Aarauer dürfen wählen – aber nur Rohrer

Aarau und Rohr fusionieren 2010, aber Rohr bildet mit Buchs bis auf Weiteres eine eigene Kreisschule. Jetzt werden deren Satzungen angepasst. Theoretisch müsste ein Aarauer Schüler im neuen Ortsteil Rohr Schulgeld zahlen.

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Aargauer Zeitung

Thomas Röthlin

Buchs und Rohr betreiben seit 2002 eine Kreisschule. 2010 fusioniert Rohr, nicht aber Buchs mit Aarau. Um den gordischen Knoten in aller Ruhe zu lösen, übernimmt gemäss Fusionsvertrag Aarau die schulischen Rechte und Pflichten von Rohr, wobei die Schulorganisation «mittelfristig» überprüft wird.

Kurzfristig ändert sich faktisch wenig. Im Herbst 2009 wählen Rohrer und Buchser den 15-köpfigen Kreisschulrat neu. Dieser wählt die Kreisschulpflege, legt die Schulorte und Schulgelder fest, verabschiedet Budget und Rechnung und bewilligt Ausgaben für Bau und Unterhalt der Schulanlagen. Er ist proportional zur Bevölkerungszahl von Buchs (9 Mitglieder) und Rohr (5) zusammengesetzt, wobei je eine Gemeinderatsmitglied gesetzt ist.

Nur Rohrer sind wählbar

Sollte ab 2010 ein Kreisschulratsmitglied aus Rohr zurücktreten, ist neu auch der Ortsteil Aarau wahlberechtigt. Aktiv gewählt werden darf aber nur, wer im Ortsteil Rohr wohnt. Als «echter» Aarauer im Kreisschulrat kommt nur einer der (gesetzten) Stadträte in Frage.

Es sei rechtlich nicht haltbar, wenn nur ein Teil der Gemeindebevölkerung stimmberechtigt wäre, begründet Kreisschulpflegepräsident Ueli Frey die Satzungsanpassung, über die am 28. Mai der Kreisschulrat befindet. Juristen aus der Kantonsverwaltung hätten dazu geraten, wobei es «keine vergleichbare Situation» gebe und deshalb «Unsicherheit» geherrscht habe, sagt Frey. Er sass in der Arbeitsgruppe, welche die neuen Satzungen formulierte.

Andererseits wolle man die Schulorganisation kurzfristig möglichst belassen, so Frey. «Baldmöglichst» sollen jedoch Verhandlungen mit der Stadt Aarau aufgenommen werden, «um den Fortbestand der Kreisschule zu ermöglichen».

Wer nicht befiehlt, zahlt nicht

Gemäss neuen Satzungen müssen auch die «Vertreter der Stadt Aarau in der Kreisschulpflege (. . .) Wohnsitz im Ortsteil Rohr haben». Dafür zahlt die neue Gemeinde Aarau an Investitionen und Betriebskosten der Kreisschule nur jenen Anteil, den heute Rohr bezahlt. Und Rohr zahlt mit 3263 Einwohnern (Ende 2008) weniger als Buchs mit 6539 Einwohnern.

Die Kreisschule Buchs-Rohr lässt den Ortsteil Aarau so weit aussen vor, dass Schüler aus «Alt-Aarau», die aus irgend einem Grund im Ortsteil Rohr unterrichtet werden, Schulgeld zahlen müssten. Rein theoretisch, betont Schulpflegepräsident Frey, zumal das heutige Aarau mehr als genug Schulraum zur Verfügung habe.

Allerdings werden Schüler neu platziert, wenn sie zum Beispiel gemobbt werden oder sich eine Disziplinarmassnahme aufdrängt. Was in solchen Fällen das Schulgeld wert sei, sagt die Aarauer Schulpflegepräsidentin Véronique Persson. Auch dann, wenn Geld innerhalb von «Neu-Aarau» fliessen sollte.

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