Urs Hofmann
Abrupter Einstieg ins neue Amt

Als Urs Hofmann am 1. April als Regierungsrat startete, gab es keine Schonzeit. Das Tötungsdelikt an Lucie Trezzini erforderte sofort seine volle Aufmerksamkeit.

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Urs Hofmann

Urs Hofmann

Aargauer Zeitung

Mathias Küng

Zur 100-Tage-Zwischenbilanz lud der neue Vorsteher des aargauischen Departements Volkswirtschaft und Inneres (DVI), Urs Hofmann, die Medienschaffenden ins Telliquartier in Aarau - in die Autowerkstatt der «Autonauten». Hier läuft ein Projekt zur beruflichen und sozialen Integration von 16- bis 20-jährigen, fremdsprachigen Jugendlichen. Sie bringen hier alte Fahrzeuge auf Vordermann. Hierher lud Hofmann, um zu zeigen, wie wichtig ihm die Verhinderung von Jugendarbeitslosigkeit und die Integration von ausländischen Jugendlichen sind.

Abrupter Einstieg im April

Der Einstieg am 1. April ins Wunschdepartement war abrupt. Unmittelbar davor geschah das Tötungsdelikt an Lucie Trezzini. Das hat Hofmann in den ersten 100 Tagen stark beschäftigt. Als Sofortmassnahme wurde ein Pikettdienst eingerichtet, damit eine bedingt entlassene Person, die eine Gefahr für andere darstellt, vor Ablauf des Polizeigewahrsams von 24 Stunden in Sicherheitshaft genommen werden kann.

Der Rollenwechsel ins hohe Regierungsamt war eine Herausforderung, Hofmanns Arbeitsalltag hat sich grundlegend verändert. Die Zusammenarbeit in der Regierung habe sich «bis heute als ausgesprochen gut erwiesen». Man führe «angeregte, oft kontroverse und harte Diskussionen». Gleichwohl sei es gelungen, «in einer fairen Art und einer sachlichen Atmosphäre konstruktive Lösungen zu erarbeiten». Seine Arbeit erachtet Hofmann als ausgesprochen faszinierend.

«Intensität der Delinquenz erschreckt»

Im Folgenden gab Hofmann einen Einblick in fünf seiner thematischen Werkstätten, etwa zur Bekämpfung der Jugendgewalt. Hofmann: «Die Brutalisierung bei Gewalttaten und die Intensität der Delinquenz von einzelnen Jugendlichen erschrecken und beunruhigen mich.» Hofmann steht ein für eine konsequente polizeiliche Intervention und Strafverfolgung. Daneben brauche es aber auch präventive Massnahmen. Und: «Die Betreuung der Opfer von Gewalttaten hat hohe Priorität.»

Mehr Polizeipräsenz an «hot spots»

Hofmann hat die Kantonspolizei angewiesen, an neuralgischen Punkten, an «hot spots» wie Bahnhöfen und Innenstädten, ihre Präsenz zu verstärken und vermehrt Kontrollen durchzuführen. Für ihn stellt sich angesichts von Gewaltdelikten wie in Suhr und eben erst in München auch die Frage der ausreichenden Information von Vormundschafts- und Schulbehörden im Rahmen von Jugendstrafverfahren.

Weil hier die Rechtslage unklar sei und um «die Notwendigkeit allfälliger zusätzlicher gesetzlicher Grundlagen» abklären zu lassen, hat er ein externes Rechtsgutachten in Auftrag gegeben. Eine interdepartementale Arbeitsgruppe hat den Auftrag, Vorschläge für eine bessere Vernetzung der Akteure zu erarbeiten. In einer zweiten Phase ist bis nächsten Frühling ein Konzept für eine kantonale Gewaltinterventionsstelle vorzulegen.

Hofmann sieht sich mit vielen Themen konfrontiert: Intensiv beschäftigen ihn Massnahmen gegen die steigende Arbeitslosigkeit, die Verbesserung des Risikomanagements im Straf- und Massnahmenvollzug sowie die Umsetzung der neuen eidgenössischen Straf- und Zivilprozessordnung. Sodann steht im Herbst die Abstimmung zum ersten Paket der Gemeindereform Gerag an. Er sei kein Fusionsturbo, unterstütze jedoch die geplanten Änderungen im Gemeinderecht aus Überzeugung. Für die Gemeinden werde damit «eine gute Basis für die Gestaltung ihrer Zukunft geschaffen».

Übrigens: Wer mehr über Urs Hofmanns erste 100 Tage erfahren will, hat dazu heute Abend in Aarau ab 18.30 Uhr Gelegenheit: im ersten «Café Cantonal». Bei schönem Wetter im Park hinter, bei schlechtem Wetter im Grossratsgebäude.

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