Endlager

Aargau bleibt im Endlager-Fokus

Überprüfung des Bundes bestätigt die sechs Standort-Regionen für ein Atom-Tiefenlager.Die Nagra hat gut gearbeitet, sagt der Bund. Darum wird am Bözberg, am Jura-Südfuss und nördlich der Lägern weiterhin ein Tiefenlager-Standort gesucht.

Hans Lüthi

Bei den neusten Abklärungen zum Tiefenlager geht es um sicherheitstechnische Urteile von Expertengruppen. Aber diese wirken sich konkret auf die Standort-Regionen aus. Gemäss dem Bundesamt für Energie (BFE) hat die Nationale Genossenschaft für die Entsorgung der radioaktiven Abfälle (Nagra) «eine fachlich fundierte, umfassende und nachvollziehbare Analyse» gemacht. Konsequenz daraus: Die Standort-Regionen bleiben unverändert, für je ein Lager mit hochaktiven und schwach- bis mittelaktiven Abfällen (oder ein Kombilager) kommen weiterhin die Region Bözberg, das Gebiet «Nördlich Lägern» und das Zürcher Weinland infrage. Um schwach- bis mittelaktive Abfälle geht es am Jura-Südfuss, am Südranden und am Wellenberg.

Analysen durch den Aargau

Die Strategie der Nagra ist durch das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi) in Würenlingen, die Kommission für nukleare Entsorgung und die Kommission für nukleare Sicherheit untersucht worden. Obwohl schon reichlich Experten am Werk sind, will auch der Aargau selber «genau analysieren, ob sich aus dem Ensi-Gutachten Anhaltspunkte ergeben, die eine Anpassung der geologischen Standortgebiete im Aargau zur Folge hätten». Denn: «Andere räumliche Ausscheidungen würden zu veränderter Betroffenheit von Aargauer Gemeinden führen», schreibt das Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) in einer Stellungnahme. Und der Aargau macht damit klar, dass er dem Bund nicht alles abkauft, was dieser beim Tiefenlager schön präsentiert. Darum haben die tangierten Kantone eine eigene «Expertengruppe Sicherheit» gegründet, um sich von unabhängigen Fachpersonen beraten zu lassen.

Nach Fusionen 85 Gemeinden

Im Aargau sind alle tangierten Gemeinden geblieben – die Zahl hat sich dennoch reduziert, von 91 auf 85. Nach den Fusionen per 2010 sind am Bözberg noch 44 Gemeinden (–5) betroffen, am Aargauer Jura-Südfuss noch 28 Gemeinden (–1) nach der Fusion von Aarau-Rohr und «Nördlich Lägern» unverändert 13 Aargauer Kommunen.

«Der Jura-Südfuss hat geringere Chancen, in die engere Wahl zu kommen», sagte Michael Aebersold, Sektionschef für radioaktive Abfälle beim BFE, vor den Medien in Bern. Die Region bleibt jedoch gleichrangig in der weiteren Abklärung. Erst Mitte 2011 entscheidet der Bundesrat, welche Gebiete dabei bleiben.

Die FDP Aargau kommt zum Schluss, das Tiefenlager sei dort zu bauen, «wo die Abfälle sicher verwahrt werden können». Ins gleiche Horn stösst die CVP Aargau, die für die drei Pfeiler Effizienz, Erneuerbare und Kernenergie eintritt. Nach den Sommerferien können Kantone und Gemeinden Stellung nehmen. Der definitive Standort für ein oder zwei Lager soll erst 2018/19 gewählt werden. Zum Bau kann das Volk in 8 bis 10 Jahren Stellung nehmen.

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