Rothenfluh
Abfallgeschichte mit offenem Ausgang

Bei der Deponie in Rothenfluh reden seit Jahren alle mit: Behörden, Naturschützer, Bauern, Velofahrer, Planer – im Juni wird entschieden. Ob die Deponie je gebaut wird, zeigt sich an der nächsten Gemeindeversammlung.

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Rothenfluh

Rothenfluh

bz Basellandschaftliche Zeitung

Karin Oetterli Portmann

Manchmal liest sich ein politischer Prozess wie ein Thriller mit vielen Akteuren. Auch die mittlerweile neunjährige Planungsgeschichte der Inertstoffdeponie in Rothenfluh bietet abendfüllenden Stoff. Und einen Höhepunkt im Juni: Dann wird die Gemeindeversammlung über eine Zonenplanänderung abstimmen. Ein Ja bedeutet grünes Licht, ein Nein wäre der Todesstoss für das Deponie-Projekt (die bz berichtete). Letzteres würde bedeuten, dass die Planungsarbeit der vergangenen Jahre umsonst gewesen wäre und der Kanton wieder auf Feld eins beginnen müsste mit der Suche nach einem Standort im Raum Gelterkinden.

Umstrittene Wahl des Standortes

Dass es im Oberbaselbiet eine weitere Deponie für Aushub und Bauschutt braucht, ist weitgehend unbestritten. Dass sie aber zwischen Asphof und Humbelsrain auf Kulturland zu liegen kommen soll, hat zu Kontroversen geführt. Urs Chrétien, Geschäftsführer von Pro Natura Baselland, begrüsst die Standortwahl: «Aus Sicht des Naturschutzes erachten wir es als sinnvoller, rekultivierbares Landwirtschaftsland aufzuschütten anstatt ein lauschiges Tälchen im Wald.»

Nicht glücklich hingegen ist Familie Waldmeier Schneider, die den Humbelsrain betreibt. Nach anfänglich breiterem Widerstand aus Landwirtschaftskreisen wehrt sich heute nur noch dieser Hof gegen die Deponiepläne. Edgar Waldmeier erklärt seine Haltung: «Wir verlieren fast 3 Hektaren unseres schönsten Landes. Warum kann man den Bauschutt nicht einfach in einem ‹Chrachen› deponieren? Davon hat es hier doch genug.»

Neun Jahre lang geplant

Im Jahr 2000 wurden in einer Vernehmlassung erstmals die Gemeinden Hemmiken, Ormalingen und Rothenfluh als mögliche Standorte für eine neue Inertstoffdeponie erwähnt. Hemmiken und Ormalingen zeigten sich einem solchen Projekt gegenüber nicht offen, Rothenfluh signalisierte Bereitschaft zu Verhandlungen. Trotz Widerständen von verschiedener Seite anerkannte der Landrat das Gebiet rund um den Asphof als geeignet und hiess im Jahr 2003 die Deponie in Rothenfluh gut.
Es folgte, unter Einbezug aller Interessensvertreter, eine neunjährige Planungsphase, die im kommenden Juni mit der Abstimmung über eine Zonenplanänderung abgeschlossen wird. Bei Annahme dieser Änderung wird es nochmals rund zwei Jahre dauern, bis Inertstoffe in die Deponie transportiert werden. (oet)

Nachher wieder Kulturland

Arthur Rohrbach, Leiter Fachstelle Siedlungsabfall beim Amt für Umweltschutz und Energie, ist anderer Ansicht. Man habe damals zahlreiche Varianten in der Region Gelterkinden geprüft. Da aber die möglichen Waldstandorte alle eher steil und rutschig sind, sei der Entscheid schliesslich zugunsten eines Standortes auf Kulturland ausgefallen. Dieses werde nach der Auffüllung sorgfältig mit Boden neu aufgebaut und der Landwirtschaft, respektive der Natur zurückgegeben.

Verschiedene Personen äussern Ängste, die von Erfahrungen mit Sondermülldeponien wie Kölliken herrühren. Rohrbach versichert, dass in der Deponie Rothenfluh keine organischen Stoffe abgeladen würden. Er erklärt die neue Philosophie in der Abfallentsorgung: «Die kommenden Generationen sollen von uns nur noch schwach belastete Standorte und keine Hypotheken mehr übernehmen müssen.» Das Tiefbauunternehmen, das die Deponie betreiben wird, ist auch nach deren Ende finanziell haftbar. Es liege in ihrem Interesse, das angelieferte Material streng zu überwachen.

Kanton muss Deponien bereitstellen

Neben der geplanten Deponie verfügt die Region über vier weitere Standorte. Die Deponien Bruggtal in Bennwil, Chueftel in Lausen und der eben erst erweiterte Strickrain in Sissach sind in Betrieb; die Höli in Liestal wird nächstes Jahr eröffnet. Es sei Aufgabe des Kantons, Platz für die Entsorgung von Inertstoffen zur Verfügung zu stellen, und mit Rothenfluh wäre auf absehbare Zeit auch das oberste Baselbiet gut bedient, meint Arthur Rohrbach. Dank dieser dezentralen Lösungen blieben die Transportwege kurz.

So oder so ist das Ende der Geschichte «Deponie Rothenfluh» noch offen. Das bestätigt auch der für das Geschäft zuständige Gemeinderat Martin Erny. Und Familie Waldmeier Schneider vom Humbelsrain wird ihr Land nicht einfach hergeben: «Wir sind sicher, dass jeder Landwirt in derselben Situation so entscheiden würde, zumal es sich bei unserem Hof um einen Bio-Betrieb handelt.»