Suchtverhalten
Abstinente Jugendliche: Deshalb kiffen sie trotzdem

Jugendlich rauchen und trinken heute deutlich weniger als noch vor ein paar Jahren. Keinen echten Rückgang gibt es aber beim Kiffen. Den Grund dafür vermutet die Stiftung «Sucht Schweiz» in der verfehlten Cannabis-Politik.

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Die Zahl der Jugendlichen, die Cannabis konsumieren, ist beinahe unverändert.

Die Zahl der Jugendlichen, die Cannabis konsumieren, ist beinahe unverändert.

Keystone

Die Zahlen sind grundsätzlich erfreulich: Jugendliche im Alter zwischen 10 und 15 Jahren konsumieren heute weniger Alkohol und Tabak als noch 2010. Die Schülerstudie von Sucht Schweiz weist sogar die tiefsten Werte seit 1986 auf.

Anders sieht es beim Kiffen aus. Dort ging der Konsum nur unmerklich zurück. Knapp 15 Prozent der befragten 15-jährigen Jungen und Mädchen gaben an, im Monat vor der Befragung mindestens einmal Cannabis konsumiert zu haben. Jeder Zehnte in diesem Alter kifft regelmässig. Hinzu kommt, dass Jugendliche die regelmässig kiffen, daneben auch Alkohol und Zigaretten konsumieren.

Den Grund für den stagnierenden Rückgang bei der Zahl der jugendlichen Cannabis-Konsumenten, ortet Irene Abderhalden, Direktorin von Sucht Schweiz, in der Gesellschaft. Das Kiffen werde heute weitgehend toleriert. «Trotz Verbot ist es irgendwie normal, dass gekifft wird», so Abderhalden. Deswegen sei auch der Konsum nicht rückläufig. Sie findet: «Die heutige Verbotspolitik hat ihre Grenze erreicht.»

Für die erfolgreiche Prävention bei den legalen Suchtmitteln Alkohol und Tabak braucht es eine Mischung der richtigen Massnahmen, findet Roy Salveter vom Bundesamt für Gesundheit BAG. «Hohe Preise haben gerade bei Jugendlichen die grösste Wirkung», so der Leiter Nationale Präventionsprogramme. Andererseits müssten bestehende Gesetze auch kontrolliert und eingehalten werden. Zum Beispiel in Form von Alkohol-Testkäufen. Auch Sensibilisierungsmassnahmen und Beratung seien wichtig.

Salveter ortet auch Gefahr im Online-Verhalten von Jugendlichen. «Dort gibt es langsam bedenkliche Tendenzen». Die meisten 15-jährigen verbringen mehr als drei Stunden pro Tag am Computer, vor dem Fernseher, dem Smartphone oder der Spielkonsole.

Gleichtzeitig wird aber auch vermutet, dass dies mit ein Grund ist, weshalb Jugendliche heute mehr Zeit zu Hause verbringen und weniger in direkten Kontakt mit anderen Suchtmitteln kommen. (cze)