Aargau
Ab heute ist sie die höchste Aargauerin

Heute wird die Grüne Fricktaler Grossrätin Patricia Schreiber-Rebmann Aargauer Grossratspräsidentin. Gleichstellungsfragen und Umweltthemen liegen ihr besonders am Herzen. Persönliche Angriffe am Grossrätlichen Rednerpult toleriert sie nicht.

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Patricia Schreiber-Rebmann

Patricia Schreiber-Rebmann

Mathias Küng

Bei den Grossratswahlen 2009 waren die Grünen im Aargau mandatsmässig die grossen Gewinner. Sie konnten ihre Grossratsdelegation auch dank neuem Wahlverfahren mit plus sechs Sitzen fast verdoppeln. Und mit Susanne Hochuli eroberten sie im Aargau erstmals einen Regierungssitz auf kantonaler Ebene.

Das spricht für die zunehmende Wahrnehmung der Grünen in der Wählerschaft nicht mehr nur als Einthemenbewegung, sondern als Partei, der man Lösungen und die Arbeit in Kollegialbehörden zutraut. Eine ganz besondere Akzeptanz erfuhr bei den Grossratswahlen die grüne Grossrätin Patricia Schreiber-Rebmann aus Wegenstetten (Bezirk Rheinfelden). Sie erhielt viermal so viel Stimmen wie der Zweitplatzierte auf der grünen Liste im Bezirk Rheinfelden. Noch spezieller ist, dass mehr als zwei Drittel ihrer 2011 Stimmen von Anhängern anderer Parteien oder von Parteiungebundenen stammten. Dies belegt, wie breit akzeptiert die immer noch jüngste Grossrätin aus dem Bezirk Rheinfelden ist. Das hat gewiss mit ihrer unaufgeregten, umgänglichen und zielorientierten Art des Politisierens zu tun. Nicht verwunderlich also, dass gerade sie - als bisherige erste Vizepräsidentin - heute zur ersten grünen Aargauer Grossratspräsidentin gewählt werden soll.

Zur Person

Patricia Schreiber-Rebmann (1970), grüne Grossrätin seit 1999. Kaufmännische Angestellte, Weiterbildung zur Natur- und Umweltfachfrau. Verheiratet, ein zwei- und ein vierjähriges Mädchen; Fiona und Michelle. Vor der Wahl zur 2. Vizepräsidentin Mitglied der Kommission für Aufgabenplanung und Finanzen. Hobbies: Volleyball, Walken, Tanzen. (MZ)

Wie kam sie selbst zur Politik? Patricia Schreiber-Rebmann hatte kein eigentliches Schlüsselerlebnis. In ihrer Ausbildung auf der Gemeindekanzlei in Möhlin kam sie in Kontakt mit politischen Themen sowie mit Politikerinnen und Politikern. Später, im Sicherheitsinspektorat im Nachbarkanton Baselland, bearbeitete sie politische Vorstösse. Angesichts gewichtiger Themen wie der Störfallverordnung wuchs ihr Interesse, solche Themen selbst aus politischer Warte anzugehen. Das Grundinteresse für Umweltthemen war längst da. «Seit je» ist sie Mitglied von Greenpeace, WWF und Pro Natura. Warum ging sie zu den Grünen und nicht etwa zur SP? Für Patricia Schreiber politisieren die Grünen konsequenter. «Sie gewichten die Ökologie höher als die Ökonomie. Das ist richtig so», sagt sie. Um kantonal mitgestalten zu können, kandidierte sie 1997 als 27-Jährige für den Grossen Rat, wurde erster Ersatz und rutschte 1999 nach.

Zu grosse Ziele hat sie sich nie gesetzt. Im Grossen Rat will sie weiter beharrlich mithelfen, der Natur und der Umwelt eine Stimme zu geben - nach dem Motto «Steter Tropfen höhlt den Stein». Tatsächlich hat sich aus grüner Sicht viel getan. 1997 lag der Wähleranteil bei 3,5, heute bei knapp 9 Prozent. Noch vor 6 Jahren waren Energievorstösse der Grünen chancenlos, erinnert sich Patricia Schreiber. Heute sei die Debatte über die Förderung der erneuerbaren Energien selbstverständlich: «Für dieses Umdenken haben die Grünen den Anstoss gegeben.»

Auch als Ratspräsidentin steckt sie sich erreichbare Ziele. Hauptziel sei ein reibungsloser Sitzungsablauf. Das Verhältnis zwischen Regierung und Parlament erachtet sie als gut. Sie will es so beibehalten. Ein Grundmisstrauen gegenüber der Verwaltung hat sie aus ihrer eigenen Erfahrung in einer kantonalen Verwaltung nicht.

Als Präsidentin wird die Fricktalerin für ein Jahr höchste Aargauerin. Sie glaubt nicht, dass sie in dieser Position viel bewegen kann. Steuern kann sie aber bei der Auswahl der Veranstaltungen, zu denen sie eingeladen wird - und natürlich mit dem Inhalt ihrer Grussbotschaften. Und eins macht sie deutlich: Wenn jemand im Rat am Rednerpult persönliche Angriffe reitet, wird sie eingreifen und zur Rückkehr auf die sachliche Ebene auffordern. Und schliesslich ist ihr Ziel offenkundig nicht, möglichst viele Debatten in die Kommissionen zu verlagern und möglichst viele Grossratssitzungen zu sparen. Das Parlament ist zum Debattieren da. Einen Wunsch hat sie aber: Dass im Rat mehr fokussiert und wirklich debattiert wird, dass weniger ab Blatt und mehr frei gesprochen wird und dass man argumentativ mehr aufeinander eingeht. Dann, so ist sie überzeugt, bekäme das Parlament eine höhere Aufmerksamkeit. Wir werden es erleben.

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