Hitzewelle
Abkühlung, aber kaum Gewitter – im Ausland gabs Tornados und einen Toten

Nach den Höchsttemperaturen am Dienstag brachten Gewitter in der Nacht vielerorts die ersehnte Abkühlung. Grössere Schäden blieben aus. Heute regnet es noch in der Ostschweiz. Doch schon morgen ist die Sonne zurück.

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Wetterumschwung am Pilatus.

Wetterumschwung am Pilatus.

Keystone

Ein Unwetter ist in der Nacht auf Mittwoch über Teile des Kantons Bern und von da über die Schweiz hinweggezogen, hat aber kaum Schäden hinterlassen. Bei der Polizei gingen "keine besonderen Meldungen" ein, wie eine Sprecherin auf Anfrage sagte.

Schäden und ein Toter durch Gewitter und Stürme in Mitteleuropa

Wirbelstürme und Gewitter haben in weiten Regionen Deutschlands, Polens und Tschechiens schwere Schäden angerichtet und auch ein Todesopfer gefordert. Kaputte Dächer, umgestürzte Bäume und vollgelaufene Keller wurden vor allem im Osten gemeldet.

Mehrere Menschen wurden in Deutschland verletzt. Besonders hart traf es das Dorf Framersheim in Rheinland-Pfalz, wo am Dienstagabend ein Tornado wütete. Der Schaden wurde am Mittwoch auf mindestens fünf Millionen Euro geschätzt. An die 100 Häuser seien beschädigt worden, sagte der Bürgermeister am Morgen der Nachrichtenagentur dpa.

Zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage hatten schwere Gewitter vielerorts in Deutschland die Hitze abrupt beendet. In Hessen richtete ein Blitzeinschlag der Polizei zufolge in einem Wohnhaus 150'000 Euro Schaden an. Ebenso hoch war der Schaden in Niedersachsen, wo ein Feuer den Dachstuhl eines Hauses zerstörte.

In Niederbayern zählte die Polizei in der Nacht auf Mittwoch 120 Notrufe, 68 Mal rückten Einsatzkräfte aus. Bäume seien umgefallen und hätten Strassen und Schienen blockiert.

In Sachsen-Anhalt brachte der Sturm drei Hochspannungsmasten zu Fall - 1800 Haushalte waren zeitweise ohne Strom. Im Sturm kippte ein Wohnwagen um, dabei wurde ein Mensch schwer und ein weiterer leicht verletzt.

Auch in Tschechien und Polen wüteten Unwetter. Ein Mann kam im Südwesten Polens ums Leben, als ein Baum auf sein Auto stürzte, wie der Rettungsdienst am Mittwoch mitteilte. Die Feuerwehr musste in der Region fast 500 Mal ausrücken, um umgestürzte Bäume zu entfernen und vollgelaufene Keller auszupumpen. (sda)

Das Unwetter der Stufe Rot hatte seinen Schwerpunkt kurz nach Mitternacht in Allmendingen bei Bern und zog dann mit 83 km/h via Emmental ins Luzerner Hinterland, wie Meteocentrale Schweiz berichtete. Vereinzelt wurde auch Hagel und Sturm gemeldet.

Heute Mittwoch meldet der Wetterdienst noch Regen für die Ost- und Zentralschweiz und Graubünden. Im Rest der Schweiz bleibt es mit Ausnahme der Kantone Waadt und Neuenburg sowie in der Region um Lugano bewölkt.

Wetterprognose für Mittwoch 14 Uhr

Wetterprognose für Mittwoch 14 Uhr

Screenshot SRF

Doch schon gegen Abend drückt die Sonne durch und in grossen Teilen des Landes ist es wieder wolkenfrei. Die Tempereaturen in der Deutschschweiz bleiben bei angenehmen 22 Grad. Am Donnerstag erwartet uns grossmehrheitlich wieder eitel Sonnenschein.

Prognose Donnerstag 14 Uhr

Prognose Donnerstag 14 Uhr

Screenshot SRF

39,7 Grad in Genf

Der Hitzerekord von 39,7 Grad in Genf wurde um etwa 16 Uhr gemessen. Der bisherige Rekord in Genf datierte vom 28. Juli 1921 mit 38,9 Grad, wie ein Meteorologe von MeteoSchweiz der Nachrichtenagentur sda sagte. In Delsberg im Jura wurde im Juli 1983 mit 38,8 Grad der nächstfolgende Höchstwert auf der Alpennordseite verzeichnet.

Der absolute Temperaturrekord in der Schweiz in Grono in Südbünden bleibt vorerst unerreicht. Am 11. August 2003 waren dort 41,5 Grad Hitze gemessen worden.

Bemerkenswert ist laut SRF Meteo, dass die älteren Höchstwerte jeweils noch in Wetterhütten gemessen wurden. Bei Hitzewellen liegen die dort gemessenen Temperaturen 1 bis 1,5 Grad höher als bei Messungen mit modernen Messfühlern. Der höchste Wert mit modernen Fühlern stammt laut dem SRF-Wetterdienst vom 13. August 2003 in Basel mit 38,6 Grad.

Baden im Genfersee.
8 Bilder
Abtauchen im Lago Maggiore.
Tausende waren am Wochenende auf den Schweizer Flüssen mit Gummibooten unterwegs.
Rumfläzen auf der Luftmatratze.
Auch böse Buben haben heiss: Schwinger Joel Wicki verschaft sich am Innerschweizer Schwing- und Älplerfest Abkühlung.
Auch am Thunersee hiess es: Liegen lang!
Malerisch: Die Stockhornkette spiegelt sich im Übeschisee.

Baden im Genfersee.

Keystone

Zahlreiche Rekorde in der Westschweiz

Auch an anderen Westschweizer Messstationen und sogar an zwei Deutschschweizer Stationen gab es die höchsten je gemessenen Temperaturen. In Bern wurde mit 36,8 Grad ein neuer Höchstwert gemessen. Der bisherige Rekord stammte vom 13. August 2003 mit 36,7 Grad. Der Rekordwert der Aare in Bern - 23,5 Grad im Jahr 2003 - bleibt vorderhand bestehen: Zum Abschluss der Hitzewelle war das Wasser bis 22,8 Grad warm. Auch in Wynau BE bedeuteten die 37,2 Grad einen Temperaturrekord.

Rekorde gab es auch in Changins bei Nyon VD mit 38,0 Grad, in Neuenburg mit 37,8 Grad, in Freiburg mit 36,6 Grad und in Payerne VD mit 37,9 Grad. In Sitten wurde der bisherige Rekord aus dem Hitzejahr 2003 mit 37,8 Grad egalisiert. Bemerkenswert auch der Rekord von La Frétaz im Jura: Auf 1200 Metern über Meer kletterte die Quecksilbersäule dort auf einen Wert von 29,9 Grad.

SRF Meteo warnt vor Gewittern mit Unwettergefahr.

SRF Meteo warnt vor Gewittern mit Unwettergefahr.

Screenshot SRF

Nächtlicher Rekord in Lugano

In der Deutschschweiz war es am Dienstag verbreitet zwischen 34 und 36 Grad, aber weitere Höchstwerte gab es nicht. Einen Rekord der anderen Art stellte Lugano auf: Dort wurde in der Nacht auf Dienstag ein Tiefstwert von 25,4 Grad gemessen. Damit handelte es sich um die wärmste Nacht seit Messbeginn.

Am späteren Nachmittag setzten im Jura und den Westschweizer Alpen erste Gewitter ein und bereiteten der Hitzewelle ein vorläufiges Ende. Mit sieben sogenannten Hitzetagen von über 30 Grad handelte es sich um eine der extremsten Hitzeperioden, wohl vergleichbar mit jener des Sommers 2003, wie ein Meteorologe weiter sagte.

Auf der Alpensüdseite wird die Hitzewelle vorerst noch weitergehen. Auf der Alpennordseite dagegen wird es ab Freitag zwar wieder über 25 Grad warm, Hitzetage mit 30 Grad und mehr dürfte es dort aber vorerst nur noch vereinzelt geben.

Für die Nacht auf Mittwoch wurden im Vorfeld der Kaltfront, die von Westen nach Osten über die Schweiz ziehen wird, teilweise heftige Gewitter auch mit Sturmböen und teilweise Hagel erwartet. Das Landschaftstheater Ballenberg verschob die erste Aufführung von "Ueli der Knecht" aus Sicherheitsgründen von Dienstag- auf Mittwochabend. Die Veranstalter wollten wegen der erwarteten heftigen Gewitter nichts riskieren. (rhe/cze/sda)