Tessin
Ab heute gilt das Burka-Verbot – aber kaum ein Polizist spricht Englisch, geschweige denn Arabisch

Ab heute sind Gesichtsverschleierungen im Tessin verboten. Die Tourismus-Branche verliert bereits Kunden aus dem arabischen Raum.

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Heute tritt im Tessin das Anti-Burka-Gesetz in Kraft. Eine grosse Herausforderung ist das neue Gesetz für die Gemeindepolizisten, die es umsetzen müssen. (Archivbild)

Heute tritt im Tessin das Anti-Burka-Gesetz in Kraft. Eine grosse Herausforderung ist das neue Gesetz für die Gemeindepolizisten, die es umsetzen müssen. (Archivbild)

Keystone

Heute tritt im Tessin das sogenannte Anti-Burka-Gesetz in Kraft. Konkret ist es ab heute verboten, das Gesicht zu verhüllen. Wer sich dem widersetzt, zahlt zwischen 100 und 1000 Franken Busse. Richtig teuer kann's für «Wiederholungstäterinnen» werden, sie können mit bis zu 10'000 Franken gebüsst werden.

Eine grosse Herausforderung ist das neue Gesetz für die Gemeindepolizisten, die es umsetzen müssen. Die Stadt Lugano hat 100 Polizeibeamte. 98 Prozent von ihnen sprechen kein Englisch, geschweige denn Arabisch, wie die SRF-Radiosendung HeuteMorgen berichtet. Kulturelle und sprachliche Probleme sind absehbar.

Unterschriftensammlung für Verhüllungsverbot gestartet (März 2016) Mit einer Aktion auf dem Bundeshausplatz lancierte das Egerkinger Komitee rund um den Solothurner SVP-Nationalrat Walter Wobmann die Unterschriftensammlung für ihre Initiative für ein nationales Verhüllungsverbot.
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Ein Statist zieht seine Burka ab, darunter verbirgt sich eine Sprengstoff-Atrappe-

Unterschriftensammlung für Verhüllungsverbot gestartet (März 2016) Mit einer Aktion auf dem Bundeshausplatz lancierte das Egerkinger Komitee rund um den Solothurner SVP-Nationalrat Walter Wobmann die Unterschriftensammlung für ihre Initiative für ein nationales Verhüllungsverbot.

Keystone/ALESSANDRO DELLA VALLE

Laut dem Luganeser Polizeidirektor, Michele Bertini, hat deshalb ein interkultureller Mediator das Personal geschult. Helfen soll auch ein Flyer, der den Burka-Trägerinnen auf Arabisch das Gesetz erklärt. Bertini selbst war gegen das Burka-Verbot. Er befürchtet, dass sich das Tessin damit ins eigene Bein schiesst.

Wenig Freude hat auch die Hotellerie. «Wir haben erste Stornierungen arabischer Gäste erhalten», sagt der Präsident des Hoteliervereins, Lorenzo Pianezzi, im «Giornale del Popolo». In den letzten Jahren nahm die Zahl der arabischen Gäste zu. Dies könnte sich nun abrupt ändern, wie er befürchtet. Nicht zuletzt auch, weil die saudische Botschaft in Bern seine Bürger auffordert, das neue Gesetz zu respektieren.

Eine, die bereits angekündigt hat, sich zu wehren, ist Nora Illi. Die Frauenbeauftragte des selbsternannten Islamischen Zentralrats der Schweiz will am Freitag mit ihrer Verschleierung im Tessin protestieren. (rwy)