Roland Agustoni
Aargauer Grossrat kämpft gegen Zersiedelung der Landschaft

«Immer mehr Einzonungen von Bauland gehen auf Kosten von wertvollem Kulturland, dies können wir uns auf Dauer so nicht leisten», deutet Grossrat Roland Agustoni (glp, Magden) auf ein Problem hin. In einem Postulat verlangt er Strategien gegen die Zersiedelung der Landschaft.

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Eselacker

Eselacker

Aargauer Zeitung

Peter Rombach

Es gehe nicht an, ständig Ausnahmen zu bewilligen. Der Kanton müsse «klare Strategien» entwickeln, um eine Zersiedelung der Landschaft zu vermeiden und mittel- bis langfristig wertvolle Ackerflächen zu erhalten.

In der Bundesverfassung werde zwar der haushälterische Umgang mit dem Boden verlangt und festgeschrieben, die Zeiten für eine nachhaltige Entwicklung sähen aber unerfreulich aus. In einem am Dienstag im Grossen Rat eingereichten Postulat verlangt er vom Aargauer Regierungsrat, den Schutz von sogenannten Fruchtfolgeflächen zu forcieren. «Wir verbauen in der Schweiz einen Quadratmeter pro Sekunde. Das ist ein kleiner Bauernbetrieb pro Tag oder 30 Quadratkilometer pro Jahr, was ungefähr der Fläche des Brienzersees entspricht», verdeutlicht Grossrat Agustoni.

Möhlin will Bauzone erweitern

Der AZ sind noch andere Zahlen bekannt: In Möhlin beispielsweise ist an eine Erweiterung der Bauzone um knapp 10 Hektare gedacht. Die grössten zusammenhängenden Flächen befinden sich in den Bereichen Breite, Eselacker und Leigrube, welche sich aus Sicht des Gemeinderats für eine Siedlungsarrondierung eignen. Rheinfelden mit 1612 Hektaren erlaubt eine variierte Betrachtungsweise: 50 Prozent Waldfläche gelten als festgeschrieben; in der Bauzone sind 17 Prozent überbaut, als unbebaute Reserve stehen rund 5 Prozent zur Verfügung; das Kulturland umfasst 22 Prozent des Rheinfelder Stadtgebiets.

Kontingent für Kanton

Während sich der Bestand an Kulturland dauernd verringert, wächst die Bevölkerung kontinuierlich. Die Schweiz verfüge über wenig Landwirtschaftsland, das besonders fruchtbar ist, wissen die Experten im Bundesamt für Raumentwicklung. Das Prinzip der Nachhaltigkeit verpflichte, den kommenden Generationen intakte Ressourcen zu hinterlassen.
Wegen des zunehmenden Verlusts an Landwirtschaftsland hat der Bundesrat 1992 den Sachplan Fruchtfolgeflächen erlassen, in dem für die einzelnen Kantone Kontingente an ackerbaufähigem Landwirtschaftsland (Fruchtfolgeflächen) festgelegt sind. Die Umsetzung des Sachplans erfolgt durch Gemeinden im Rahmen der Nutzungsplanung. (az)

Recherchen von Agustoni ergaben, dass Ende 2008 im kantonalen Richtplan 40737 Hektaren gesicherte Fruchtfolgeflächen ausgewiesen waren und der Sachplan des Bundes den Kanton verpflichtet, 40 000 Hektare dauernd zu sichern. «Wir kommen also rasch an diese Grenzen, wenn die Bauzonen immer grösser auf Kosten solcher Fruchtfolgeflächen erweitert werden. Ich habe Angst, dass da etwas schief läuft», appelliert er an den Regierungsrat, angesichts immer knapper werdender Bodenressourcen an die Zukunft zu denken.

«Bin kein Bauverhinderer»

«Fruchtfolgeflächen dienen nicht nur zur Existenzsicherung von landwirtschaftlichen Betrieben sondern sichern die Nahrungsmittelproduktion - auch für künftige Generationen.» Der Grossrat warnt vor Gleichgültigkeit, macht allerdings auch eines deutlich: «Ich will kein Bauverhinderer sein; eine geordnete, auf die Natur abgestimmte Siedlungsentwicklung muss weiterhin möglich bleiben.

Das Bundesamt für Raumentwicklung teilt Agustonis Sorgen. «Rund 40 Prozent der Bauzonenflächen liegen auf Böden bester Bonität.» Sie seien auch zahlreichen Gefahren ausgesetzt wie Erosion, Verdichtung, Verschmutzung oder Versiegelung. «Fast alle unsere Aktivitäten wirken sich in irgendeiner Form auf den Boden aus, der Verlust ist irreversibel», unterstreicht das Bundesamt.

Von Natur aus sei der Boden ein komplexes und lebendiges Element. Er lasse sich nicht auf organisches Material und Mineralien reduzieren, sondern bilde Lebensraum für unzählige Tiere, Pflanzen, Pilze, Bakterien und Mikroorganismen. «Dieses Bodenleben ermöglicht die dauernde Entwicklung, ist aber auch Voraussetzung für eine optimale landwirtschaftliche Produktion», hebt das Bundesamt für Raumentwicklung hervor.