Militärflieger
Acht der Gripen-Kampfjets sollen auch bombardieren können

Von den 22 Schweden-Flieger sollen acht auch für «Erdkampf» mit Bomben aufgerüstet werden. Dies obwohl die Schweizer Militärfliegerei seit ihrer Gründung vor fast 100 Jahren noch nie Bodenziele bombardieren musste.

Niklaus Ramseyer
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Ein Gripen F Demonstrator-Flugzeug der schwedischen Luftwaffe vor einem Testflug auf der Airbase Emmen.

Ein Gripen F Demonstrator-Flugzeug der schwedischen Luftwaffe vor einem Testflug auf der Airbase Emmen.

Keystone

Der Gripen-Kampfjet fliegt jetzt ruhig über eine nordschwedische Landschaft: Kleine Seen, viel Wald, liebliche Tälchen gleiten vorbei. Die Idylle trügt: Es herrscht Krieg. Zwei von drei angreifenden Feindfliegern sind soeben abgeschossen worden, einer in die Flucht geschlagen. «Achtung, Flabstellung rechts vorne bei der Brücke», warnt der Flugleitoffizier im Kopfhörer. Also mehr Schub geben, Höhe gewinnen und dann runter gegen die Brücke, Waffenwahl «Air-to-ground» (Luft-Boden). Der rote Knopf am Knüppel löst die Rakete aus, und schon fliegt die Brücke in die Luft. Jetzt aber Vollschub, voll hochziehen, und weg.

Solche Übungen können Schweizer Kampfpiloten nur im Simulator fliegen, nicht im scharfen Schuss. Jedenfalls die Luft-Boden-Elemente nicht. Nur Luftkampf, denn ihre F/A-18 Hornet sind reine Abfangjäger. Das reicht für die Verteidigung der neutralen Schweiz voll aus: Seit ihrer Gründung vor fast 100 Jahren hat die Schweizer Militärfliegerei jedenfalls noch nie Bodenziele bombardieren müssen. Nur Luftraumüberwachung, Luftpolizei – und notfalls Luftkampf. Letzteres in den letzten 70 Jahren auch nie mehr.

Hunderte Millionen eingespart

Folgerichtig beschaffte die Schweiz 1992 den F/A-18 nur in der Variante für Luftkampf. So konnten mehrere hundert Millionen für das Luft-Boden-Feuerleitsystem und für teure Luft-Boden-Munition eingespart werden. Eine 100-Millionen-Waffenplattform sei viel zu teuer für Erdkampf, argumentierten die Militärs damals. Das operative Feuer zur Unterstützung der Bodentruppen könne auch mit der weitreichenden Artillerie geleistet werden. Seit 1995 hat die Schweizer Luftwaffe darum keine Bomben-Flugzeuge mehr.

Doch schon im Rüstungsprogramm 2001 klagten die Armeeplaner, der neue Kampfjet, der den F-5 Tiger ersetzen soll (TTE), müsse für «internationale Zusammenarbeit» konzipiert sein. Und: «Daraus könnten zusätzliche Bedürfnisse im Rahmen des Feuers Luft-Boden resultieren.» Der Grund: In Nato-Übungen hatten die Schweizer Flieger mit ihren F/A-18-Jägern bei allen Erdkampf-Elementen passen müssen. Weltweite «Friedenseinsätze» aus der Luft, wie sie Schweizer Generäle damals noch anstrebten, wären ohne Bomben erst recht undenkbar.

So rutschte ins Anforderungsprofil für den Tiger Teilersatz (TTE) klammheimlich die Forderung nach «Wiederaufbau der Erdkampffähigkeit» rein. Da klaffe nämlich «eine Fähigkeitslücke». Und in der Botschaft zum Rüstungsprogramm 2012 vom 25. September, die jetzt bei allen Bundesräten liegt, steht nun, der Gripen E müsse auch «die Grundfähigkeit zur Bekämpfung von Zielen am Boden wieder aufbauen» helfen.

Konkret sollen nur 10 der 22 neuen Kampfjets reine Abfangjäger sein: Vier werden zusätzlich als Aufklärer ausgerüstet – und acht als Bomber. Auf einem Schema für «in der Schweiz vorgesehene Beladungsvarianten» werden für «Luft-Boden» in der Botschaft aufgeführt: «2 Infrarot-Lenkwaffen, 2 Radar-Lenkwaffen, 2 Zusatztanks, 1 Zielbeleuchtungsradar» und «2 Lenkbomben».

«Für Ausbildungszwecke»

Möglich wären auch bunkerbrechende Erdkampf-Lenkwaffen vom Typ «Taurus». Und sogar die inzwischen geächteten Kanisterbomben, wie in Gripen-Werbeschriften zu lesen ist. Die Botschaft versichert indes, geplant sei vorerst nur die Beschaffung von «220 Kilogramm schweren Sprengbomben». Und dies auch nur für «Erprobungs- und Ausbildungszwecke». Immerhin: Auch dafür müssen «Ausbildner, Fachdienstverantwortliche, Schiessleiter und Fliegerleitoffiziere ausgebildet» werden, präzisiert die Botschaft. Und wie zufällig bieten die Schweden im Zusammenarbeitsvertrag «Trainings eines Verbandes von bis zu acht Flugzeugen» an.

Ob die neue Bomber-Fähigkeit nötig sei, und was sie bei der Gripen-Beschaffung extra koste, hat die zuständige Kommission SiK nie vertieft abgeklärt und diskutiert. Es ist jedoch von mehreren hundert Millionen Franken auszugehen. Das VBS teilt auf Anfrage mit, es seien «weniger als 5 %» der Beschaffungskosten. Das wären dann gut 150 Millionen. Heute will der Gripen E auf der Axalp im Berner Oberland im scharfen Schuss vorführen, wie präzise er Bomben abwerfen kann.