Abgang
Bundesamt für Gesundheit: Digitalisierungs-Chef Kim geht schon wieder

Als die Coronapandemie kam, wurde klar, wie sehr die Schweiz bei der Digitalisierung nachhinkt. Faxgeräte wurden verwendet, um Testresultate zu übermitteln. Dann sollte Sang-Il Kim in dem Bereich aufräumen. Doch nun verlässt der Digitalisierungschef das Bundesamt schon wieder.

Lucien Fluri und Doris Kleck
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Sang-Il Kim an einer Pressekonferenz des Bundes.

Sang-Il Kim an einer Pressekonferenz des Bundes.

Anthony Anex / KEYSTONE

Sein Posten wurde auch schon als «undankbarster Job» der Schweiz bezeichnet. Und tatsächlich hatte Sang-Il Kim eine denkbar schwierige Aufgabe: Mitten in der ersten Pandemiewelle stiess er als neuer – und erster - Leiter der Abteilung digitale Transformation zum Bundesamt für Gesundheit. Damals, als offensichtlich wurde, wie sehr das Schweizer Gesundheitswesen bei der Digitalisierung hinterherhinkt. Als Corona-Testresultate per Fax nach Bern übermittelt wurden.

Jetzt will Sang-Il Kim das Bundesamt bereits wieder verlassen. Das BAG bestätigt entsprechende Informationen von CH Media. «Die Stellen für die Leitungen der Abteilungen Digitale Transformation und Steuerung werden ausgeschrieben.» Sang-Il Kim sei noch bis Ende 2021 beim BAG tätig. «Dann wird er das Amt auf eigenen Wunsch verlassen.» Auf der Homepage des BAG ist Sang-Il Kim gar nicht mehr als Leiter der Abteilung gelistet. Bereits seit Anfang August wird die Abteilung von einer externen Person auf Mandatsbasis geleitet.

«Das Bundesamt musste riesige Altschulden nachholen»

Die Coronapandemie forderte von den Angestellten des Bundesamtes für Gesundheit bereits einen riesigen Einsatz. Die Digitalisierungsabteilung aber stand nochmals stärker im Fokus als der Rest des Amtes. Dass noch immer Faxgeräte verwendet werden, sorgte für Spott inmitten der Pandemie. «Ich erlebte die Digitalisierungs-Probleme im Gesundheitswesen aus erster Hand», sagte der Digital-Fachmann einmal.

Sang-Il Kim, der etwa auch mit der Swiss Covid App befasst war, war zwischenzeitlich auch wegen eines Burnouts krankgeschrieben. Der Druck auf ihn sei enorm gewesen, sagte ein Gesundheitspolitiker gegenüber dem Portal watson.ch. «Das Bundesamt musste riesige Altschulden in der Informatik nachholen, ohne dass entsprechende Entscheidungskompetenzen oder Mittel zentral gesprochen waren.»

Der Start war mitten in der Coronawelle

Am 1. April 2020 war der damals 54-jährige Sang-Il Kim ins Amt gestartet, mitten in der ersten Corona-Welle. Als er sich beworben hatte, war die Umsetzung des elektronischen Patientendossiers zuoberst auf der Traktandenliste. Die Pandemie war noch nicht absehbar. Er wisse aber, worauf er sich eingelassen habe, sagte er kurz nach seinem Start gegenüber dem «Tages-Anzeiger».

Sang-Il Kim gilt als hoch qualifizierter Fachmann. Er hatte nicht nur ein Medizinstudium abgeschlossen, sondern auch in Hamburg eine weitere Ausbildung in Informatik absolviert. Er habe aber noch nie erlebt, dass so schnell Projekte umgesetzt würden. In wenigen Monaten geschehe, was sonst Jahre benötige, sagte Sang-Il Kim gegenüber den Medien.

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