Aarau

Aarau investiert 238 Millionen

Bleibt der Steuerfuss der Stadt wie bis anhin bei 94 Prozent, wird das Nettovermögen Ende des Jahres 166,5 Millionen Franken betragen.

Bleibt der Steuerfuss der Stadt wie bis anhin bei 94 Prozent, wird das Nettovermögen Ende des Jahres 166,5 Millionen Franken betragen.

Die Altstadtgassen, die Keba und die Mittlere Bühne: Aarau baut in den nächsten Jahren wie verrückt. Dies zeigt auch der aktuelle Politikplan (2010– 2014) der Stadt.

Deborah Balmer

Die Ausgangslage ist nicht gerade rosig: Wegen der Wirtschaftskrise hat Aarau 2009 über 9 Millionen Franken weniger Steuern eingenommen als noch ein Jahr zuvor. «Zurückzuführen ist dies vor allem auf den Einbruch bei den Aktiensteuern», bedauert Stadtammann Marcel Guignard. Das aktuelle Vermögen der Stadt betrug Anfang Jahr allerdings noch immer stolze 188 Millionen Franken. Doch die Tendenz ist sinkend.

Das Vermögen der Stadt schrumpft nicht nur wegen der rückläufigen Steuererträge – «auch die grossen Investitionsprojekte werden zu Buche schlagen», warnt Guignard. Zu den grossen Investitionsprojekten Aaraus gehört die Erweiterung und Sanierung der Schulanlage Gönhard: Fast 15 Millionen Franken werden aus der Stadtkasse hier hereinfliessen. Ein weiteres Projekt, die sanierte Berufsschule Aarau, wird am Ende 16 Millionen Franken kosten. Die Erneuerung der Sporthalle im Schachen kostet die Stadt 25 Millionen Franken.

Ebenfalls im Bereich Sport will Aarau 17 Millionen Franken für die Erneuerung der Keba aufwerfen. Im Bereich Kultur kostet die Realisierung der Aargauer Bühne Oxer 19 Millionen Franken. Insgesamt beträgt das geplante Investitionsvolumen der Stadt in den Jahren 2010 bis 2014 fast 238 Millionen Franken, fast eine Viertelmilliarde.

Vermögen sinkt um 114 Millionen

Auch wenn bei den Projekten teilweise noch Beiträge von Dritten hinzukommen, ist für Stadtammann Guignard klar: «Die Einnahmen und die Ausgaben der Stadt stehen derzeit in einem Missverhältnis.»

Und: «Werden keine Gegenmassnahmen ergriffen, würde die Selbstfinanzierung auf Werte sinken, die der Stadt keine angemessene Entwicklung mehr ermöglichen.»

In den Jahren 1997 bis 2006 hat die Selbstfinanzierung laut Guignard über den Nettoinvestitionen gelegen – dies führte zu einer Erhöhung des Vermögens. Seit 2007 liegen die Investitionen aber über der Selbstfinanzierung. Wie erwähnt sinkt wegen des Einbruchs der Aktiensteuereinnahmen die Eigenfinanzierung ab 2009 stark und es folgt ein nicht geplanter, starker Vermögensabbau.

Mit dem Hintergrund der eingebrochenen Steuereinnahmen einerseits und den geplanten Investitionen andererseits hat der Stadtrat verschiedene Szenarien ausgearbeitet, die er jetzt im aktuellen Politikplan (2010–2014) präsentiert.

Bleibt der Steuerfuss der Stadt wie bis anhin bei 94 Prozent, wird das Nettovermögen Ende des Jahres 166,5 Millionen Franken betragen. Mit den geplanten Investitionen wären es vier Jahre später «nur» noch 74,4 Millionen Franken.

Das heisst, das Nettovermögen der Stadt vermindert sich in der Planperiode von 188 Millionen Franken (Stand Anfang 2010) um rund 114 Millionen Franken auf rund 74 Millionen Franken.

Steuerfusserhöhung auf 98%

Ein zweites Szenario ist es, den Steuerfuss ab kommendem Jahr auf 98 Prozent zu erhöhen: Damit würde sich das Nettovermögen bis 2014 «nur» um 103 Millionen Franken auf rund 85 Millionen Franken reduzieren.

Somit wäre das Ziel des Stadtrates erreicht, ein verzinsliches Nettovermögen von mindestens 80 Millionen Franken zu erhalten. Denn: «Mit dem Vermögen generieren wir auch Zinsen», so Guignard. «Bei Variante eins wird dieses Ziel verfehlt», so der Stadtammann. Doch wie wahrscheinlich ist es, dass eine Erhöhung des Steuerfusses vom Volk akzeptiert würde?

Guignard gibt zu: «Eine erste Präsentation des Vorschlages kam im Einwohnerrat tatsächlich nicht bei allen gut an.»

Egal, wie sich Aarau entscheiden wird: Dass in naher Zukunft viel gebaut wird, ist sicher. Weitere Investitionen sind: die Erweiterung des Stadtmuseums Schlössli, die Gestaltung des Bahnhofplatzes und die Umgestaltung der Tellistrasse und der Kauf der BBA-Aktien.

Meistgesehen

Artboard 1