Muttertierhaltung

Abgeschossene Kuh war eine Wiederholungstäterin

Kuh auf Wanderweg Blausee Bettmeralp

Auf einer Alp bei Davos musste eine aggressive Kuh erschossen werden (Symbolbild)

Kuh auf Wanderweg Blausee Bettmeralp

Nach Attacken auf Alpweide in Davos greift Bündner Polizei durch. Denn die besagte Kuh fiel nicht zum ersten Mal negativ auf. Das Tier hatte sich schon früher auffällig verhalten.

Es war ein ungewöhnlicher Einsatz, den die Bündner Wildhut am Samstag ob Davos auszuführen hatte. Im Fadenkreuz: eine Mutterkuh. Denn der jüngste Angriff auf einen Wanderer auf dem Weg zwischen dem Rinerhorn und Davos Monstein war einer zu viel. War doch das fragliche Tier nicht zum ersten Mal negativ aufgefallen. Daniel Zinsli, Mediensprecher der Kantonspolizei Graubünden, bestätigte gestern, dass sich besagte Kuh auf der Alp Monstein schon früher auffällig verhalten hatte.

Entsprechend war geplant, die Kuh von der Alp zu nehmen. Dazu wurde die Herde vom Hirten und weiterem Alppersonal talwärts getrieben. Dabei rissen jedoch zwei Kühe und zwei ältere Kälber aus. Und eine der Kühe griff darauf einen Wanderer an, dem allerdings die Flucht gelang. Dessen Frau meldete sich darauf laut Zinsli bei der Polizei. Und die Wildhut wurde aufgeboten.

Dass für den Abschuss der Kuh ein Wildhüter nötig war, hat einen simplen Grund: Es musste eine Jagdwaffe her, um das aggressive Tier zu erlegen. Mit einer normalen Polizeiwaffe hätte man das Tier laut Daniel Zinsli nicht erlegen können.

1 von 100 000 gesömmerten Tieren

Dass sich die Bündner Jagdaufseher mit Nutzvieh beschäftigen, kommt aber nicht nur bei Zwischenfällen mit Mutterkühen vor. «Die Wildhut wird auch beigezogen, wenn ein Schlachttier vor der Metzgerei ausbricht und beispielsweise in einem Wohngebiet unterwegs ist», so der kantonale Jagdinspektor Georg Brosi.

Laut Brosi haben die Einsätze der Wildhüter wegen Vorfällen mit Alpvieh in jüngerer Vergangenheit jedoch zugenommen. Es seien aber nach wie vor wenige Fälle. Wenn auch meist aufsehenerregende.

Auch der Präsident des Bündner Bauernverbands spricht von wenigen Vorfällen mit auffälligem Alpvieh: «Man darf nicht vergessen, dass in Graubünden jeden Sommer weit über 100 000 Stück Rindvieh gesömmert werden», kommentiert Thomas Roffler. «Gemessen an dieser Zahl, sind Zwischenfälle die absolute Ausnahme.»

Trotzdem hätten der Bauernverband und die Bündner Wanderwege (BAW) an der Alpmeistertagung alle Alpfunktionäre über das Konfliktpotenzial informiert. «Zu den Richtlinien gehört, dass Tiere, die sich auffällig verhalten, von der Herde separiert werden», so Rofler. Gleiches gilt für die Geburtsphase, wo Kuh und Kalb Stress erspart werden soll. Im Zweifelsfall, so Roffler, müsse ein auffälliges Tier von der Alp zurück zum Besitzer verlegt werden.

BAW-Präsident und Landwirt Walter Grass appelliert in diesem Zusammenhang an die Vernunft der Tierbesitzer. «Tiere, die sich Menschen gegenüber auffällig oder sogar aggressiv verhalten, gehören nicht auf die Alp», sagte er gestern. Wichtig sei auch, dass die Tierhalter sich regelmässig mit ihrem Vieh abgeben würden. (nch)

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