Hermann Rauber

Aaraus Stadtammann Marcel Guignard würdigte in der Markthalle vor den Unternehmerinnen und Unternehmern das Magazin «Hochparterre» als «eine der wichtigsten Stimmen in der Schweizer Design- und Architekturdebatte». Die Blumen kamen nicht von ungefähr, beschäftigt sich doch die jüngste Nummer der Zeitschrift ausschliesslich mit der Aargauer Kantonshauptstadt.

Besonders geschmeichelt fühlte sich Guignard vom Titel «Aaraus urbane Blüte» und vom Lob einer soliden «Baukultur», für die Stadt immer mehr ein «wichtiger Standortfaktor», auf die der Stadtrat besonderen Wert lege.

Neben dieser «urbanen Blüte» gebe es, so Guignard, in Aarau «auch eine beeindruckende Palette von unternehmerischen Perlen» zu bestaunen. Diese leisteten einen «wichtigen Beitrag zu Wohlstand und zur gesellschaftlichen Entwicklung», was sich in den jüngsten Ratings mit guten Werten für Aarau niedergeschlagen habe. Beim Kriterium Arbeitsmarkt liege Aarau national gar an vierter Stelle, «übrigens genau einen Rang vor Zürich», betonte Guignard.

Orte zukünftiger Ernten

Elektrisieren vom Ausdruck «Aaraus urbane Blüte» liess sich auch Stadtbaumeister Felix Fuchs. Zur Ernte brauche es aber nicht nur Blüten, sondern Früchte. Solche zeigten sich in Aarau langsam aber sicher.

Andere müssten erst noch reifen, meinte Fuchs und verwies auf die städtischen Entwicklungsgebiete im Torfeld Süd und Nord, im Scheibenschachen, in der Telli, am «Baum der Kultur» (Mittlere Bühne), am Bahnhof oder im Kasernenareal, auf dem mittel- bis langfristig ein «Stadtplatz» entstehen könnte, wie er zur Zeit der Helvetik 1798 angedacht worden war.

Trotz sichtbarer Blütenpracht seien andere Bereiche aber noch im Zustand des Knospens, etwa das regionale Denken und Zusammengehen. Aarau müsse laut Fuchs auch «zusammen mit privaten Partnern eine aktive Land- und Bodenpolitik betreiben», denn die eigenen Reserven seien «zu bescheiden geworden».

Ganz nach dem Motto «Investiere in der Zeit, so hast du in der Zukunft», gab der Stadtbaumeister den versammelten Unternehmerinnen und Unternehmern sowie den Politikern zu bedenken.

Roderick Hönig, Redaktor beim «Hochparterre», fragte sich als «katalogisierender Journalist», ob Aarau nun eine grosse Kleinstadt oder eine kleine Grossstadt sei. Je nach Massstab wohl beides. Sicher sei, dass «Aarau im Wandel ist», das sehe man schon am Wachsen des neuen Bahnhofs und an anderen «Kranen», die die Stadtsilhouette prägten.

In Aarau habe sich in den letzten Jahren eine Baukultur entwickelt, an der aber noch «gearbeitet» werden müsse. Die Aussichten aber seien gut und der eingeschlagene Weg erfolgversprechend, sagte Hönig.

Trumpfkarte im Torfeld Süd

Einer der angesprochenen Investoren ist Christoph Caviezel, Geschäftsführer der Firma Mobimo, die im Torfeld Süd rund 55 000 Quadratmeter Land besitzt. Hier dürfe keine beliebige Collage entstehen, sondern ein «neues Stadtquartier», das am Ende «ein Ganzes bilden muss», also alle Bereiche wie Wohnen, Arbeiten und Leben umfasse. Gerechnet wird mit einem Bauvolumen von rund 250 Millionen Franken.

Mobimo wolle im Torfeld «eine Marke schaffen», unter bewusstem Einbezug des Labels «Energiestadt», über das Aarau bereits seit einigen Jahren verfüge. Die rechtlichen Grundlagen fehlten zwar noch, doch ist Caviezel davon überzeugt, dass an dieser Stelle eine «neue Trumpfkarte» für die Stadt entstehen wird.