Randalierer identifiziert. Ein Strafrechtler kritisiert das unverpixelte Veröffentlichen der Fahndungsfotos allerdings.

Der Internetpranger für Tanz-dich-frei-Chaoten zeigt seine Wirkung: Bisher konnte die Berner Kantonspolizei dank der im Internet veröffentlichten Fahndungsfotos 8 von 49 mutmasslichen Tätern identifizieren. Die Kapo Bern hatte die Fotos am Montag online gestellt. Allein die blosse Ankündigung, die Fotos zu veröffentlichen, hatte letzte Woche vier Personen zu einer Selbstanzeige bewogen. Soweit die Zwischenbilanz.

Nachlassende Fahndungserfolge

Das Interesse der Bevölkerung an der Internetfahndung wird mit der Zeit nachlassen. Wie lange die Fotos online veröffentlicht bleiben, liesse sich noch nicht sagen, so die Kapo-Sprecherin Corinne Müller.

Noch treibt aber diese Frage Bern und die Schweiz um: Ist das Vorgehen um die schweizweit grösste Internetfahndungsaktion verhältnismässig und entspricht es damit der Rechtsstaatlichkeit? Nein, findet der Berner Strafrechtsprofessor Jonas Weber. Er kritisiert die Veröffentlichung der unverpixelten Bilder zum jetzigen Zeitpunkt. «Ich sehe keine Notwendigkeit dazu. Man hätte sich mehr Zeit lassen können und Schritt für Schritt zur Ultima Ratio greifen können», so Weber.

Das Verhältnismässigkeitsprinzip – es verlangt neben der Berücksichtigung der Art und Schwere der Tat auch die Prüfung, ob eine Massnahme (hier der Internetpranger) das erwünschte Ergebnis herbeiführen kann (hier das Identifizieren der mutmasslichen Täter). Darunter fällt auch das Kriterium der Erforderlichkeit: Es muss also berücksichtigt werden, ob nicht mildere Mittel zur Verfügung stehen würden.

«Man hätte in einem zweiten Schritt Fotos hochladen können, auf welchen die mutmasslichen Täter nicht für eine breite Bevölkerung erkennbar sind», sagt der Strafrechtler Weber. Zeitdruck habe nicht bestanden. Ein dreistufiges Modell mit einer Ankündigung, gefolgt von zwei Veröffentlichungswellen hält Weber für sorgfältiger und daher sinnvoll.

Der «Hinterletzte» wusste Bescheid

Webers Kritik lässt die Berner Staatsanwaltschaft nicht gelten. Sie hat die Veröffentlichung der Fotos angeordnet. «Die Kapo hatte unmittelbar nach der Krawallnacht von Ende Mai eine Hotline eingerichtet und die Bevölkerung ersucht, Foto- und Videomaterial zur Verfügung zu stellen», sagt der Sprecher der Staatsanwaltschaft Christof Scheurer. Die Strafverfolgungsbehörden hätten von Beginn weg signalisiert, dass das Sammeln der Bilder in der Internetfahndung mündet.

«Drei Wochen nach den Ausschreitungen musste es deshalb auch dem letzten Beteiligten klar sein, dass wir die Fotos gegebenenfalls veröffentlichen würden.» Internetfahndungen seien von Fall zu Fall verschieden ausgestaltet, so Scheurer. Auch im Kanton Bern würde das dreistufige Modell angewandt.

Acht identifizierte Krawallmacher nach dem zweiten Tag des Internetprangers – ob auch die Veröffentlichung verpixelter Fotos zu diesem Resultat geführt hätte?

Meistgesehen

Artboard 1