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Aargauer Polizisten gehen auf Jugend-Patrouille

Jugendgewalt: Regierungsrat Urs Hofmann will schnell einen Massnahmenplan präsentieren. (BLZ)

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Jugendgewalt: Regierungsrat Urs Hofmann will schnell einen Massnahmenplan präsentieren. (BLZ)

Regierungsrat Urs Hofmann lanciert einen Massnahmenplan gegen Jugendgewalt. Als Erstes sollen jugendliche Randalierer zu spüren bekommen: Die Polizei legt einen Zacken zu.

Urs Moser

Regierungsrat Urs Hofmann hat diese Woche eine interdepartementale Projektgruppe eingesetzt, die einen Massnahmenplan ausarbeiten soll, wie der Kanton dem Phänomen zunehmender Jugendgewalt begegnen kann. Dies in Absprache mit den Departementen Bildung Kultur und Sport sowie Gesundheit und Soziales. Die Projektgruppe wird von Elisabeth Sintzel geleitet, Offizierin der Kantonspolizei und ehemalige Jugendanwältin. Bis Mitte 2010 soll der Bericht für einen Massnahmenplan vorliegen.

Polizei legt einen Zacken zu

Gehandelt wird aber sofort. Die Kantonspolizei hat bereits einen Aktionsplan erarbeitet. Am Dienstag wurde er von Kommandant Stephan Reinhardt am Kaderrapport präsentiert. Es werden eigentliche Jugendpatrouillen eingeführt: An einschlägigen Treffpunkten soll verstärkt Präsenz markiert werden, die Kontrollen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen an den «hot spots» werden verstärkt. Gemeint sind nicht schikanöse Polizeiaktionen. Aber es soll durchaus spürbar werden, dass die Polizei nicht nur bei augenfälligen Straftatbeständen, sondern auch bei öffentlichen Besäufnissen oder anderen Störungen der Ordnung «einen Zacken zulegt», wie Urs Hofmann sagt. Das habe auch eine präventive Wirkung.

Waches Auge auf schwere Jungs

Im Auge hat man so genannte Intensiv-Täter: Jugendliche oder junge Erwachsene, die immer wieder straf- oder zumindest auffällig werden. Die Schwelle für eine polizeiliche Intervention werde tiefer gelegt, sagt Kommandant Stephan Reinhardt. Die Jugendpatrouillen werden auch Berichte anfertigen, wenn es keine Strafanzeige gibt. Regierungsrat Hofmann spricht von einer «De-Anonymisierung» der Szene: «Es darf nicht vorkommen, dass plötzlich eine Jugendgang scheinbar aus dem Nichts auftaucht.» Die Ressourcen für die Jugendpatrouillen werden durch Umorganisationen bei den bereits bestehenden Jugend-Sachbearbeitern geschaffen. Sie sollen nicht zulasten der allgemeinen Patrouillentätigkeit gehen. Mittel- und längerfristig werde es aber mehr Personal brauchen, so Hofmann. Er gehe davon aus, das die Mittel dafür bereitgestellt werden, sonst müsste man das Gesetz ändern. Diese Zeitung berichtete gestern: Es besteht ein Rückstand auf das Ziel einer «Polizeidichte» von einem Polizist auf 700 Einwohner.

Akteure besser vernetzen

An die intensivierte Polizeipräsenz und die Berichte der Jugendpatrouillen knüpft die Arbeit der Projektgruppe unter der Leitung von Elisabeth Sintzel an. Eine zentrale Aufgabe besteht darin, eine bessere Vernetzung aller Akteure zu erreichen, die mit dem Thema Jugendgewalt beschäftigt bzw. davon betroffen sind. Für die Zusammenarbeit mit der Polizei könnte das auf ein ähnliches Modell wie bei der zentralen Anlaufstelle für häusliche Gewalt hinauslaufen: Hier meldet die Polizei seit Juli die Daten zu ihren Einsätzen, und die Stelle nimmt dann mit den Betroffenen (Täter wie Opfer) Kontakt auf und prüft, welches die richtige Stelle für eine weitere Intervention/Beratung ist. Das ist aber nur eine denkbare Variante, betont Urs Hofmann. In einer ersten Phase ist vorgesehen, den Massnahmenplan Jugendgewalt innerhalb der bestehenden Strukturen umzusetzen.

Auftrag des Parlaments

Die Regierung hatte bereits 2008 in der Stellungnahme zu einem Vorstoss der SP-Grossratsfraktion dargelegt, dass es nach ihrer Auffassung keine neue kantonale Stelle zur Bekämpfung der Jugendgewalt braucht. Man anerkannte aber einen verstärkten Bedarf zur Koordination der Präventionsbemühungen, der Vorstoss wurde vom Parlament in Postulatsform überwiesen. Die Projektgruppe verfolgt nun folgende Ziele:

- Einheitliche Prävention, Intervention und Strafverfolgung durch Kantonspolizei, Kommunalpolizeien und Jugendanwaltschaft;

- Verbesserung der Vernetzung von Opfern, Gewaltausübenden, Familienangehörigen, Behörden und weiteren Beteiligten;

- Verstärkung der Gewaltprävention bei der Integration von ausländischen Jugendlichen;

- Verhinderung bzw. Reduktion des Konsums von gewaltverherrlichenden Computerspielen.

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