Schulfeier

Abschlussfeier an der Sek Aesch abgesagt, weil Schüler Grenze überschritten haben

fertig lustig An der Sekundarschule Aesch griff die Schulleitung zum härtesten Mittel: Sie sagte die Abschlussfeier 2009 ab. juri junkov

Sek Aesch

fertig lustig An der Sekundarschule Aesch griff die Schulleitung zum härtesten Mittel: Sie sagte die Abschlussfeier 2009 ab. juri junkov

Kurzfristig sagte die Schulleitung der Sekundarschule Aesch die geplante Abschlussfeier ab, weil Schüler der Abschlussklassen überbordeten. Das Ganze ist in seiner Art im Kanton einmalig.

Im Leben eines jeden Schülers ist der Schulabschluss ein Meilenstein. Deshalb wird er auch gefeiert, gemischt mit viel Übermut. So auch an der Sekundarschule in Aesch. Doch diesen Sommer schien es unter gewissen Schulabgängern kaum mehr Grenzen zu geben und ihr Treiben nahm ein Ausmass an, das die Schulleitung nicht mehr tolerieren konnte. In der Folge sagte sie, in Absprache mit den Klassenlehrern der Abschlussklassen, die traditionelle Abschlussfeier kurzfristig ab.


Schulleiter Pierre Martin erklärt, dass es Tradition sei, dass die 4. Klassen mit ihren Klassenlehrern am Donnerstag ein Morgenessen einnehmen würden. «Danach gibt es zum Abschied zwischen 10 und 11 Uhr eine Polonaise durchs Haus.» Seit einigen Jahren aber hätten Abschlussschüler in der Pause begonnen, die Jüngeren mit Wasserballonen, Rasierschaum und ähnlichem zu schikanieren. «Das hatten wir aber immer im Griff. In diesem Jahr eskalierte aber die Situation.» Frühere Schulabgänger sorgten für Materialnachschub, zudem wurde eine Sitzbank weg- und ein Dekorationsbaum heruntergerissen. Ebenso hätten Abschlussschüler ihren Jahrgang an die Türe der Schulleitung geschmiert.


Damit war das Mass des Zuträglichen überschritten. Die drei Personen umfassende Schulleitung entschied gemeinsam mit den Klassenlehrern der Abschlussklassen, die traditionelle Abschlussfeier abzusagen. «Wir können am Abend doch nicht so tun, als sei nichts geschehen und alles sei gut», erklärt Pierre Martin. Der Entscheid sei ihnen nicht leicht gefallen und man habe lange abgewogen. «Wir mussten aber ein Zeichen setzen, um eine weitere Eskalation zu verhindern.» Nach den Sommerferien würden die Vorfälle weiter behandelt, auch mit den Schülern. «Wir hoffen, dass mit unserem Entscheid die Tendenz sich beim Jahresabschluss zu überbieten gebrochen ist und die guten Traditionen sich durchsetzen.»


Grösseres Aggressionspotenzial


Nach dem Bekanntwerden des Entscheids habe es Anrufe enttäuschter Angehöriger gegeben. Martin versteht ihren Ärger. Es habe viele erboste Kommentare gegeben, bei den späteren E-Mails hätten die Autoren auch Verständnis geäussert. Zu den Hintergründen der Eskalation kann Pierre Martin keine schlüssigen Angaben machen. «In gewissen Klassen stellten wir ein grösseres Aggressionspotenzial fest.» Das reicht aber nicht als Erklärung. Die Herkunft der Schüler spiele keine Rolle, vorab aber seien Schüler der E-Klassen beteiligt gewesen.


Überrascht von den Vorfällen ist man beim Baselbieter Amt für Volksschule. «Für mich ist es ein Einzelfall», erklärt Leiter Gottfried Hodel. «Ich bedaure, dass mit der Massnahme auch solche Schüler bestraft wurden, die nichts dafür können.» Hodel ist überzeugt, dass die Schulleitung sorgfältig abgewogen und entschieden habe. Man werde die Thematik bei den normalen Kontakten mit den Schulleitungen ansprechen. Auch der langjährige Mitarbeiter und Leiter Unterstützung beim Amt für Volksschulen, Jürg Müller, kennt keine ähnlich gelagerten Auswüchse im Kanton. Es gebe wohl auch in anderen Schulen ähnliche Situationen, die aber offensichtlich gemeistert werden konnten.

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