Aargau
Aargauer Lehrerin: «Eigentlich ist die Arbeit nie fertig»

Die Aargauer Lehrer sind gestresst. Das zeigt auch eine Umfrage unter Lehrern. Primarlehrerin Mirjam Senn hat bereits ein Burnout hinter sich.

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Mirjam Senn

Mirjam Senn

Aargauer Zeitung

«Lehrpersonen dürfen keine Perfektionisten sein. Das kann gefährlich werden», sagt Mirjam Senn. Die Mittelstufenlehrerin spricht aus Erfahrung. Vor einem Jahr erlitt sie ein Burnout. «Ich war damals neu in der Schule und hatte zu viel Ehrgeiz.» Zudem war sie körperlich geschwächt von einer Operation. «Ich musste dann auf die Bremse treten. Jetzt geht es wieder. Aufhören mit dem Schuldienst würde ich aber nicht», sagt sie und betritt ihr Klassenzimmer in Remetschwil.

Sofort hat sie eine Horde Viert- und Fünftklässler um sich. «Frau Senn, warum ist die Zeitung da?», fragen die Mädchen und Buben wild durcheinander. Die 37-Jährige erklärt es ihnen und sagt: «Mein Beruf ist vielseitig und kreativ. Es gefällt mir, dass man mit Menschen zu tun hat.» Doch dies sei manchmal auch belastend: «Ich bin für diese Kinder verantwortlich.»

Pflichtstunden reduzieren

Mirjam Senn ist mit einem 60-Prozent-Pensum an der Schule Remetschwil tätig - das sind 18 Lektionen pro Woche. «Damit ist die Arbeit natürlich nicht getan. Viel Zeit brauchen Besprechungen, das Vor- und Nachbereiten.» So erhöht sich ihr Pensum in der Regel auf 70 bis 80 Prozent pro Woche - dies ändert sich auch nicht in den Schulferien. «Ich schreibe mir meine Stunden auf. So habe ich nicht das Gefühl, dass ich zu wenig mache.» Denn eigentlich sei die Arbeit nie fertig: «Es geht immer noch besser.»

Sie teilt aber die Meinung des Lehrerverbandes, dass die Pflichtstunden reduziert werden müssen. Dass an der Schule Remetschwil niemand mit einem 100-Prozent-Pensum tätig ist, sei kein Zufall. «Die Belastung ist einfach zu gross, man hat dann keine Freizeit mehr.» Auch Mirjam Senn war früher Vollzeitlehrerin: «Nach drei Jahren Dauerstress wollte ich aber nicht mehr nur noch für die Schule leben.» (som)